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Ab 2022 bremst das Auto automatisch - ob man will oder nicht. - © picture alliance/chromorange
Ab 2022 bremst das Auto automatisch - ob man will oder nicht. | © picture alliance/chromorange

Maßnahme gegen Raser Pflicht ab 2022: Neuwagen in der EU bekommen eine Tempobremse

Mal wieder zu schnell unterwegs? Ab 2022 dürfte das nicht mehr so einfach funktionieren. Dann sollen Neuwagen serienmäßig Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennen und automatisch abriegeln.

Matthias Schwarzer
28.03.2019 | Stand 29.03.2019, 06:20 Uhr

Brüssel. Bislang gingen Polizei und Behörden mit Kontrollen und Radarfallen gegen Raser vor. Ab 2022 könnte sich das grundlegend ändern. Dann sollen für Neuwagen verpflichtend zahlreiche Sicherheitssysteme vorgeschrieben werden. Darunter auch ein automatisches Bremssystem, das Autofahrer daran hindert, Geschwindigkeiten zu überschreiten. Darauf haben sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten in Brüssel geeinigt. Wie der Guardian berichtet, greift das sogenannte ISA-System (Intelligent Speed Adaption) in die Elektronik des Fahrzeugs ein, wenn es anhand von digitalen Straßenkarten oder einer Verkehrszeichenerkennung ein Tempolimit und eine Geschwindigkeitsübertretung erkennt. Der Fahrer wird dann zunächst im Display darauf aufmerksam gemacht. Reagiert der Raser nicht, verringert das Fahrzeug selbstständig die Geschwindigkeit. Theoretisch kann der Fahrer das System vorübergehend deaktivieren, heißt es in dem Bericht - zum Beispiel beim Überholen. Ignoriert er das Tempolimit aber auf lange Zeit, meldet sich das Fahrzeug mit auffälligen akustischen und visuellen Warnhinweisen. "Tempobremse" nicht einzige Neuheit Die EU-Politikerin Elżbieta Bieńkowska sagte dazu in einem Statement: "Jährlich werden 25.000 Menschen auf europäischen Straßen getötet. Die meisten Unfälle geschehen durch menschliches Versagen." Mit den neuen verpflichtenden Sicherheitssystemen würde man einen ähnlichen Effekt erzielen wie damals, als die Sicherheitsgurte in den Autos eingeführt wurden. Unzählige Tote und Schwerverletzte könnten vermieden werden. Ganz neu sind die Überlegungen über ein Tempolimit in Autos nicht. Zuletzt hatte der schwedische Hersteller Volvo angekündigt, seine Autos künftig bei 180 km/h abzuriegeln. Viele Hersteller haben bereits die automatische Tempo-Erkennung in ihren Modellen eingebaut. Mit dem Gesetz ebnet die EU aber auch den Weg zum autonomen Fahren. Die "Tempobremse" bei Neuwagen ist nicht die einzige verpflichtende Neuheit: Rund 30 Assistenz-Systems sind ab 2022 bei Autos vorgeschrieben. Dazu zählen auch Kontrollsysteme, die bei übermäßigem Alkoholkonsum den Start des Autos blockieren und auch Warnsysteme, die den Fahrer bei Müdigkeit oder Ablenkung alarmieren. Zudem sollen Kameras und Sensoren zum Rückwärtsfahren sowie Datenrekorder für Unfälle installiert werden - ähnlich den Blackboxes in Flugzeugen. Abbiege-System für Lastwagen Für Lastwagen werden Abbiege-Assistenten und Sensorsysteme fällig, die vor allem schutzbedürftigere Verkehrsteilnehmer neben den Fahrzeugen erkennen sollen. Außerdem sind verpflichtende Reifendruck-Messsysteme vorgesehen. Ein verändertes Fahrzeugdesign soll die Sicht der Fahrer verbessern. „Die Systeme sind heute zum Teil schon serienreif oder befinden sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium", teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf Anfrage mit. „Aktive Sicherheitssysteme, um die es Brüssel geht, sind in der Lage, Unfälle aktiv zu vermeiden, während passive Sicherheitssysteme wie Gurte oder Airbags vor allem Unfallfolgen abmildern sollen." Der Europäische Verkehrssicherheitsrat (ETSC) - eine Nichtregierungsorganisation, die den Straßenverkehr sicherer machen will, begrüßte die Entscheidung. „Es gab nur eine Handvoll Momente in den vergangenen 50 Jahren, die als Meilensteine für die Verkehrssicherheit in Europa bezeichnet werden können", sagte ETSC-Direktor Antonio Avenoso. Die geplanten Änderungen seien nun einer davon und ähnlich einschneidend wie einst die Einführung der ersten Anschnallgurte. ADAC ist skeptisch Der Autofahrerclub ADAC äußerte sich hingegen skeptischer. Den weit überwiegenden Teil der Maßnahmen begrüße er, da sie die Verkehrssicherheit deutlich verbesserten, sagte ein Sprecher. Die Systeme müssten aber ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen, vertretbare Mehrkosten für die Autofahrer bedeuten und technisch ausgereift sein. „Systeme zur Müdigkeitserkennung zum Beispiel würden voraussichtlich Fahrverhalten dokumentieren und damit Datenschutzfragen berühren", sagte er weiter. Die Einigung der EU-Unterhändler muss nun noch offiziell vom Europaparlament und den EU-Staaten bestätigt werden, bevor sie in Kraft treten kann. Mit Material von dpa.

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