Kosten fürs Telefonieren ins Ausland innerhalb der EU sind ab sofort gedeckelt. - © picture alliance / dpa Themendienst
Kosten fürs Telefonieren ins Ausland innerhalb der EU sind ab sofort gedeckelt. | © picture alliance / dpa Themendienst

Gebühren Telefonieren innerhalb der EU: Was sich ab heute für Verbraucher ändert

Ab dem 15. Mai sind die Kosten für Anrufe von einem EU-Land in ein anderes bei 19 Cent pro Minute gedeckelt.

Brüssel (dpa/AFP). Im Sommer 2017 sind die Roaming-Gebühren in der EU weggefallen - seitdem können Verbraucher im EU-Ausland zum Inlandstarif telefonieren und mobil im Internet surfen. Bei Anrufen und Textnachrichten an ausländische Nummern fielen aber weiterhin teils sehr unterschiedlich hohe Zusatzkosten an. Diese Gebühren werden ab dem heutigen Mittwoch von der EU gesetzlich gedeckelt. Was Sie zum Telefonieren, Simsen und Surfen innerhalb und außerhalb der EU wissen sollten: Die Roaming-Gebühren sind weggefallen - warum kam es trotzdem zu erhöhten Tarifen? Seitdem die Roaming-Gebühren innerhalb der EU weggefallen sind, können Verbraucher im EU-Ausland zum selben Tarif wie zu Hause telefonieren, SMS versenden und mobiles Internet nutzen. Unberührt davon blieben die Zusatzkosten, die bei Anrufen und Textnachrichten an ausländische Nummern anfallen. Die Höhe dieser Gebühren kann von Anbieter, Tarif und Netz des Anrufers, der Tageszeit und dem Land des Angerufenen abhängen - und dementsprechend stark variieren. Wie teuer war es bislang, ins EU-Ausland zu telefonieren? Einer Untersuchung der EU-Kommission zufolge kostete ein dreiminütiger Anruf von einer deutschen Handynummer ins EU-Ausland bislang im Schnitt mehr als acht Mal so viel wie ein Inlandsgespräch. Ein dreiminütiger Anruf vom deutschen Festnetz ins Ausland war durchschnittlich zehn Mal teurer. Wie hoch sind die maximalen Kosten seit dem 15. Mai? Ab dem 15. Mai sind die Kosten für Festnetz- und Mobilanrufe sowie Textnachrichten von einem EU-Land in ein anderes bei 19 Cent pro Minute beziehungsweise sechs Cent pro 160 Zeichen gedeckelt. Darin nicht enthalten ist die Mehrwertsteuer, die je nach Mitgliedstaat variiert. Die neue Regelung gilt nur für Privatkunden. Gilt die neue Regelung sowohl für Verträge als auch für Prepaid-Modelle? Die Pflicht für Anbieter, am 15. Mai auf den neuen EU-Tarif umzustellen, gilt nur für Verträge mit klassischem Bezahlmodell, bei denen pro Minute abgerechnet wird. Bei nutzungsunabhängigen Tarifen wie etwa Flatrates oder Verträgen mit Sonderbestimmungen für Verbindungen in nicht-EU-Länder gilt eine andere Deadline: Laut der Bundesnetzagentur müssen Anbieter diese Verträge erst zwei Monate später, am 15. Juli, umstellen. Verbraucher mit derartigen Verträgen, die schon vorher von den möglicherweise günstigeren EU-Konditionen profitieren möchten, können ihre Anbieter kontaktieren und die vorzeitige Umstellung einfordern. Kunden, die ihre ursprünglichen Vertragskonditionen beibehalten wollen, sollten ihre Anbieter vor dem 15. Juli darüber informieren. Was ist mit den europäischen Ländern, die nicht zur EU gehören? Wie auch beim Wegfall der Roaminggebühren gelten die Bestimmungen in den 28 Ländern der Europäischen Union sowie in Island, Norwegen und Liechtenstein, sobald sie in das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum aufgenommen wurden. Im Fall des Roamingverbots ist dies schon geschehen, die EU-Tarife für Auslandstelefonie gelten in den drei Ländern vorerst noch nicht. Bei Mobilfunkverbindungen in und mit der Schweiz können weiterhin Zusatzkosten anfallen. Gleiches könnte unter Umständen nach dem Brexit für Großbritannien gelten. Wie teuer ist das Telefonieren und simsen im Nicht-EU-Ausland? Wer beispielsweise Urlaub in Indonesien macht, zahlt je nach Anbieter und Tarif bis zu 6,70 Euro pro Gesprächsminute. Und das Verschicken eines ein Megabyte großen Fotos kann in den USA mehr als 26 Euro kosten, wie die Stiftung Warentest in einem Vergleich erhoben hat. Es gibt zwar auch Provider und Tarife, die dafür in den selben Ländern nur jeweils knapp 1 Euro verlangen - aber allein für eine Urlaubsreise werden die wenigsten ihren Mobilfunktarif wechseln. Auch wenn die Preise für eingehende Anrufe international unter denen für ausgehende Gespräche liegt, raten die Experten davon ab, sich auf Reisen außerhalb der EU häufig anrufen zu lassen. Besser sucht man sich ein WLAN und telefoniert über eine Messenger-App. Das sei auch eine gute Lösung für Prepaid-Kunden, für die Roaming in bestimmten Ländern nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist.

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