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Digitalpakt Schule: Im nächsten Schuljahr sollen die ersten Kabel verbaut und die ersten WLANs aus Mitteln des Digitalpakts in Betrieb genommen werden. - © picture alliance/dpa
Digitalpakt Schule: Im nächsten Schuljahr sollen die ersten Kabel verbaut und die ersten WLANs aus Mitteln des Digitalpakts in Betrieb genommen werden. | © picture alliance/dpa

Kultusministerkonferenz KMK-Präsident: Ärger mit Mathe-Abitur nicht wegen des Aufgabenpools

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz, über den Digitalpakt, das Mathe-Abi und Youtube

Tobias Peter
11.06.2019 | Stand 11.06.2019, 09:44 Uhr

Herr Lorz, können Sie es verstehen, wenn Eltern mit Schulkindern in Angstzustände geraten, weil sie von Hannover oder Köln nach München ziehen? Alexander Lorz: Es gibt keinen Grund, in Angstzustände zu geraten. Es wird viel dramatisiert und übertrieben, was unterschiedliche schulische Anforderungen in den einzelnen Bundesländern angeht. Die Sache betrifft nebenbei bemerkt weniger als ein Prozent der Kinder, weil die meisten Menschen innerhalb eines Bundeslandes umziehen. Ein Umzug heraus aus dem eigenen Umfeld ist für Kinder und Jugendliche ohnehin oft nicht leicht. Wann ist Schluss damit, dass sie in einer solchen Situation auch noch in der Schule leiden müssen? Lorz: Kinder sollen in der Schule überhaupt nicht leiden, aber jede Umstellung ist auch mit Stress verbunden. Die Länder haben vergleichbare Bildungsstandards. Natürlich gibt es in der Praxis trotzdem Unterschiede. Die gibt es aber auch innerhalb eines Landes. Schon zwischen einzelnen Schulen desselben Landes sind die Unterschiede oft sehr groß. Wie ist die Schülerschaft zusammengesetzt? Wie gehen die Lehrer damit um? Schule wird immer von Menschen gemacht. Das kann und will ich nicht ändern. Nach langem Ringen versuchen Bund und Länder die Schulen jetzt gemeinsam ins Internetzeitalter zu bringen – mit dem Digitalpakt Schule. Wann macht er sich in den Klassenzimmern bemerkbar? Was werden die ersten Änderungen sein? Lorz: Ich gehe davon aus, dass innerhalb des nächsten Schuljahres die ersten Kabel verbaut und die ersten WLANs aus Mitteln des Digitalpakts in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig werden die Länder ihre Anstrengungen verstärken, Lehrer fortzubilden und gemeinsam mit ihren Schulen pädagogische Konzepte zu entwickeln. Reicht das Geld, das der Bund zur Verfügung stellt, perspektivisch aus? Lorz: Für den Anfang sind die fünf Milliarden Euro, die der Bund im Verlauf von fünf Jahren gibt, eine gute Hilfe. Klar ist aber auch: Die Technik von heute ist in fünf Jahren schon wieder veraltet. Auf den Digitalpakt, der 2024 ausläuft, muss ein Digitalpakt II oder Ähnliches folgen. Die Digitalisierung in den Schulen ist eine Daueraufgabe, die Länder sollten auf den Kosten später nicht allein sitzen bleiben. Eine offensichtliche Baustelle sind auch die Abiturprüfungen. In zahlreichen Bundesländern haben Schüler mit Internetpetitionen gegen ein aus ihrer Sicht zu schweres Mathe-Abitur protestiert. Lag das am gemeinsamen Aufgabenpool, aus dem sich die Bundesländer mittlerweile bedienen können? Oder liegt es daran, dass jedes Land immer noch selbst entscheiden kann, wie es die Aufgaben stellt? Lorz: Der Ärger über das Mathe-Abitur liegt nicht an den Aufgaben aus dem gemeinsamen Pool. Probleme sind daraus entstanden, wie in einzelnen Ländern die Aufgaben zu einer Klausur kombiniert worden sind. Grob gesagt: Wenn ein Land sich für eine bestimmte Prüfung eine knifflige Aufgabe zu viel herausgegriffen hat, dann war die Klausur im Ergebnis womöglich zu schwierig. Das ist aber von Land zu Land unterschiedlich. Warum machen Sie nicht einfach ein bundeseinheitliches Abitur? Lorz: Das würde dem pädagogischen Betrieb die Luft zum Atmen nehmen. Schauen Sie mal nach Frankreich: Dort gibt es einheitliche Prüfungen – und alle sind nur noch fixiert darauf, sich die Fähigkeiten für die Lösung bestimmter Aufgaben anzueignen. Und vergessen Sie eines nicht: Es wäre die Hölle los, wenn wir bundeseinheitliche Aufgaben hätten, bei denen die Aufgabensteller den Schwierigkeitsgrad falsch eingeschätzt hätten. Zum Schluss noch ein Thema, das mittelbar auch eines für die Bildungspolitik ist. Das Video „Die Zerstörung der CDU" des Youtubers Rezo ist millionenfach angesehen worden, auch und gerade von vielen jungen Menschen. Ist das gut oder schlecht für die politische Bildung im Land? Lorz: Videos wie dieses sind eine Herausforderung für die Politik insgesamt. Es ist gut, dass auf diesem Weg politische Themen an junge Menschen herangetragen werden. Das konkrete Video scheint mir jedoch eine einseitige Tirade zu sein, bei der mit einer im Sinne der eigenen Meinung geschickt orchestrierten Zusammenstellung von Fakten gearbeitet wird. Wir wollen mit Fortbildungen dafür sorgen, dass eine größere Zahl von Lehrern noch besser weiß, wie Kanäle wie Youtube funktionieren und was sich dort abspielt, um anhand solcher Beispiele die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Was heißt das konkret für den Unterricht? Lorz: Ich fände es gut, wenn Lehrer sich mit Schülern gemeinsam solche Videos anschauen und sie dann mit ihnen zusammen analysieren – so wie man es im Unterricht ja gelegentlich auch mit Politikerreden macht. Es geht darum, dass die Lehrer mit den Schülern einen fundierten Dialog führen können, um ihnen dabei zu helfen, sich eine eigenständige Meinung zu bilden. Müssen nicht nur die Lehrer, sondern auch die CDU in Sachen Youtube noch dazulernen? Lorz: Unsere Reaktion als Partei war sicherlich nicht optimal. Ein Video auf Youtube mit einer elfseitigen Stellungnahme als PDF-Datei zu kontern, ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Das hat aber mittlerweile aber auch jeder in der CDU verstanden.

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