Der Behandlungsraum 7 wird derzeit wie vier andere so gut wie nie genutzt. Lediglich am Ende des neuen Flures läuft der Medizinbetrieb, dort, wo die chirurgische Notaufnahme ihren Platz hat. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Der Behandlungsraum 7 wird derzeit wie vier andere so gut wie nie genutzt. Lediglich am Ende des neuen Flures läuft der Medizinbetrieb, dort, wo die chirurgische Notaufnahme ihren Platz hat. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

GÜTERSLOH Leere auf dem Flur

Neue Notaufnahme des Städtischen Klinikums wird nur zum Teil genutzt

Gütersloh. 1,7 Millionen Euro hat das Städtische Klinikum in seine neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) investiert. Mit großem Programm und 1.000 Besuchern war sie im September stolz den Bürgern präsentiert worden. Nun stellt sich heraus: Die neue Notaufnahme wird nur zur Hälfte genutzt. Statt in der neuen ZNA neben dem Haupteingang landen die internistischen Notfälle weiterhin im Obergeschoss auf Station 20. "Wir selber sind mit dieser Situation alles andere als glücklich", sagte Klinikums-Geschäftsführerin Maud Beste gestern. Der Personalmangel sei schuld. "Wir haben zu wenige Ärzte, deswegen lässt sich das derzeit anders nicht regeln." Die Idee der neuen ZNA war es, die chirurgische und internistische Notaufnahme zusammenzuführen. Neun Behandlungsräume stehen dafür bereit, plus ein Schock-, ein Gipsraum sowie ein Operationssaal. Während die chirurgische Notaufnahme dort wie geplant ihre Arbeit leistet, sitzt die internistische nach wie vor ein Stockwerk höher. Die fünf für sie vorgesehenen ZNA-Behandlungsräume werden derzeit allenfalls punktuell genutzt. Bis auf einen Monitor sind die Räume leer, die mobilen Geräte, etwa für Ultraschall und EKG, wurden nach oben verfrachtet."Wir haben uns das anders vorgestellt" Dass das ein unglücklicher Zustand ist, räumt Pflegedirektor Jens Alberti, Projektleiter ZNA, offen ein. "Wir hatten uns das auch anders vorgestellt. Als wir die neue Notaufnahme geplant haben, konnten wir aber nicht damit rechnen, dass uns der Ärztemangel derart zusetzt." Mit der ZNA war das Klinikum einer Vorgabe des Kreisgesundheitsamtes nachgekommen. Die Behörde hatte immer wieder die Notaufnahme des Klinikums moniert. Unter anderem bemängelte das Kreisgesundheitsamt fehlende Wartezimmer und Behandlungsräume, deren Ausstattung zu wünschen übrig lasse. Dass die Missstände trotz des Neubaus noch immer nicht behoben sind, hat den Kreis nach eigenen Angaben jetzt überrascht. In einem Telefonat mit Klinikums-Chefin Maud Beste ließ sich Kreisgesundheitsamtsleiter Matthias Gubba, einer der Ehrengäste bei Eröffnung der ZNA, am Mittwoch die Situation erläutern. "Er war nicht zufrieden mit dem, was er hörte. Der Kreis geht nun davon aus, dass die neue Notaufnahme im ersten Quartal nächsten Jahres definitiv in Vollbetrieb geht", erläuterte Kreis-Sprecher Jan Focken anschließend. Eine Sofort-Änderungen des Zustandes lasse sich wegen des Ärztemangels wohl nicht durchsetzen. Der Kreis nehme das zähneknirschend zur Kenntnis.Bettpfannen werden auf dem Flur verteilt So werden die internistischen Notfälle vorerst weiterhin in der Inneren Notfallambulanz auf Station 20 versorgt – unter den bekannten räumlichen Einschränkungen. So kommt es dort immer wieder vor, dass Betten in den Durchgängen stehen; manche Patienten, so heißt es, müssen ein oder mehrere Stunden auf dem Flur auf ihre Behandlung warten, im Blickfeld von Angehörigen anderer Patienten, Fremden also. Vom Pflegepersonal ist zu hören, dass es mitunter nicht anders gehe, als auf dem Flur Pfannen für die Notdurft zu verteilen. Unwürdige Zustände seien das. Da auf demselben Flur an zwei Stellen das Leitbild des Klinikums ausgehängt sei, mit dem darin formulierten Vorsatz, die Würde des Patienten sei zu wahren und im alltäglichen Handeln zu gewährleisten, mache man sich überdies unglaubwürdig. "Es gibt ein großes Bemühen im Haus, diese Zustände so schnell wie möglich abzuschaffen", sagte Maud Beste. Sie sei zuversichtlich, dass das bald gelinge, denn nach aktuellem Stand würden die derzeit offenen Ärztestellen Anfang nächsten Jahres wieder besetzt sein. Damit sei der reguläre Stellenpool wieder voll. "Wenn das der Fall ist, können wir mit dem Vollbetrieb in der ZNA starten." Mit der Inneren führe sie demnächst ein Gespräch, wie die Arbeit mit Verlagerung der internistischen Notambulanz in die ZNA personell zu organisieren sei. Es werde schwierig bleiben, sagte Beste: Denn eigentlich war im Sommer der Plan gewesen, mit der neuen Notaufnahme drei zusätzliche Ärzte einzustellen. "Davon sind wir leider noch ein gutes Stück entfernt."

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