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Gesine Schwan wollte schon zweimal Bundespräsidentin werden. Jetzt zieht sie gemeinsam mit Ralf Stegner in das Rennen um die SPD-Parteispitze. - © picture-alliance/ dpa
Gesine Schwan wollte schon zweimal Bundespräsidentin werden. Jetzt zieht sie gemeinsam mit Ralf Stegner in das Rennen um die SPD-Parteispitze. | © picture-alliance/ dpa

Nahles-Nachfolge Schwan und Stegner bewerben sich für den SPD-Vorsitz

14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 19:19 Uhr

Berlin (AFP/scha/jw). Es kommt Bewegung in den Kampf um die SPD-Parteispitze: Gesine Schwan, Chefin der SPD-Grundwertekommission und Vizechef Ralf Stegner bewerben sich um die Nachfolge von Andrea Nahles. Das verlautete am Mittwoch aus Parteikreisen in Berlin. Am Freitagmittag wollen sie sich in Berlin öffentlich erklären, wie es aus Parteikreisen weiter hieß. Mit Stegner steigt der erste stellvertretende Parteichef in das Kandidatenrennen ein. Der 59-jährige Stegner, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, koordiniert seit Jahren den linken Flügel der Partei. Er gilt als Skeptiker der großen Koalition von SPD und Union. Er wollte sich am Mittwoch auf Anfrage nicht dazu äußern. Die 76-jährige Schwan hatte bereits öffentlich eine Kandidatur erwogen. Sie kandidierte 2004 und 2009 für das Amt der Bundespräsidentin. Beide Male scheiterte sie gegen Horst Köhler. Schwan kündigte zuletzt an, die SPD wieder stärker an ihren Grundwerten ausrichten zu wollen. "Wir sind so schrecklich mutlos", hatte sie jüngst gesagt. Schwan und Stegner benötigen für die Kandidatur allerdings noch die Nominierung durch einen Landesverband, einen Bezirk oder fünf Unterbezirke. Diese Hürde haben bislang nur Christina Kampmann aus Bielefeld, NRW-Landtagsabgeordnete und Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, genommen. Kritik an der Bewerbung vom CDU-Generalsekretär Kurz nach Bekanntwerden der Bewerbung von Schwan und Stegner, machte sich CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bereits bei Twitter darüber lustig - und erntete mit seinem Post selbst viel Häme. Er schrieb vermutlich mit Verweis auf den Juso-Chef Kevin Kühnert: "Stegner hat nun doch eine Frau gefunden... Wenn beide noch den Kevin adoptieren, könnten wir eine Neuauflage von "Eine schrecklich nette Familie" aufführen." #Stegner hat nun doch eine Frau gefunden... Wenn beide noch den #Kevin adoptieren, könnten wir eine Neuauflage von „Eine schrecklich nette Familie" aufführen. #Familientherapiehttps://t.co/3NjWylVFtb — Paul Ziemiak (@PaulZiemiak) August 14, 2019 Bis zum 1. September können sich weitere Duos bewerben Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 1. September. Die neue SPD-Spitze soll dann nach einer Mitgliederbefragung auf einem Parteitag Anfang Dezember gewählt werden. Mit Spannung wird erwartet, ob sich noch Bundesminister oder andere Schwergewichte der Partei bewerben. Neben diesem Duo wollen die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer antreten, ebenso wie die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen, Simone Lange und Alexander Ahrens. Den Zweier-Teams gemeinsam ist, dass sie mehr oder weniger schnell aus der großen Koalition austreten wollen oder ihr zumindest kritisch gegenüberstehen.Zudem kündigte der Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, Robert Maier, seine Kandidatur an. Auch der frühere Bundestagsabgeordnete Hans Wallow hatte mitgeteilt, dass er sich bewerben wolle. Die SPD ist in einer tiefen Kriese Die SPD ist in einer tiefen Krise und erreicht in Umfragen derzeit nur 12 bis 14,5 Prozent. Seit Tagen wird gerätselt, ob sich noch SPD-Schwergewichte aus den Reihen der Minister oder Ministerpräsidenten um den Vorsitz bewerben. Unter der Hand hatte es aus diesen Kreisen geheißen, so ein Schritt werde erwartet. Mehrere Spitzenpolitiker wie Finanzminister Olaf Scholz, die drei kommissarischen Vorsitzenden oder Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hatten deutlich gemacht, dass sie den Vorsitz nicht anstreben. Weil hatte dies zuletzt mit den Worten bekräftigt: „Das steht nicht an, ich erwarte das nicht. Ich gehe davon aus, dass ich nicht kandidieren werde." Als Anwärterin wird etwa Familienministerin Franziska Giffey gehandelt, deren Dissertation derzeit aber überprüft wird und die somit um ihren Doktortitel bangen muss. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan (76) hatte bereits vor Wochen ihre Bereitschaft zu einer Kandidatur erklärt - und diese dann auch erneuert. „Allen, die mir vorwerfen, ich sei naiv, sage ich: Und wie weit habt ihr es gebracht mit eurer vermeintlichen Professionalität?", sagte sie Anfang August dem Spiegel. Von Oktober 1999 bis September 2008 war Schwan Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). „Man sieht nicht mehr, wofür die SPD brennt", sagte Schwan zur Motivation ihrer Kandidatur. Nötig sei jemand, der Politik handfest etwa in Berlin-Wedding verkaufen könne.

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