Thomas Hentzschel und Christin Behle im Iran. - © FOTO: BÜRGER
Thomas Hentzschel und Christin Behle im Iran. | © FOTO: BÜRGER

LEMGO Einmal Tibet und zurück

Paar aus Lemgo ein Jahr im Bulli unterwegs

Lemgo. Venedig war noch wie Urlaub, Albanien bereits ruppiger. Die östliche Türkei sehr orientalisch, der Iran ein echtes Kunststück. Nach 360 Tagen hatten Christin Behle und Thomas Hentzschel 42.500 Kilometer geschafft, 333 Tage im Auto geschlafen und Tibet gesehen. Rückblende: Behle (43) arbeitete 2009 in Bielefeld für die Firma Goldbeck, Hentzschel (51) in Lemgo als Rechtsanwalt. Im Juli packten beide ihre Sachen und machten sich mit einem VW-Bulli auf den Weg. Behle damals im Gespräch mit unserer Zeitung: "Uns treibt Fernweh und der Wunsch nach Entschleunigung." September 2010. Sie sind zurück. Und es ist noch alles dran. Nur das Auto hat einen Satz Reifen verbraucht auf den Straßen von Pakistan, Indien, Goa, Nepal. Eine Scheibe ging zu Bruch – bereits in Kroatien –, ein Reifen, sonst keine Störungen im Bulli. Der Start: Hentzschel: "Wir hatten im Kleinwalsertal noch Urlaub mit 30 Familienmitgliedern gemacht. Quasi eine Abschiedsrallye in den Bergen. Dann sind wir los. Bis Verona wollte sich nur das übliche Urlaubsgefühl einstellen. Es war in Mostar, als wir nahe der historischen Brücke saßen, in Plastikstühlen. Von da an änderte sich unser Rhythmus." Das Auto: Bereits nach 1.000 Kilometern erkannte das Paar: "Der Bulli war zu voll. Wir hatten zu viele Klamotten mit, haben bereits in Kroatien einem Urlauberpaar aus Erlangen zwei Taschen mitgegeben und unterwegs vieles einfach weggeworfen." Das Essen: "Großartig war die vegetarische Küche in Indien", so Hentzschel. Weniger spannend fand Behle das Trockenfleisch im Iran. Gefrühstückt haben die beiden nahezu immer im Auto. Das schlechteste Wasser habe das Lemgoer Paar in Indien getrunken. Behle: "Aufbereitetes Wasser, das nach Maschinen roch und schmeckte." Gesundheit: Von den vielen Medikamenten, die sie dabei hatten, haben sie in den 360 Tagen kaum was gebraucht. Nur einmal hat sie ein bisschen der Durchfall gequält. Die Menschen: Von den tausend Gesichtern, die sie unterwegs gesehen haben, rund 5000 fotografiert. "Im Iran muss man nur eine Karte in die Hand nehmen und wird angesprochen", sagt Hentschel. Und "bei 70 Stundenkilometern wurden uns Weintrauben durchs Autofenster gereicht". Nachrichtenlage: Der Anwalt informierte sich täglich online - das Notebook war der wichtigste Gegenstand im Wagen - über das Leben in Deutschland, sogar in Lemgo, surfte auf spiegel-online oder lz-online.de. Seine Frau hatte dafür keinen Sinn. Beide hielten Kontakt zu den Familienmitgliedern daheim über Mail und Skype. Behle: "Zuhause wurden sie nach 4 Wochen ruhiger, anfangs hatten alle etwas Angst um uns." Fazit: Sie seien nach diesem Jahr bedürfnisärmer, fasst Hentzschel den Mega-Trip zusammen. Beide hätten noch nie so lange am Stück das gleiche T-Shirt getragen. Der Höhepunkt der Reise? Silvester in Goa. Behle: "Blauer Himmel, 15 Overlander am Strand, wir haben gemeinsam gekocht. Sensationelles Gefühl."

realisiert durch evolver group