0
Generationswechsel: Veith Lemmen, der neue Landesvorsitzende der NRW-Jusos (links), mit Vorgänger Christoph Dolle. - © FOTO: ANNIKA FALK
Generationswechsel: Veith Lemmen, der neue Landesvorsitzende der NRW-Jusos (links), mit Vorgänger Christoph Dolle. | © FOTO: ANNIKA FALK

BIELEFELD Mann mit Hut an der Spitze

Münsteraner Veith Lemmen ist neuer Landesvorsitzender der NRW-Jusos

06.09.2010 | Stand 06.09.2010, 07:40 Uhr

Bielefeld. Er sticht aus der Menge heraus. Denn ohne Hut verlässt Veith Lemmen selten das Haus. Mit 85,2 Prozent der Stimmen ist der 26-Jährige am Wochenende zum neuen Chef der Jungsozialisten (Jusos) in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. "Das ist ein fast verdächtiges Ergebnis in Juso-Kreisen", sagte der Student bei der Landeskonferenz in Bielefeld. Er war der einzige Kandidat für das Amt. Sein Vorgänger Christoph Dolle hat die "Bioklippe", wie Jusos die Altersgrenze von 35 Jahren nennen, fast erreicht.

Der Warburger war vier Jahre Chef der SPD-Nachwuchsorganisation und hatte nicht mehr kandidiert. "Zwar gehe ich mit einem weinenden Auge, aber es spielt auch Erleichterung mit", sagte der 34-Jährige, der in Zukunft mehr Zeit für seine Frau und die neun Monate alte Tochter haben möchte. "Ich bin froh über den Generationswechsel." Auch der 14-köpfige Landesvorstand wurde verjüngt, unter anderem mit der Bielefelderin Alexandra Wend, Tochter des langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Wend.

Seinem Nachfolger wünscht Dolle, dass dieser den Verband mit demselben Rückhalt führen kann wie er. "Die nötige Autorität dafür hat er", so Dolle. Erkan Ertan, Bundesvorsitzender der Hochschulgruppen, nannte Lemmen sogar "einen sehr engagierten, klar positionierten Workaholic". Lemmen ist bei den Jusos kein Unbekannter. Neben dem Studium der Politik, Soziologie und Geschichte in Münster war der gebürtige Mönchengladbacher zuletzt Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen NRW. Das Amt will er abgeben. Sein Schwerpunkt liegt weiter auf Bildungspolitik, aber auch Integration, Antidiskriminierung und Netzpolitik sind ihm ein Anliegen.

Mit der Partei wünscht sich Lemmen eine kritische und konstruktive Auseinandersetzung. Auch dass er nach seinem Wahlsieg den Anruf der SPD-Chefin Hannelore Kraft verpasst hat, wird die Zusammenarbeit wohl nicht trüben. "Ich habe großen Respekt, wie sie die Koalitionsverhandlungen geführt und den Menschen die SPD wieder nähergebracht hat", so Lemmen. In das Programm der neuen Regierung hätten die Jusos bereits Positionen einbringen können. "Aber wir wollen weiterkämpfen und die Anliegen der Jungen an die Partei herantragen."

Neben Personalentscheidungen beschäftigten sich die 150 Konferenzteilnehmer mit dem Arbeitsprogramm nach dem Regierungswechsel. Getrübt wurde die Stimmung einzig vom schlechten Mobilfunknetz und der langsamen Internetverbindung im Tagungshaus. Schließlich gehört es bei der Parteijugend längst zum guten Ton, Ergebnisse sofort über den Kurznachrichtendienst Twitter und soziale Netzwerke an die 18.000 Mitglieder weiterzugeben.