Angela und David Buske am Stilfser Joch - © nw
Angela und David Buske am Stilfser Joch | © nw

Radsport OWL-Auswahl fährt für todkranke Kinder aus Bethel

Torsten Ziegler
11.01.2019 | Stand 10.01.2019, 21:30 Uhr

Bielefeld. „Das wird eine Qual. Ganz klar", sagt Angela Buske. Zum Beweis nimmt sie ihr Tablet und zeigt ein zackiges Profil: Das Profil der vom Bielefelder Delius Klasing-Verlag organisierten Tour Transalp 2019. Daneben die Zahlen: 7 Etappen, 798 Kilometer, 18.859 Höhenmeter. Von Innsbruck nach Riva del Garda. Ja, eine Qual auf Rennrädern, aber eine, die rund 1.000 Teilnehmer gerne auf sich nehmen. Vier davon verschreiben sich einer größeren Sache als den üblichen Motiven wie Willensschulung, Naturerlebnis, sportlicher Ehrgeiz, Gemeinschaftsgefühl. Sie nehmen die Alpen im Steinhagener „Team Plasmatreat" unter ihre Reifen. Das fährt auch 2019 für einen guten Zweck, diesmal für das Ambulante Palliativteam im Kinder- und Jugendhospiz Bethel. Und sollte diesen Fahrern in den Bergen einmal die Sinnfrage unter der Schädeldecke hämmern, warum sie die Strapazen auf sich nehmen, könnte ein Gedanke an das wohltätige Projekt zusätzliche Kräfte freisetzen. Fahrer sollen diesmal allesamt aus OWL kommen 2017 und 2018 sammelten die Fahrer Spenden für die DKMS, die Stammzellenspenden an Blutkrebspatienten vermittelt. Im vorigen Jahr waren es mehr als 4.000 Euro. Für diese Saison bekennt sich das Steinhagener Unternehmen Plasmatreat, Hauptsponsor und Namensgeber des Teams, bei Fahrer-Auswahl und Wohltätigkeitspartner klar zur Region Ostwestfalen-Lippe. Noch bis Ende Januar läuft die Bewerbungsphase auf der Team-Homepage (siehe Extra-Bericht), dann wählen die Trainerin Angela Buske und ihr Schwager und Teammanager David Buske geeignete Fahrer aus, „die in erster Linie Spaß daran haben, bei uns für die gute Sache mitzumachen", erklärt Angela. Organisatorisch sind die notwendigen vorbereitenden Arbeiten von den beiden weitgehend erledigt. Anfang der Woche gab ein Radhersteller seine Zusage als Partner, er stellt die Carbon-Räder für die Dauer einer Saison zur Verfügung und komplettiert damit ein umfangreiches Paket an Leistungen für die Fahrer. Zu diesem gehören unter anderem auch die notwendigen Funktionstextilien, bei deren Design die Kinder vom Hospiz in Bethel mitwirken. „Der Schmetterling ist das Symbol der Station. Er wird sich natürlich auf unseren Trikots wiederfinden. Genau so der Slogan ’Der Weg nach Hause’, den wir vom Ambulanten Kinderpalliativteam in Bethel als unser Motto für dieses Jahr übernommen haben", berichtet David Buske. Unbeschreibliche emotionale Herausforderungen Der Weg nach Hause bedeutet für die Kinder, dass sie trotz ihrer schweren, lebensverkürzenden Erkrankungen zu Hause im vertrauten Umfeld gepflegt werden, dass auch die Angehörigen die notwendige Unterstützung erhalten. Die Buskes wissen von den unbeschreiblichen emotionalen Herausforderungen, vor die Eltern und Angehörige der jungen, todkranken Patienten gestellt sind, von Christiane Buske. 22 Jahre hat die Mutter von vier Söhnen als Kinderkrankenschwester in Bethel gearbeitet. Sie gab den Impuls für den Spendenzweck in diesem Jahr. Und wie schön, wenn sich dann in einer Familie alles so positiv zusammenfügen lässt. Die Liebe gibt den ersten Impuls für das wohltätige Projekt Zuerst ist da die Geschichte zu erzählen, auf welch amouröse Weise sich der Rennrad-Bazillus im Hause Buske verbreiten konnte. Wie es der Zufall wollte, zählten Angela Fröschl aus Niederösterreich und Lukas Buske aus Bielefeld 2014 zu den Auserwählten des Jedermann-Team Alpecin und durften ein Jahr lang ihren Rennradtraum leben. Sie verlieben sich, leben zwei Jahre in Freising, heiraten und werden in Steinhagen heimisch. Zuvor hatten sie David Buske fürs Rennradfahren begeistert. Als Duo bestreiten Angela und David 2017 die Tour Transalp, David nimmt dafür sogar 20 Kilogramm ab. Vater Christian imponieren die Leistungen seiner Söhne und seiner späteren Schwiegertochter derart, dass er sein Familienteam gerne öffnet und mit dem Charity-Gedanken verknüpft. Als Chef eines global erfolgreichen Unternehmens verfügt er über die Mittel, das Projekt gut auszustatten. Die Qual kann er den Fahrern des „Team Plasmatreat" allerdings nicht abnehmen. Möglichst viele Höhenmeter sollen es sein (2018 waren es fast 500.000), damit möglichst viel Spendenbereitschaft geweckt wird. Aber auch in diesem Punkt werden die Fahrer nicht allein gelassen. Praktischerweise betreibt die Osteopathin Angela Buske in Steinhagen eine Privatpraxis für Physiotherapie, Osteopathie, Leistungsdiagnostik und Bike-Fitting, sie hat darüber hinaus eine C-Trainerlizenz für Leistungssport Straße/Mountainbike. „Die Fahrer bekommen von uns nach einer Leistungsdiagnostik individuelle Trainingspläne und wir werden auch einige Male zusammen trainieren, zum Beispiel im Kalletal", sagt Angela Buske. Oder in der Region Garmisch-Partenkirchen, wo David Buske an seinem Wohnort ein dreitägiges Team-Trainingslager organisiert. Er arbeitet in München als Direktor für Verkauf und Marketing bei einer Hotelkette und verfügt über entsprechende Kontakte zu geeigneten Unterkünften. Spätestens im Mai wird es ihn also geben, den Vorgeschmack auf die Qual für den guten Zweck.

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