Michael Wohlrab (39) ist Pfarrer an der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg in Jerusalem. - © FOTO: FELIX RETTBERG
Michael Wohlrab (39) ist Pfarrer an der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg in Jerusalem. | © FOTO: FELIX RETTBERG

HERFORD Herforder Pfarrer traut Prinzenpaar

Hohenzollersche Hochzeit am Samstag

Herford/Potsdam. Wäre Deutschland noch eine Monarchie, wäre er jetzt der Kaiser: Georg Friedrich Prinz von Preußen (35), Ururenkel von Wilhelm II.. Heute heiratet der Chef des Hauses Hohenzollern  seine Prinzessin Sophie von Isenburg (33). Bunte, Neue Post und Co. haben für die Republik längst  die "Royale Hochzeit" schlechthin ausgerufen, bejubeln das neue "Deutsche Kaiserpaar". Das Fernsehen überträgt live, drei Stunden. Und mitten im Spektakel steckt Michael Wohlrab, 39, geboren in Bielefeld, aufgewachsen in Herford. Denn: Er traut das Paar. Felix Rettberg sprach mit ihm. Herr Wohlrab, das wird die Hochzeit Ihres Lebens! MICHAEL WOHLRAB: (lacht) Nein. Das war und bleibt natürlich meine eigene. Aber klar: Diese Trauung  ist schon etwas ganz Besonderes, wird größer sein als alles, was ich bisher erlebt habe. Über 700 Gäste aus dem gesamten Hochadel, auch aus dem Ausland, werden kommen,  mehrere Fernsehsender die Trauung live übertragen. Aufgeregt? WOHLRAB: Na, das wäre wohl jeder. Aber die schöne Friedenskirche im Potsdamer Schlosspark strahlt viel Ruhe aus. Das hilft, auch beim Gottesdienst. Wieso traut ein Pfarrer vom Ölberg in Jerusalem einen deutschen Prinzen in Potsdam? WOHLRAB: Wir kennen uns, durch verschiedene Projekte. Zum 110. Jubiläum der Orientreise des deutschen Kaisers  kam der Prinz vor drei Jahren nach Jerusalem, da sind wir uns erstmals begegnet. Später hat er uns bei der Renovierung des historischen Festsaals an unserer Himmelfahrtkirche unterstützt, meine Frau und ich haben ihm später bei der Organisation eines Jugendaustausches von israelischen, palästinensischen und deutschen Jugendlichen für die Prinzessin Kira von Preußen-Stiftung geholfen. Und plötzlich hat er mich gefragt. Haben Sie an der Predigt für den Prinzen und seine Prinzessin eigentlich länger als sonst gearbeitet?WOHLRAB: (lacht) Ich möchte mal behaupten, dass ich mir immer Mühe gebe. Aber vielleicht habe ich in diesem Fall meine Frau, die ja auch Pfarrerin ist, wirklich öfter gebeten, noch einmal drüber zu lesen. Was haben Sie dem Paar zu sagen? WOHLRAB: Das verrate ich nicht. Wieso nicht?WOHLRAB: Das sollen die beiden schon als Erste hören. Sind Sie mit dem Prinzen und der Prinzessin eigentlich schon per Du?WOHLRAB: Ja. Er hat's mir   angeboten. Vorher war ich immer unsicher, wie ich ihn denn nun korrekt anspreche. Bürgerlich ist er einfach Herr Prinz von Preußen. Wenn man royalistisch gesinnt ist, spricht man ihn mit Eure Königliche Hoheit an. Und besonders monarchistisch geprägte Menschen nennen ihn Eure Königliche und Kaiserliche Hoheit. Da habe ich es jetzt mit dem "Du" wirklich einfach. Wie haben Sie die beiden erlebt? WOHlRAB: Als sehr natürlich, sympathisch und engagiert. Mit den Jugendlichen des Austauschs hat er auf der Burg Hohenzollern zum Beispiel nicht nur zusammen am Klavier gestanden und gesungen, sondern danach auch Tischfußball gespielt. Und er spielt wirklich gut.  Wären die beiden im Schloss Bellevue besser als "Die Wulffs"?WOHLRAB: Diese Frage stellt sich doch gar nicht. Auf was freuen Sie sich bei dieser Hochzeit besonders?WOHLRAB: Dass es ein ökumenischer Gottesdienst sein wird. Er ist Protestant, sie ist Katholikin. Und dass diese Trauung auch noch in dieser besonders schönen Kirche stattfindet. Verraten Sie doch mal, wie prächtig wird's? WOHLRAB: Die Gästeliste kann sich tatsächlich sehen lassen: eine bunte Mischung aus Vertretern des Hochadels, selbst Mitglieder des jordanischen Königshauses reisen an, der israelische Botschafter und Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck kommen ebenso wie die Verlegerin Friede Springer. Mit dem Rolls-Royce kommt die Braut zur Kirche, nach der Trauung holt eine Kutsche das Paar ab, und zum Abendempfang hat der Prinz in die Orangerie des Schlossparks geladen. Und, davon können Sie ausgehen:  Mit dem Familienschmuck wird die Prinzessin natürlich immer  strahlend aussehen. Haben Sie sich eigentlich extra etwas schneidern lassen? Neuer Talar? Smoking für den Abend? WOHLRAB: Ein neues uniertes, preußisches Beffchen habe ich mir tatsächlich gekauft. Ich hatte ja bisher nur das ostwestfälisch-lutherische, das sieht ein bisschen anders aus. Am Abend aber bleibe ich klassisch pastoral: Kollarhemd. Gibt es einen Gast, auf den Sie sich freuen?WOHLRAB: Der DJ Paul Kalkbrenner aus dem Film "Berlin Calling" hat sich angekündigt. Der ist sicher ein ungewöhnlicher Gast. Was haben die Kollegen vom Fernsehen für Ansprüche an Sie gestellt?WOHLRAB: Ach, halb so wild. Natürlich werde ich gepudert. Aber das muss wohl sein. Die Kirche ist recht klein, und da wird’s mit den Gästen und der Technik bestimmt  ziemlich warm werden. Und,  das ist beruhigend für mich: Wenn mal Pausen entstehen, ist das nicht schlimm, im Gegenteil. Dann kann der Kommentator auch mal wieder etwas sagen. Hand aufs Herz: Wünschen Sie sich für Deutschland den Kaiser zurück?WOHLRAB: (lacht) Na, dann hätte ich die beiden wohl kaum trauen dürfen. Also: nein. Im Ernst: Nicht mal der Prinz will das mehr. Ohne Krone lebt's sich leichter. Die drückt doch nur.

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