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Unverheiratet: Bürgermeisterin Josefa Schmid (45). - © Gemeinde Kollnburg
Unverheiratet: Bürgermeisterin Josefa Schmid (45). | © Gemeinde Kollnburg

Landarztmangel Gemeinde sucht per Anzeige Arzt und Mann für die Bürgermeisterin

Sigrun Müller-Gerbes
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 10:57 Uhr

Kollnburg. Der Hausärztemangel auf dem Land zeitigt inzwischen skurrile Folgen. Die Gemeinde Kollnburg, ein Örtchen in der Tourismusregion Bayerischer Wald, ist offenbar so verzweifelt auf der Suche nach einem Mediziner, dass sie schon mit der unverheirateten Bürgermeisterin lockt. In einer Anzeige im Deutschen Ärzteblatt teilt die Gemeinde nicht nur mit, dass der Landkreis Regen "einen Hausarzt/eine Hausärztin" sucht, sondern liefert auch einen "Geheimtipp: Die Bürgermeisterin ist noch unverheiratet!" Wer dahinter nun einen perfiden Angriff der Verwaltung auf die FDP-Frau Josefa Schmid (früher CSU, zwischenzeitlich auch Kandidatin der Freien Wähler), der irrt: Die 45-Jährige ist angeblich selbst auf die Idee gekommen, die Anzeige derartig aufzupeppen - um sich von der Masse der Stellenangebote abzuheben: Die Gemeinde habe die Formulierung "bewusst als hervorhebendes Instrument gewählt, um Aufmerksamkeit in der Fachzeitschrift zu erzielen", sagte Schmid dem Stern. Denn die Not im Ort ist groß: Seit Mitte der 90er Jahre gibt es keinen ortsansässigen Hausarzt mehr, die knapp 3.000 Bewohner müssen in Nachbardörfer ausweichen. Selbst die Tatsache, dass das Land Bayern kräftige Zuschüsse für die Neuansiedlung einer Praxis zahlt und die Gemeinde als anerkannter Erholungsort viele Touristen anzieht - "leben, wo andere Urlaub machen", heißt es in der Anzeige -, hat bislang wenig geholfen. Da kam Schmid nun auf die "humorvolle" Ergänzung, wie sie selbst sagt. Ob sie gegen die juristische Pflicht der Gemeinde verstößt, Stellenanzeigen genderneutral zu formulieren, hat noch niemand geprüft - an Frauen jedenfalls richtet sich das "Lockangebot" offensichtlich nicht. Nicht die erste schlagzeilenträchtige Aktion Das Inserat  ist nicht die erste öffentlichkeitswirksame Aktion der Politikerin: 2016 bewarb sie sich als "singende Bürgermeisterin" bei Dieter Bohlens Castingshow "Das Supertalent", ausgestrahlt wurde ihr Auftritt aber wegen Lizenzstreitigkeiten mit dem Autor des Songs nicht. 2013 gab es Ärger wegen einer Cover-Version des Reinhard-Fendrich-Titels „Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" - ebenfalls wegen Urheberrechten. Politisch machte Schmid voriges Jahr im Zusammenhang mit dem Skandal um die Bremer Bamf-Außenstelle Schlagzeilen: Im dortigen Amt für Migration und Flüchtlinge, das Schmid vorübergehend leitete, gab es den Verdacht, dass zahlreiche Asylanträge zu Unrecht gewährt worden waren. Schmid machte darauf aufmerksam - und wurde von der Bamf-Leitung abgezogen. Immer wieder konfliktträchtig waren die Beziehungen der Bürgermeisterin zum Gemeinderat von Kollnburg - sie informiere nicht darüber, wenn sie abwesend sei, gebe keine Verantwortung ab und sei unpünktlich. Im Sommer 2018 stellte der Gemeinderat daher "Benimmregeln" auf. Ein Beitrag von "queer vom Bayerischen Rundfunk" stellt die Situation dar: Die singende Bürgermeisterin Josefa Schmid ist zurück in der Heimat. Während der BAMF-Affäre blieben die Amtsgeschäfte oft liegen. Sind die Kollnburger jetzt wieder zufrieden mit ihrer Bürgermeisterin? quer kehrt zurück, der zweite Teil unserer Sommerserie. pic.twitter.com/aqFYgzUWvI — quer vom BR (@BR_quer) August 16, 2018

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