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Im Kloster Maria Laach: Andrea Nahles, Ex-Vorsitzende der SPD, redet über «Die Gleichberechtigung von Mann und Frau laut Grundgesetz und im wahren Leben». - © picture alliance/dpa
Im Kloster Maria Laach: Andrea Nahles, Ex-Vorsitzende der SPD, redet über «Die Gleichberechtigung von Mann und Frau laut Grundgesetz und im wahren Leben». | © picture alliance/dpa

Gleichberechtigung Nahles rechnet mit Männerseilschaften in der SPD ab

13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 10:36 Uhr

Glees (dpa). Anfang Juni hatte sich Andrea Nahles mit einem „Machen Sie's gut" in Berlin aus dem Amt der SPD-Vorsitzenden und auch aus dem Scheinwerferlicht des Politikbetriebes verabschiedet - nun tauchte sie in der Benediktinerabtei Maria Laach in Glees wieder auf. Eigentlich, so war es angekündigt, werde sie nicht über die SPD reden - und dann tut sie es doch. Zur aktuellen Situation ihrer Partei, die gerade in einem mühsamen Prozess nach einem Nachfolger für Nahles sucht, äußert sich die 49-Jährige nicht - wohl aber darüber, warum sie gescheitert ist in der SPD. Das macht sie nicht zuletzt an Seilschaften der Männer in ihrem Umfeld fest: Früher habe sie zusehen müssen, wie sich die Männer hinter verschlossenen Türen trafen. Als sie schließlich Mitglied der inneren Machtzirkel geworden war, ging das Männer-Gekungel offenbar weiter: „Die Jungs haben sich vor und nach dem Präsidium getroffen." "Die Macht war ein flüchtiges Reh" Und dann fügt sie vor rund 300 Zuhörern über ihre Zeit als SPD-Vorsitzende noch hinzu: „Als ich dann an der Spitze war, da gab es nicht so viele Zirkel, wo ich nicht dabei war. Aber doch zu viele." Sie sei in Vorstände und Präsidien gekommen und habe doch immer wieder gespürt, "die Macht war ein flüchtiges Reh". Insgesamt habe sie in ihrer Karriere nicht erlebt, dass Männer und Frauen in der Politik gleichberechtigt seien. Es gebe „einen Rollback, es geht wieder rückwärts", befand sie. Der Frauenanteil im Bundestag sei von 36 Prozent in der vergangenen Legislaturperiode auf nun 30 Prozent gesunken. Noch schlimmer sehe es allerdings  in den Chefetagen der großen Unternehmen aus. Und: „Mir scheinen auch die materiellen Voraussetzungen für Gleichberechtigung noch nicht da zu sein." Vage zu eigener politischer Zukunft Zu ihrer eigenen politischen Zukunft - bereits seit einiger Zeit wird über ihren Rückzug aus dem Bundestag spekuliert - äußerte sich Nahles nur vage. „Die Frage wird sich zügig, zeitig und in absehbarer Zeit beantworten", antwortete sie auf entsprechende Fragen. Um dann doch noch hinzuzufügen: „Man muss auch manchmal wissen, wenn man etwas Neues anfangen muss." Ende der Durchsage. Später antwortete sie auf die Frage, ob ihr nach dem Rücktritt vom SPD-Chefposten etwas fehle, kurz: „Nein."

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