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Bei neuen Hörgeräten wie diesem setzt sich mittlerweile die Smartphone- und Sprachsteuerung durch. - © dpa/Themendienst
Bei neuen Hörgeräten wie diesem setzt sich mittlerweile die Smartphone- und Sprachsteuerung durch. | © dpa/Themendienst

Technik Smartes Hörgerät: Hilfreich oder nur Spielerei?

Ein Hersteller bringt das erste smarte Hörgerät auf den Markt. Das bringt Vorteile, birgt aber auch Risiken sagen Datenschützer

Noah Matzat
07.03.2019 | Stand 08.03.2019, 16:38 Uhr

Bielefeld. Sätze wie "Alexa, schreib Milch auf meine Einkaufsliste" oder "Hey Siri, brauche ich heute einen Regenschirm?" sollen unseren Alltag vereinfachen. Künstliche Intelligenz nimmt bei vielen Menschen schon einen Teil des Alltags ein. Sie soll uns im besten Fall unterstützen. Nun hat ein Hörgeräte-Hersteller ein Hörgerät mit Künstlicher Intelligenz (KI) auf den Markt gebracht. Das biete Nutzern viele neue Möglichkeiten und Erleichterungen, kann aber auch zu Problemen und Risiken führen.

Der Hörgeräte-Hersteller GN ReSound ist laut eigener Aussage das erste Unternehmen in diesem Bereich, das eine Technologie für Hörgeräte mit künstlicher Intelligenz und Apples Sprachassistent vorstellt. "Die neue Entwicklung ermöglicht, dass sich die Hörgeräte zum jeweiligen akustischen Umfeld und den persönlichen Vorlieben anpassen", sagt Pressesprecher Martin Schaarschmidt.

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Datenschützer sehen Probleme bei der Transparenz

Die künstliche Intelligenz von Siri erlerne dabei die Vorlieben des Nutzers über die Zeit. Betritt der Nutzer des smarten Hörgeräts beispielsweise ein Restaurant, dann schlage die Siri-App auf dem Handy des Hörgeschädigten vor, die Einstellungen auf eine "Restaurant-Atmosphäre" umzuschalten. Nach dem Bestätigen auf dem Handy wechselt das Hörgerät dann also in die anderen Einstellungen. So beschreibt es der Hersteller.

Kerstin Demuth vom Verein Digitalcourage aus Bielefeld, der sich vor allem für Datenschutz in der digitalen Welt einsetzt, sieht die neue Entwicklung gespalten. Wenn Technik und auch Künstliche Intelligenz eingesetzt werde, um körperliche Benachteiligungen auszugleichen, sei das zunächst gut. Trotzdem sieht sie auch einige Probleme, die oft Entwickler solcher Neuheiten betreffe. Die wenigsten Entwickler würden keinen offenen Quellcode nutzen. Das sorge für weniger Transparenz. "Die Hersteller müssen anfangen, transparent über ihre Produkte aufzuklären. Das vermeiden sie vor allem da, wo unsere Daten Teil des Geschäftsmodells sind", sagt Demuth. Der Datenverarbeitung zu kommerziellen Zwecken müsse Grenzen gesetzt werden, meint die Datenschützerin.

Den ständigen Einsatz der lernbereiten KI sieht Demuth kritisch. Es möge bequem sein, wenn eine Künstliche Intelligenz entscheide. Man gebe aber auf der anderen Seite die Kontrolle aus der Hand, sagt die Datenschützerin. "Wenn wir selber Parameter des Geräts einstellen können, selber entscheiden mit welchen anderen Geräten wir es vernetzen oder eben nicht, dann haben wir mehr Entscheidungsfreiheit, mehr Selbstbestimmung."

Künstliche Intelligenz bei körperlichen Benachteiligungen

Die Universität Bielefeld hat zusammen mit den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ein Projekt entwickelt, das viele Funktionen in einer künstlichen Intelligenz bündeln und sich so an möglichst viele Nutzer anpassen soll. Dafür haben die Forscher Billie, einen Avatar, entwickelt. Hendrik Buschmeier erklärt, dass der Avatar Termine und Einkäufe planen, Senioren an die Einnahme von Medikamenten erinnern kann oder den Gedanken auffrischen, dass Menschen sich mal wieder bei ihren Verwandten melden sollten. Ein Organisator für den Alltag also, der auch besonders der älteren Generation eine Stütze sein soll.

Buschmeier, der in der Forschungsgruppe "Kognitive Systeme und soziale Interaktion" tätig ist, sieht die Entwicklung der Hörgeräte plausibel und sinnvoll an. "Es ist gut, wenn Menschen, die auch aufgrund des Alters kognitive oder körperliche Nachteile haben, unterstützt werden." Wie gut so ein Hörgerät funktioniert, werde dann aber die Zeit zeigen. Denn die rasante technische Entwicklung birgt in kurzer Zeit immer neue Erkenntnisse, sagt Buschmeier.

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