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Am Ostseestrand von Warnemünde herrscht Hochbetrieb.  Doch im Wasser lauern Gefahren. - © picture alliance/dpa
Am Ostseestrand von Warnemünde herrscht Hochbetrieb.  Doch im Wasser lauern Gefahren. | © picture alliance/dpa

Vibrionen Bakterien in der Ostsee: Erster Todesfall in Mecklenburg-Vorpommern

Vibrionen sind Bakterien, die vorwiegend im Meerwasser leben und schwere und tödliche Infektionen auslösen können

Anke Groenewold
08.08.2019 | Stand 08.08.2019, 16:53 Uhr

Rostock. In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau nach einem Bad in der Ostsee an einer Bakterien-Infektion mit Vibrionen gestorben. Die ältere Frau habe zur Risikogruppe immungeschwächter Menschen gehört, sagte der Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus), Heiko Will, am Donnerstag. Woher die Frau stammte und wo sie sich infiziert hat, sagte er nicht. Dies wurde auch in den vergangenen Jahren so gehandhabt. In der aktuellen Saison registrierte das Landesamt für Gesundheit und Soziales bisher vier weitere Erkrankungen durch Infektionen mit "Vibrio vulnificus". Vibrionen sind stäbchenförmige Bakterien, die vorwiegend im Meerwasser leben und schwere und tödliche Infektionen auslösen können. Schwere Wundinfektionen Die Keime können beim Baden oder Waten im Wasser in Hautverletzungen eindringen und rufen in seltenen Fällen schwere Wundinfektionen hervor. Weitere Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Leibschmerzen und eine Hautentzündung mit Blasen. Auch in Meerestieren (Miesmuscheln und Garnelen) der niedersächsischen Nordsee wurde bei bakteriologischen Routineuntersuchungen von Lebensmitteln V. vulnificus nachgewiesen. Zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen aller Art sollten Meerestiere nicht roh verzehrt werden. Auf gutes Durchgaren muss geachtet werden, empfiehlt das Niedersächsische Landesgesundheitsamt. Drei Tote in 2018 Die deutsche Ostseeküste zählt nach einer Studie aufgrund des geringen Salzgehalts und der starken Erwärmung zu den gefährdetsten Gebieten. 2018 zählte das Amt in Rostock 18 Erkrankungen, davon drei Sterbefälle. "Setzt man die aktuellen Fallzahlen zur Zahl der Besucher an der gesamten Ostsee ins Verhältnis, so wird deutlich, dass diese Erkrankungen nach wie vor sehr seltene Ereignisse sind, wenngleich sie im Einzelfall hochdramatisch verlaufen können", so das Niedersächsische Landesgesundheitsamt. Mit dem Klimawandel und steigenden Temperaturen in der Ostsee wächst laut einer Studie auch die Gefahr von Vibrionen-Infektionen. „Vibrio-Bakterien vermehren sich vor allem bei einem Salzgehalt ab 0,5 Prozent und ab einer Temperatur von etwa 20 Grad Celsius stark", zitiert die Ostsee-Zeitung Martina Littmann vom Landesamt für Gesundheit und Soziales. Diese Bedingungen seien besonders in warmen Sommern auch an der deutschen Nord- und Ostseeküste gegeben. Untersuchung ist nicht Standard An der Nordseeküste treten Vibrionen vor allem im Bereich der großen Flussästuare, also der breiten Wasserkörper an der Mündung von Ems, Weser und Elbe auf. Grund: Duch Süßwassereinträge aus dem Binnenland ist der Salzgehalt dieses Wassers reduziert.

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