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Zwei Ostwestfalen unter den Opfern von Duisburg

Mann aus Bad Oeynhausen und Frau aus Bielefeld bei Loveparade ums Leben gekommen

24.07.2010 | Stand 26.07.2010, 07:25 Uhr |

Duisburg (red/lnw/jr/ei). Unter den 19 Toten der Loveparade-Katastrophe von Duisburg sind zwei Menschen aus Ostwestfalen. Wie die Duisburger Polizei am Sonntagnachmittag bekanntgab stammt eine tote Frau (19) aus Bielefeld, ein Mann (18) aus Bad Oeynhausen. Weitere deutsche Opfer kamen aus Gelsenkirchen, Münster, Düsseldorf, Castrop-Rauxel, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Steinfurt und Osnabrück. Es kamen auch acht Ausländer aus Australien, den Niederlanden, China, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien ums Leben.

Nach der tödlichen Massenpanik von Samstag hat die Staatsanwaltschaft offiziell die Ermittlungen aufgenommen. Die weltweit bekannte Technoparade soll zudem in Zukunft nicht mehr stattfinden. Zwei Strafanzeigen gingen bisher ein. Bei der Massenpanik am Samstag wurden rund 340 Menschen verletzt.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wollte am Sonntag zunächst die Unglücksstelle in Augenschein nehmen und anschließend Verletzte in Krankenhäusern besuchen. Auch Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (beide CDU) planten Besuche bei den Verletzten. 

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"Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte Detlef von Schmeling vom Polizeipräsidium Duisburg am Sonntag bei einer Pressekonferenz der Stadt und der Veranstalter. Die Toten waren zwischen etwa 20 und 40 Jahre alt.

Noch sei unklar, wie viele Besucher insgesamt bei der Loveparade waren, sagte von Schmeling. Die bisher genannte Zahl von 1,4 Millionen könne er zunächst nicht bestätigen. Als einzige feststehende Zahl nannte er 105.000 Menschen, die in der Zeit von 9 bis 14 Uhr mit der Bahn nach Duisburg gekommen seien.

Die meisten Toten seien auf der westlichen Seite der Zugangsrampe gefunden worden. 16 Opfer seien bislang identifiziert, die Angehörigen seien informiert. Unter den Toten befanden sich demnach auch ein Niederländer, ein Australier, ein Italiener und ein Chinese.

Die Veranstalter wollten sich nicht dazu äußern, wie der Zugang durch den Tunnel zum Festgelände vor Beginn der Loveparade mit Blick auf die Sicherheit der Besucher bewertet worden war. Der Sprecher der Veranstalter Lopavent, Björn Köllen, verwies auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Von Schmeling sagte, dass die Polizei vor dem Unglück eine zweite Zugangsrampe geöffnet habe, damit der Druck auf den ersten Zugang nachlassen könne. Teil des Sicherheitskonzeptes sei gewesen, den Zugang zum Tunnel zu regulieren. Das sei den ganzen Tag über durch die Polizei erfolgt. Der Zugang zum Gelände sei zu keinem Zeitpunkt gesperrt gewesen.

Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens hat es nach Informationen von Schmeling durchaus noch Bewegungsmöglichkeiten auf der Rampe gegeben Der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, verkündete das "Aus" der Technoparade. "Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären", sagte er. "Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollständig aufzuklären." Die Technoparty - die vor 21 Jahren in Berlin gegründet wurde - findet damit auch nicht wie geplant im kommenden Jahr in Gelsenkirchen statt.

Kritikpunkt vieler Augenzeugen war stets das Sicherheitskonzept und die Organisation der Massenparty. Tausende Menschen hatten sich in einem Tunnel zum Veranstaltungsgelände gestaut. Die Polizei war mit mehr als 4.000 Kräften vor Ort.

Der Leiter der Duisburger Krisenstabs, Wolfgang Rabe, erklärte, er habe am Sonntagmorgen alle seine Unterlagen der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Vor der Presse wollte er wegen der bereits begonnenen Ermittlungen keine weitere Aussagen machen. Er sagte, der Veranstaltungsplatz auf dem alten Güterbahnhof könne grundsätzlich bis zu 300.000 Menschen aufnehmen. Er sei zum Zeitpunkt der Unglücks nicht vollständig gefüllt gewesen.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) zeigte sich tief erschüttert. "Die Trauer vermag ich nicht in Worte zu kleiden, dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht in Worte fassen kann".

Er warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. Die Staatsanwaltschaft müsse ermitteln, den Behörden seien Akten dazu übergeben worden.

OWL-Rettungsdienste in Bereitschaft

Für eine mögliche Unterstützung der Duisburger Hilfskräfte waren am Samstagabend aus allen Kreisen Ostwestfalen-Lippes Rettungsdienst-Verbände mit rund 350 Helfern alarmiert worden. Aus Bielefeld, Paderborn, Gütersloh, Herford, Minden-Lübbecke und Lippe war jeweils ein Patiententransportzug - bestehend aus vier Rettungswagen, vier Krankenwagen, zwei Notärzten und einem Einsatzleitungswagen - entsendet worden. Ferner das Modul "Behandlungsplatz für 50 Patienten" für den so genannten "Massenanfall von Verletzten" des Kreises Gütersloh und das Modul "Betreuungsplatz" für 500 Patienten des Kreises Lippe.

Fünf Notärzte und rund 200 Helfer trafen sich auf einen Firmenparkplatz an der Autobahn 2 bei Gütersloh, wo sie bis gegen 1.30 Uhr auf einen Einsatzbefehl warteten. Anschließend wurde die Bereitschaft der Helfer aus OWL durch die Bezirksregierung aufgelöst und die Fahrzeuge konnten wieder einrücken. Die Retter aus dem Norden OWLs hatten sich nahe Herford und in Minden gesammelt. Doch auch sie wurden nicht mehr nach Duisburg beordert.