St. Julian mit seinem Partyviertel "Paceville" ist bei Studierenden ein überaus beliebter Treffpunkt. - © Matthias Schwarzer
St. Julian mit seinem Partyviertel "Paceville" ist bei Studierenden ein überaus beliebter Treffpunkt. | © Matthias Schwarzer

Expedition EU Erasmus-Geheimtipp Malta: 10 Tipps für ein Auslandssemester auf der Insel

Es muss nicht immer Spanien sein: Die kleine Mittelmeer-Insel Malta ist inzwischen ein beliebtes Ziel für Erasmus-Studenten aus ganz Europa. Hier lernt man nicht nur an der Uni, sondern auch fürs Leben, weiß unser Autor.

Matthias Schwarzer
18.05.2019 | Stand 19.05.2019, 08:29 Uhr |

Valletta. Wer während seines Studiums ein Auslandssemester plant, dem stehen in der EU alle Möglichkeiten offen. Seit 1987 fördert das europäische Erasmus-Programm das Studium im EU-Ausland - seither haben mehr als 4 Millionen Studierende das Angebot in Anspruch genommen. Interessant: Wer ein Studium im Ausland macht, fühlt sich anschließend deutlich stärker mit Europa verbunden. Das ergab eine Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, die anlässlich des 30-jährigen Erasmus-Jubiläum 2017 veröffentlicht wurde. Demnach fühlen sich 83 Prozent aller Erasmus-Absolventen eng mit Europa verbunden, 81 Prozent beteiligten sich 2014 an der letzten Europawahl. Doch ein Erasmus-Studium hat noch andere positive Nebenwirkungen: 27 Prozent aller Erasmus-Studenten haben ihren Partner oder ihre Partnerin während des Auslandsaufenthalts kennen gelernt. Und, eine ebenso logische Konsequenz: Überall in Europa werden einige Jahre nach dem Auslandssemester "Erasmus-Babys" geboren. Einige kuriose Fakten über Malta in unserer Instagram-Story: Während der Expedition EU machen wir Halt in Malta. Eine kleine 500.000-Einwohner-starke Insel im Mittelmeer zwischen Italien und Afrika. Auch an der örtlichen Universität können Studierende aus ganz Europa ein Auslandssemester verbringen. Das allerdings weiß kaum jemand - oder Studierende haben das kleine Land schlichtweg nicht auf dem Schirm. Laut verschiedener voneinander unabhängiger Umfragen ist weiterhin Spanien unangefochten das beliebteste Erasmus-Land, dicht gefolgt von Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Schweden. Malta taucht in diesen Statistiken gar nicht oder nur auf den allerletzten Plätzen auf. Unser Autor war selbst Erasmus-Student auf Malta und kann ein Auslandssemester auf der Insel nur empfehlen. Nicht, weil sie die schönste der Welt wäre - sondern aus ganz anderen Gründen. Einige Erkenntnisse: 1. Malta ist ganz anders Ein Auslandssemester in Malta lohnt sich vor allem deshalb, weil die Insel und ihre Menschen in Europa einzigartig sind - und vor allem: ganz anders als unsere europäischen Nachbarn. Malta war bis 1964 britisch - und das merkt man auch heute noch an jeder Ecke. Trotz Unabhängigkeit stehen immer noch an jeder Ecke die typisch englischen rote Telefonzellen vor gelben Sandstein-Fassaden. Ein eigentlich ziemlich kurioses Bild - in Malta aber völlig normal. Das ganze Land ähnelt einer riesigen Großstadt. Malta gehört zwar zu den kleinsten Ländern der Erde, hat aber zugleich die meisten Einwohner auf engstem Raum. Wer über die Insel fährt, sieht dort vor allem eins: Beton, Beton, Beton. 2. Malta hat grandiose Strände und Klippen Doch auch wunderschöne Ecken gibt es auf Malta. Zu erwähnen wären hier beispielsweise die Dingli Cliffs, oder auch der Badestrand Golden Bay. Entlang der Stadt Bugibba gibt es eine atemberaubende Promenade mit vielen Hotels und Restaurants. Wer shoppen gehen möchte, kann dies am besten in Sliema tun. 3. An der Uni wird Englisch gesprochen Die Umgangssprache des Maltesers ist natürlich Maltesisch (Maltese). Bezeichnend für diese Sprache ist vor allem das Wort "mela”. Das ist am ehesten vergleichbar mit dem deutschen "so, …” oder dem englischen "okay, …” - der Malteser benutzt "mela" meist zu Beginn eines Satzes. Oder halt sonst, wenn es gerade passt. Sie verstehen kein Maltesisch? Kein Problem. Die Malteser sprechen zudem exzellentes Englisch - die Sprache ist hier sogar Amtssprache und unter Studenten die Sprache erster Wahl. Darum wird an der Universität auch ausschließlich auf Englisch gelehrt. Von den 9000 Studierenden an der Universität Malta sind inzwischen rund 500 ausländische Studierende. Das Lehr-Angebot an der Uni reicht von Bildender Kunst bis Medizin und Chirurgie. 4. Ziemlich viel Bürokratie In südlichen Ländern geht alles entspannter und lockerer zu? Nicht so in Malta. Der Malteser hält sich streng an Regeln - das merkt man vor allem an der Uni. Bis ein Erasmus-Student tatsächlich seine erste Vorlesung besuchen kann, muss er mitunter mehrere Büros und Stationen durchlaufen, diverse Formulare unterzeichnen und stößt dabei immer wieder auf neue Probleme. Hier ist ein bisschen Ausdauer gefragt. 5. The place to be: "Paceville" "Paceville" ist so etwas wie der Ballermann Maltas. Zielgruppe sind hier jedoch keine Sauf-Touristen aus Deutschland, sondern Erasmus-Studenten aus ganz Europa. In unzähligen Clubs und Bars wird die ganze Nacht (und zwar jede Nacht!) gefeiert - und das sogar zu studentenfreundlichen Preisen. Überall stehen Promoter, die Besuchern Sonderdeals, kostenlose Getränke oder kostenlosen Eintritt "andrehen". Dadurch ist es rein theoretisch sogar möglich, eine ganze Nacht kostenlos in Paceville zu verbringen. Am Ende der Nacht retten unzählige Pizzabuden den Heißhunger. 6. Obacht im Straßenverkehr Der Malteser fährt links - und das auch noch sehr schnell. In Malta gibt es unfassbar viel Verkehr. Alle Autofahrer fahren grundsätzlich "auf Lücke" - ohne Blinker, aber dafür mit sehr viel Hupe. Die Insel ist weder fußgänger- und schon gar nicht fahrradfreundlich. Wer das nicht gewohnt ist, kann schnell unter die Räder kommen. 7. Apartment oder Wohnheim? Beim Thema Wohnen kommt es auf die Einstellung an. Besonders beliebt unter Erasmus-Studenten auf Malta sind Wohnheim-Einrichtungen wie beispielsweise die "University-Residence". Doch eins sollte man wissen: Ruhe hat man hier niemals. Studierende sind in diesen Häusern oftmals zu neunt oder zehnt in relativ kleinen Wohnräumen eingepfercht - oftmals auf Doppelzimmern. Wer mehr Geld bezahlt, kann auch ein Einzelzimmer buchen, wird dann aber trotzdem dauerhaft von den Partys am Pool beschallt. Wer sein Auslandssemester lieber mit etwas mehr Ruhe genießen möchte, sollte auf ein Apartment ausweichen. Oftmals empfiehlt sich die Suche vor Ort: An der Uni gibt es Aushänge - außerdem sieht man überall rund um die Universität Hinweise auf freie Apartments. Der ideale Tipp: Ein paar Wochen in eine "Residence" zum Kontakte knüpfen - und dann in ein eigenes Apartment ziehen. Vielleicht sogar mit befreundeten Erasmus-Studenten. 8. Malta ist günstig Die Lebensunterhaltungskosten für Studierende sind in Malta ziemlich ideal. Produkte in den Supermärkten kosten oftmals weniger als daheim - außerdem können Studierende rund um die Universität gut und günstig essen gehen. 9. Sprechen Sie mit Maltesern Maltesische Studenten haben mit Erasmus-Studierenden oftmals ihre Probleme, da sie von ihnen komplett ignoriert werden. Die Wohnsituation in Malta erlaubt es, dass Erasmus-Studenten praktisch ausschließlich "unter sich" verkehren und mit ihren maltesischen Mitstudenten allenfalls in der Uni zu tun haben. Wer ein Erasmus-Semester in Malta verbringt, sollte die Chance nutzen, auch mit Einheimischen zu sprechen. So erfährt man eine Menge über das Leben und die Kultur auf der Insel. 10. In Malta lernt man fürs Leben Die Menschen auf Malta haben eine ganz besondere Art zu arbeiten und miteinander umzugehen. Neben Sonne, Meer und Palmen kann Malta auch sehr hässlich sein: Alte, klapprigen Autos, Schlagloch-Straßen, die bei Regen sofort überfluten, gelbe Häuser aus schmuddeligem Sandstein mit Stromleitungen über den Dächern. Ein Auslandssemester auf Malta ist nicht ausschließlich Spaß. Gerade nach einer gewissen Zeit, kann Studierenden die kleine Insel gehörig auf die Nerven gehen. Doch genau das gehört auch zum Abenteuer Erasmus dazu. Auf Malta lernt man nicht nur in der Uni - man lernt auch fürs Leben. Die Expedition EU wird von der Bertelsmann Stiftung unterstützt.

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