Nach kanpp zwei Stunden hatten die Alliierten Truppen die Oberhand bei der Schlacht gewonnen. Mit Flinten, Bajonetten und wehenden Fahnen rückt die Truppe auf das französische Lager vor. - © FOTO: SANDRA WAMERS
Nach kanpp zwei Stunden hatten die Alliierten Truppen die Oberhand bei der Schlacht gewonnen. Mit Flinten, Bajonetten und wehenden Fahnen rückt die Truppe auf das französische Lager vor. | © FOTO: SANDRA WAMERS

OSSENDORF Um 17 Uhr waren die Franzosen besiegt

Schlacht bei Warburg aus dem Siebenjährigen Krieg aufwändig reinszeniert

Ossendorf. Viele Geschichten werden eher leise erzählt, aber manche Geschichten brauchen den richtig lauten Knall - allemal, wenn Geschichte lebendig werden soll. Zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Warburg wurde am Samstagnachmittag entsprechend großes Geschütz in Stellung gebracht. Mit der Preußischen Dreipfünder-Kanone wurde das Geschehen reinsziniert. Aufmarsch der militärischen Truppen auf dem Ossendorfer Sportplatz um Schlag 15 Uhr: Husaren, Dragoner, Kürassiere präsentierten sich den Schaulustigen und natürlich der oberen Heeresleitung in Persona von Feldmarschall Herzog von Braunschweig und Preußenkönig Friedrich dem Großen, Spitzname "Alter Fritz". Der erste Eindruck: Bunt waren die Truppen im Siebenjährigen Krieg, sogar Schotten im Rock marschierten am Samstagnachmittag mit. Bunt, aber diszipliniert. Im straffen Marsch ging es auf das Schlachtfeld, wo sich die alliierten Truppen mit den Franzosen eine rund zweistündige Schlacht lieferten. "Wir wollen Geschichte erlebbar machen", sagte Stefan Kleinhans, Vorsitzender der historischen Kanoniere des Ossendorfer Schützenvereins. Und erleben konnten die Zuschauer, wie sich die Truppen einst im Siebenjährigen Krieg formierten, vorstießen und zurückwichen. Alles untermalt mit lautem Donner aus den Kanonen und Kuhfüß-Flinten. Kriegerisches Chaos blieb aus. Die Befehlskette wurde streng eingehalten - die Geschichte auch. Gegen 17 Uhr waren die Franzosen besiegt. Das Schlachtfeld wurde geräumt. Zurück ins Heerlager. Dort flanierte der Adel und erkundigte sich bei den Soldaten nach der Schlacht - und die rang in Ossendorf Respekt ab. "Kompliment an den Veranstalter, ein so großes Biwak habe ich noch nicht gesehen", sagte "Anna-Luisa von Anhalt-Dessau", die sich mit ihrer Hofdame "Freifrau von Habstedt" unter das rote Leibgrenadierregiment von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. gemischt hatte. Rund 120 Veranstaltungen besucht die Gruppe um Major Matthias Leyer pro Jahr und der hauptberufliche Polizist zeigte sich von der Organisation schwer beeindruckt: "Eine so große Schlacht habe ich auch noch nicht gehabt, aber mit der Sicherheit hat alles geklappt." Eine Feldgasse weiter präsentierten sich die Akteure des Dresdner Barocks - und gaben einen kleinen Einblick in die opulente Art der Robenwahl. "Panier, oder im Volksmund auch Weiberspeck genannt, heißen meine Hüftpolster", erklärte Silvia Weise, Vorsitzende des Dresdner Barock-Vereins. Rund 60 Arbeitsstunden hatte die 33-jährige Veranstaltungsmanagerin in ihr ausladendes Gewand investiert. Das volle Ornat von ihrem Begleiter "Bernhardt Heribert von Schwabe zu-Naue", dem Kämmerer August des Starken, war mit Dreispitz, Perücke bis zum barocken Männer-Absatzschuh 2.500 Euro wert. Warum dieser Aufwand? "Wir sind keine barocken Kleiderständer, wir wollen Geschichte lebendig machen und neu entdecken", betonte Silvia Weise alias "Maria-Aurora Gräfin von Königsmarck". Geschichte lebendig und erlebbar zu machen ist auch den Organisatoren der Schlacht bei Warburg gelungen. "Ausverkauft", sagte Ortsheimatpfleger Erwin Dübbert eine Stunde nach der Schlacht. Die 700 Exemplare der Gedenkschrift zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Warburg, welche der Ossendorfer Schützenverein herausgegeben, waren vergriffen.

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