Eine Hotelfassade in Mallorca. Beim sogenannten "Balconing" gibt es immer mehr Opfer. - © picture alliance / imageBROKER
Eine Hotelfassade in Mallorca. Beim sogenannten "Balconing" gibt es immer mehr Opfer. | © picture alliance / imageBROKER

Palma de Mallorca „Balconing“: Eine Mutprobe mit tödlichen Folgen

Beim lebensgefährlichen Spiel springen Urlauber vom Hotelbalkon aus direkt in den Pool. Auf Mallorca sind 2018 bereits acht Menschen dabei umgekommen

Ralph Schulze

Palma de Mallorca. „Das typische Opfer ist ein junger Mann, der mit ein paar Freunden nach Mallorca gekommen ist", erzählt der spanische Unfallchirurg Juan José Segura. „Sie haben Spaß, sie trinken, vielleicht ein bisschen zu viel, und sie machen riskante Sachen." Zum Beispiel klettern sie von einem Hotelbalkon zum anderen. Oder sie versuchen, vom Zimmerbalkon in den oberen Stockwerken in den Pool zu springen. Es hat dramatische Folgen. Seit Jahresanfang starben schon acht junge Urlauber auf der spanischen Ferieninsel beim lebensgefährlichen Spiel „Balconing" – so viele wie noch nie. Vorerst letztes Todesopfer ist ein 23-jähriger Deutscher, der am „Ballermann" von seinem Hotelbalkon im zwölften Stockwerk stürzte. Er war sofort tot. Nach ersten Ermittlungen stand er offenbar unter starkem Alkohol- oder Drogeneinfluss. Am gleichen Tag fiel eine 18-jährige Urlauberin vom Balkon im dritten Stock eines Hotels im Küstenort Palmanova westlich der Inselhauptstadt Palma. Sie überlebte, kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Nun wird sogar eine Aufklärungskampagne gestartet Die meisten Balconing-Opfer sind Briten, die vorzugsweise in der Partyhochburg Magaluf Urlaub machen, wo der Alkohol besonders reichlich fließt. Aber auch Deutsche, die am liebsten an der Playa de Palma feiern, sind nicht immun gegen die Balkon-Klettereien. Jedes sechste Balkon-Opfer kommt nach der Statistik aus Deutschland. Insgesamt wurden dieses Jahr auf Mallorca schon mindestens 17 solcher Unfälle gezählt. Um weitere Tragödien möglichst zu vermeiden, macht der mallorquinische Arzt Segura dieses Jahr bei einer Aufklärungskampagne der britischen Regierung mit. „Das Problem ist weniger, dass du auf diese Weise deinen Urlaub ruinierst", appelliert der 32-jährige Chirurg in einem Video an die Vernunft der jungen Mallorca-Besucher. „Das Problem ist, dass du dein ganzes Leben ruinierst."

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