FH-Professor Jörn Loviscach taucht in den aktuellen Videos selbst auf. Dazu filmt er sich mit einer Web-Kamera, deren Bild quasi hinter den Bildschirm gelegt wird. - © SCREENSHOT: JÖRN LOVISCACH
FH-Professor Jörn Loviscach taucht in den aktuellen Videos selbst auf. Dazu filmt er sich mit einer Web-Kamera, deren Bild quasi hinter den Bildschirm gelegt wird. | © SCREENSHOT: JÖRN LOVISCACH

BIELEFELD Jörn Loviscach als Professor Youtube

Vorlesungen an der FH Bielefeld im Internet

Bielefeld. Wenn Professor Jörn Loviscach von der Fachhochschule (FH) Bielefeld eine Vorlesung hält, sitzt nur knapp die Hälfte seiner Studentinnen und Studenten im Hörsaal. Die anderen bleiben zu Hause oder gehen ihrem Broterwerb nach. Das stört den Professor nicht; er ist sogar selbst dafür verantwortlich. Professor Loviscach stellt seit dem Sommersemester 2009 seine Vorlesungen in Mathematik und Informatik für jedermann frei ins Internet. Mit diesem virtuellen Lernraum spielt er in Bielefeld eine Vorreiterrolle. "Klassische Vorlesungen lassen sich durch Internetvideos ersetzen, sagt Professor Loviscach. Er spricht aus Erfahrung. Rund 1.600 Videos hat er in den letzten zwei Jahren produziert. Inhaltlich reicht das Spektrum von elementarer Bruchrechnung über Differenzialgleichungen bis hin zu Vektoranalysis. Der überwiegende Teil der Videos sind Live-Mitschnitte aus Vorlesungen. Professor Loviscach verwendet dafür einen Tablet-PC einen Laptop mit beschreibbarem Bildschirm. Mit dem Computerstift skizziert er auf dem Display die geometrischen Ideen hinter den mathematischen Formeln und Regeln. Die Studierenden im Hörsaal verfolgen das per Beamer. Sie sind interaktiv in die Vorlesung eingebunden. Bei Fragen und Diskussionen pausiert die Aufnahme. "Am Ende jeder Vorlesung habe ich eine Hand voll Videodateien, die ich praktisch eins zu eins ins Internet stelle." Alle Programme, die Loviscach bei der Produktion der Internetvorlesungen verwendet, sind kostenlos.Heilsame Beschränkung auf Youtube Um den Zeitaufwand zu minimieren, hat er eigene Zusatzprogramme entwickelt. So markiert er beispielsweise per Mausklick schon in der Vorlesung Fehler oder Versprecher, um sie dann in der Nachbearbeitung ohne Suchen herauszuschneiden. Die Orientierung im Video erleichtert ihm zudem ein Programm, das die gesprochene Sprache in lesbaren Text umwandelt. Die Vorteile des E-Learning (elektronisch unterstütztes Lernen) haben auch andere deutsche Hochschulen für sich entdeckt. "Die meisten Vorlesungen im Internet sind von Assistenten gefilmte und nachbearbeitete 90-Minuten-Klopfer, weiß Professor Loviscach. Bei dem FH-Professor beschränkt sich dagegen jedes der mit Minimalaufwand produzierten Videos auf ein eng umrissenes Thema. "Anfangs waren auf Youtube nur Videos von knapp elf Minuten Länge erlaubt. Diese Beschränkung war heilsam." Professor Loviscach teilte seine Vorlesungen in kleine Wissenspakete auf. Auch als Ende 2010 das Zeitlimit fiel, hielt der Professor an den kleinen Einheiten fest, um die Suche im Internet zu vereinfachen und in der Live-Vorlesung überschaubare Abschnitte zu bilden. Die Resonanz auf Loviscachs Videos ist sehr gut. Etwa 5.500 Personen, Studierende ebenso wie Schüler und Ingenieure, abonnieren die Filme. Sie stammen vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus den USA, aus der Schweiz und aus Polen. Pro Tag verzeichnet Loviscach rund 5.000 bis 9.000 Abrufe.Professor taucht selbst in aktuellen Videos auf Auf Wunsch einiger Zuschauer taucht der FH-Professor in den aktuellen Videos auch selbst auf. Dazu filmt er sich mit einer Web-Kamera, deren Bild quasi hinter den Bildschirm gelegt wird. Das Ergebnis: Professor Loviscach scheint im Halbdunkel hinter einer virtuellen Glaswand zu stehen, die er von hinten beschreibt.   Die diversen Programme, die er eigens für solche Bearbeitungen entwickelt hat, stellt er im Herbst dieses Jahres auf drei internationalen Konferenzen vor; Anfang September berichtet er in Dresden auf der deutschen E-Learning-Konferenz DeLFI über sein Lehrkonzept.

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