Die 28-Tonnen schwere alte Dame schwebt vom Anlieger ins Wasser. Viele 100 Zuschauer verfolgten gestern das Spektakel an der Weser. Die meiste Zeit mussten sich die Zuschauer allerdings gedulden und warten. Um 13.35 Uhr schwebte Amanda in der Luft, um 13.37 Uhr saß sie bereits im Wasser. - © FOTO: ULF HANKE
Die 28-Tonnen schwere alte Dame schwebt vom Anlieger ins Wasser. Viele 100 Zuschauer verfolgten gestern das Spektakel an der Weser. Die meiste Zeit mussten sich die Zuschauer allerdings gedulden und warten. Um 13.35 Uhr schwebte Amanda in der Luft, um 13.37 Uhr saß sie bereits im Wasser. | © FOTO: ULF HANKE

BAD OEYHAUSEN Großeinsatz der Mindener Pioniere: Weserfähre Amanda ins Wasser gehoben

Luftschiff für zwei Minuten

Bad Oeynhausen. Amanda ist wieder in ihrem Element: Donnerstag  schaffte eine Großübung der Bundeswehr mit 60 Soldaten, Amphibien-Fahrzeugen und einem 120-Tonnen-Kran, was zuvor mit zwei kleineren Kränen nicht gelungen war. Die überraschend schwere alte Dame schwimmt wieder in der Weser und zuckelt Freitag ab 11 Uhr für Radfahrer und Fußgänger von Porta Westfalica nach Bad Oeynhausen und zurück. Kapitän Peter Wartenberg fiel Donnerstag Mittag ein großer Stein vom Herzen. In einer ersten Reaktion war er zu Scherzen aufgelegt. "Ich habe Höhenangst", sagte er. Wenige Momente zuvor hatte sich Amanda mit ihm an Bord erst in ein Luftschiff und dann wieder in eine Weser-Fähre verwandelt. Einen Meter hoch hatte der Kran das Schiff gezogen und neben den Anlieger in die Weser gesetzt. Mit laufenden Motoren wartete Wartenberg auf dem Schiff aufs Wasser. Um 13.37 Uhr war Amanda endlich auch von unten wieder feucht. Applaus brandete auf beiden Seiten des Ufers auf. Zahlreiche Zuschauer hatten sich zum Spektakel eingefunden. "Ich bin schon ganz wild darauf, mit der alten Kongo-Fähre wieder zu fahren", sagte der Vlothoer Dieter Höhne. Zweifel am Gelingen der zweiten Großaktion hatte niemand unter den Beteiligten. Die Mindener Pioniere unter dem Kommando von Hauptmann Stefan Jaschke bauten aus den Amphibienfahrzeugen schwimmende Fähren und holten damit erst den Kran und dann dessen Gegengewichte samt Tieflader aus Vössen über die Weser zum Amanda-Anlieger. Die Groß-Fähren der Pioniere waren rund 40 Meter lang, die Weser aber nur knapp 50 Meter breit. Das Rangieren auf dem Wasser war eine knifflige Kiste. Zudem mussten die Soldaten auf dem Wasser auf die Kranführer warten, die zunächst ihr Gefährt in Balance bringen mussten. Bei ruhiger Fahrt verbrauchte der Zusammenschluss der Amphibienfahrzeuge etwa 60 Liter Diesel pro Stunde. "Das können wir acht bis zehn Stunden so machen", sagte Hauptfeldwebel Sven Sturhan. Währenddessen sperrte das Wasser- und Schifffahrtsamt Minden mithilfe der Wasserpolizei die Weser für sämtlichen Verkehr. Alle Sportboote mussten unverrichteter Dinge abdrehen. "Ein Binnenschiff ist glücklicherweise nicht dabei gewesen", sagte Jürgen Göttsche vom Schifffahrtsamt Minden. Kurz bevor die Amanda auf den Haken genommen wurde, schaute der Kommandeur der Mindener Pioniere, Frank Söhnholz, nach dem Rechten. "Das ist eine Herausforderung, so schwere Gewichte an eine so schwierige Stelle zu transportieren", sagte er. Während 60 seiner Soldaten in der Weser an der Amanda übten, kämpfen 60 Pioniere in Afghanistan und 40 Soldaten aus Minden überwachen den Frieden im Kosovo. Chefplaner der Aktion war Michael Bernsmeier von der Firma Autorent. Beim ersten Versuch, das Schiff zu Wasser zu lassen, ging einer der Kräne in die Knie, weil Amanda viel schwerer war (28 Tonnen), als in den Papieren ausgegeben (20,9 Tonnen). Bernsmeier schätzte die alte Dame diesmal gleich ein bisschen gewichtiger ein. "Dann haben wir mehr Spiel", sagt er. "35 Tonnen darf sie aber auch nicht wiegen. Dann wäre Feierabend." Amanda hat sich an diese Gewichtsbeschränkung gehalten und nicht seit Ende April noch einmal zugelegt. Die Aktion wird von der kommunalen Gesellschaft "Großer Weserbogen" bezahlt. Wie viel der doppelte Stapellauf der Amanda kostete, wollte gestern kein Verantwortlicher verraten. Stephan Böhme (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Porta Westfalica, der den Kontakt zu den Pionieren hergestellt hatte, sagte: "Ich bin der Bundeswehr sehr dankbar. Das ist ein Zeichen für ihre Standortverbundenheit." Dankbar zeigte sich auch Peter Wartenberg. Der Amanda-Kapitän spendierte den Soldaten drei Kisten Bier.

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