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Auto oder Boot? So wie hier in Dahl bei Paderborn kämpften sich Montagabend viele Autofahrer durch tiefe Pfützen. Wie es zu den Unwettern kam, erklärt Meteorologe Friedrich Föst. - © Besim Mazhiqi
Auto oder Boot? So wie hier in Dahl bei Paderborn kämpften sich Montagabend viele Autofahrer durch tiefe Pfützen. Wie es zu den Unwettern kam, erklärt Meteorologe Friedrich Föst. | © Besim Mazhiqi

Wetter Unwetter über OWL: Warum die Gewitter so kurzfristig kamen

Die heftigen Gewitter am Montagabend haben in manchen Orten für Rekordniederschläge gesorgt. Warum das Unwetter nur kurzfristig vorherzusagen war und ob der Regen für Landwirte ein Segen ist, erklärt ein Meteorologe.

Jan Ahlers
21.05.2019 | Stand 21.05.2019, 23:51 Uhr

Bielefeld. Keller liefen voll, Straßenzüge wurden überflutet, Tiere von reißenden Bächen in den Tod gerissen: Eine mächtige Gewitterfront hat über Ostwestfalen-Lippe am Montagabend und in der Nacht zu Dienstag für zahlreiche Feuerwehreinsätze gesorgt und vielerorts Sachschäden verursacht. Ein Fachmann erklärt die Besonderheiten der Wetterlage.

Der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst erklärt: "Die Wetterlage ist keine ganz gewöhnliche gewesen." Das zeigte sich unter anderem dadurch, dass die Gewitter aus östlicher Richtung heranzogen -  oft ist das ein erstes Indiz für potenziell mächtige Unwetter. "Wir hatten es mit unglaublich hoher Luftfeuchtigkeit zu tun", erklärt Föst. Die Luftmasse habe einen langen Weg vom östlichen Mittelmeer bis nach Mitteleuropa genommen.

Luftmassengrenze löste starke Gewitter aus

Meteorologe: Friedrich Föst aus Lübbecke analysiert die erste Gewitterlage im noch jungen Sommer 2019. - © NW
Meteorologe: Friedrich Föst aus Lübbecke analysiert die erste Gewitterlage im noch jungen Sommer 2019. | © NW

Ausgerechnet über OWL formierte sich schließlich eine scharfe Luftmassengrenze - "hier hat die Lunte gezündet", sagt Föst. Eigentlich hätte diese Grenze über Niedersachsen liegen sollen, erst kurzfristig verlagerte sich die brisante Zone mit Blitz und Donner etwas weiter nach Westen - entsprechend spät kamen die Vorwarnungen, als sich der Himmel vielerorts bereits verfinsterte.

Dass zuvor oftmals weder die Sonne geschienen hatte noch es außergewöhnlich warm gewesen sei, sei in diesem Fall kein entscheidendes Kriterium gewesen. "Sehr labile, noch dazu schwüle und feuchte Luftmassen waren idealer Nährboden für Gewitterzellen."

Die höchsten Regensummen fallen im Osten

Während es etwa in Herford und Bielefeld durch ein stark ausgeprägtes Gewitter zu lokalen Überschwemmungen kam, so trafen die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn stundenlang immer wieder schauerartige, gewittrige Regenfälle - ein sogenannter Gewittercluster erwischte die Regionen mit Macht.

"Hier hat es lokal mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben", sagt der Experte. "Das ist in einem derart kurzen Zeitraum eine außergewöhnlich hohe Summe." Im Normalfall bewegt sich das Niederschlagssoll in OWL im gesamten Monat Mai zwischen 55 und 70 Litern.

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Einige Messstationen verzeichneten Allzeit-Rekorde seit Aufzeichnungsbeginn, so etwa Bad Lippspringe mit gut 80 Litern Regen in 24 Stunden. Verbreitet fielen in einem Dreieck zwischen Detmold, Höxter und Bad Wünnenberg mindestens 60 Liter pro Quadratmeter. Im Westen von Ostwestfalen, die Grenze verlief etwa von Lübbecke über den Bielefelder Westen bis Gütersloh, kamen derweil nur wenige Tropfen herunter - meist weniger als zehn Liter pro Quadratmeter.

Hatte der ergiebige Niederschlag auch eine gute Seite, etwa für Natur und Landwirte? Eher weniger, glaubt Friedrich Föst. "Es ist generell gut, wenn es regnet, aber das war viel zu viel Regen auf einen Schlag. Das meiste Wasser fließt dann als Oberflächenwasser in die Bäche und Flüsse, weil die Böden so schnell keine großen Feuchtigkeitsmengen aufnehmen können", erklärt der Fachmann.

Immerhin hat es sich mit den Gewittern vorerst erledigt. Stattdessen setzt sich ruhiges Frühlingswetter durch mit einigen schönen Tagen, aber auch atlantischen Tiefdruckgebieten, die etwas Regen bringen. "Ein stabiles Frühsommerhoch ist nicht in Sicht", sagt Föst.

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