Kirchlicher Feiertag: An Karfreitag wird an die Kreuzigung Jesu erinnert. Tanzveranstaltungen sind da in der Regel verboten. - © picture alliance
Kirchlicher Feiertag: An Karfreitag wird an die Kreuzigung Jesu erinnert. Tanzveranstaltungen sind da in der Regel verboten. | © picture alliance

Ausnahmegenehmigung Religionskritiker setzen Tanz an Karfreitag durch

Bezirksregierung Arnsberg erlaubt Veranstaltung in Bochum

Bochum (epd). In Bochum dürfen Religionskritiker in diesem Jahr an Karfreitag den Monty-Python-Film „Das Leben des Brian" zeigen und zu einem Tanz einladen. Wie die Initiative „Religionsfrei im Revier" am Dienstag mitteilte, genehmigte die Bezirksregierung Arnsberg die „unterhaltsame öffentliche Veranstaltung einschließlich Tanz" am 19. April. An Karfreitag gilt in Deutschland als stiller Feiertag ein Verbot öffentlicher Veranstaltungen, auch Feiern mit Tanz sind nicht erlaubt. In Nordrhein-Westfalen kann jedoch eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Satire "nicht feiertagsfrei" In „Das Leben des Brian" wird die zentrale Gestalt Brian zum selben Zeitpunkt und am selben Ort wie Jesus geboren, später gegen seinen Willen als Messias verehrt und gekreuzigt. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat den Film als „nicht feiertagsfrei" eingestuft. Damit darf die Satire an Feiertagen wie Karfreitag nicht ohne weiteres gezeigt werden. Christen erinnern am Karfreitag an den Tod Jesu Christi am Kreuz. Der Tag wird auch „Stiller" oder „Hoher Freitag" genannt. In der katholischen Kirche ist er ein strenger Fasten- und Abstinenztag. Bußgeldbescheid der Stadt Die Initiative hat den Film der britischen Komikertruppe Monty Python trotzdem an jedem Karfreitag seit 2013 aufgeführt. Wegen eines Bußgeldbescheides der Stadt Bochum war der Veranstalter vor das Bundesverfassungsgericht gezogen und gescheitert, weil er die rechtlichen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft hatte. Er hätte zunächst eine Ausnahmegenehmigung für die Veranstaltung beantragen müssen, hatten die Richter 2017 entschieden. Bei einer Ablehnung hätte er vor das Verwaltungsgericht ziehen können. Die Religionskritiker werteten die Ausnahmeregelung der Bezirksregierung Arnsberg als Erfolg. Ihr Ziel bleibe es aber weiterhin, dass das oberste Gericht das Feiertagsgesetz als verfassungswidrig einstufe. Für die nächsten Jahre erwägt die Initiative daher, die Veranstaltung in andere Regierungsbezirke zu verlegen. Würde eine andere Bezirksregierung die Filmvorführung untersagen, wäre der Weg zum Bundesverfassungsgericht frei, argumentierte „Religionsfrei im Revier". Es gab 2018 keine Beschwerden Die Bezirkregierung verweist in ihrer Ausnahmegenehmigung darauf, dass es 2018 keine Beschwerden bei der Veranstaltung gegeben habe. Zudem seien keine Auswirkungen zu befürchten, die den äußeren Ruherahmen des Feiertages beeinträchtigen könnten, heißt es in dem Dokument,  Die westfälische Präses Annette Kurschus erklärte, es sei gut, dass der Staat den Karfreitag als Raum des Gedenkens schütze. „Dieser Tag eröffnet die Chance einer gemeinsamen Atempause zum nachdenklichen, stillen Innehalten", unterstrich die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen, zu der Bochum gehört. Die Auszeit an Karfreitag sei kostbar, aber auch angreifbar, weshalb sie Schutz und Respekt brauche - „auch von denen, die mit dem Inhalt nichts anfangen können". Ähnlich äußerte sich Ulrich Lota, Pressesprecher im für Bochum zuständigen Bistum Essen. Er bedauerte die Entscheidung und wies den Vorwurf der kirchlichen Bevormundung zurück. Vielmehr sei es dem Gesetzgeber wichtig festzulegen, dass nicht jeder Tag gleich sei. „Wenn jeder Tag den gleichen Wert erhält, dann werden Gedenktage gleichgültig", sagte er dem epd. Gedenktage und Festtage dienten dem Nachdenken über Leben und Tod oder Krieg und Frieden, wie am Volkstrauertag.

realisiert durch evolver group