Ein Angler hat einen kleinen Fisch gefangen. - © picture alliance/dpa
Ein Angler hat einen kleinen Fisch gefangen. | © picture alliance/dpa

Bielefeld "Alle haben Angst": Peta zeigt Angelvereine an

Die Organisation zeigt massenhaft Angler an. Die erwidern die Vorwürfe.

Friderieke Schulz

Bielefeld. Die Meldungen im Jahr 2018 häufen sich: Peta stellt einen Antrag auf Prüfung der Gemeinnützigkeit eines Angelvereins, Peta zeigt einen Angler an, weil dieser einen Fisch zurück ins Wasser gesetzt hat, Peta fordert ein Verbot von Angelmessen und Schnuppertagen. Die Tierrechtsorganisation Peta geht in diesem Jahr besonders rigoros gegen Angler und ihre Vereine vor. Das Ziel: Die Tierschützer wollen Angeln verbieten lassen. In der Vereinswelt sorgt diese Forderung für Ärger und das Vorgehen von Peta mitunter für Angst. „Es ist eine Sauerei. Wir haben ein naturnahes Hobby, achten die Regeln und betreiben aktiven Naturschutz. Uns als Tierquäler darzustellen ist unfassbar", sagt Angler Manuel E., der seinen vollen Namen nicht nennen möchte. Viele andere Angler äußern sich auf Anfrage überhaupt nicht. „Vor Peta haben alle Angst. Die Anzeigen häufen sich und die Organisation scheut auch nicht vor brutalen Maßnahmen zurück." Ein Bekannter habe so seine Angelausrüstung verloren. Während der Mann mit einem Boot auf dem von ihm gepachteten See unterwegs war, wurden seine Angelruten zerbrochen, Ködermaterial gestohlen und die Wände eines Zeltes aufgeschlitzt. Offiziell bekannt hat sich zu diesen Taten niemand, doch der Angler ist sich sicher: Das waren Tierschützer. "Fische sind empfindsame Wesen" Angler und Vereine werfen Peta zudem vor, dass sich die Organisation nicht mit Aktionen wie dem Säubern von Gewässern für Fische einsetzt. Andere Organisationen wie der Nabu unterstützen die Vereine hingegen regelmäßig, sagt eine Anglerin. „Peta will eine Grundsatzdiskussion und das Verbot des Verzehrs von Tieren und tierischen Produkten erreichen. Die meisten Anzeigen werden meiner Meinung nach nur gestellt, um von sich reden zu machen und nicht, um auf wirkliche Missstände aufmerksam zu machen." Auf die Vorwürfe der Tierschutzorganisation reagieren viele Angler mit Kopfschütteln. In ihrer Argumentation bezieht sich Peta unter anderem auf die Meeresbiologin Sylvia Earle, die zum Schmerzempfinden der Fische sagt: „Fische sind empfindsame Lebewesen mit eigenen Persönlichkeiten und sie empfinden Schmerzen, wenn sie verletzt werden." Auch Forschungen der Universitäten Edinburgh und Glasgow oder des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, bestätigen diese Einschätzung nach Angaben von Peta. Anders sieht das Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Laut Arlinghaus fehlt Fischen der Neokortex, ein Teil des Großhirns, das das Bewusstsein steuert und für Schmerzempfinden verantwortlich ist. Demnach, so die Forschung von Arlinghaus, können Fische keine Schmerzen empfinden. "Anzeigen schaden dem Ruf des Angelns und den Vereinen" Auch Angler erleben beim Fischen kaum Indizien für ein Schmerzempfinden der Fische. „Die Mäuler der meisten Fische bestehen aus Knorpel. Fängt man einen Fisch mehrfach an einem Tag, was durchaus vorkommen kann, so stellt man fest, dass von dem Loch des Hakens nichts mehr zu sehen ist", erklärt ein Angler. Andere berichten aus der Praxis, dass viele Fische massiv am Haken ziehen und wegschwimmen und genau das nicht machen würden, wenn sie Schmerzen hätten. Peta kritisiert beim Angeln auch die Praxis, dass Fische nach dem Fang wieder ins Wasser gesetzt werden. „Anders als der Jäger sieht der Angler erst, was er gefangen hat, wenn er es an Land zieht. Es gibt gesetzliche Mindestmaße, deshalb müssen Fische, die diese Maße unterschreiten, wieder zurückgesetzt werden. Da gibt es nichts zu diskutieren", erklärt ein Angler. Die meisten der Anzeigen von Peta gegen Angler und Angelvereine verlaufen im Sande. Die meisten Verfahren werden eingestellt. „Ärgerlich sind die Anzeigen dennoch, denn sie schaden dem Ruf des Angelns und der Vereine." Derweil überlegen viele Vereine, Anzeigen gegen Peta zu stellen. Verbände sammeln bereits Daten, um gegen die aus ihrer Sicht willkürlichen Anschuldigungen vorzugehen.

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