Die Landwirte klagen über die Dürreperiode. Dabei sind sie daran nicht ganz unschuldig.  - © picture alliance/Felix Kästle/dpa
Die Landwirte klagen über die Dürreperiode. Dabei sind sie daran nicht ganz unschuldig.  | © picture alliance/Felix Kästle/dpa

Hitzewelle Bauern fordern Milliardenhilfen - dabei ist die Landwirtschaft Teil des Problems

Wetterextreme wie lange Dürreperioden sind direkte Auswirkungen des Klimawandels. Die Landwirtschaft trägt hier eine Mitschuld: In der Massentierhaltung entstehen die klimaschädlichsten Treibhausgase überhaupt.

Matthias Schwarzer
01.08.2018 | Stand 02.08.2018, 07:23 Uhr

Bielefeld. Es ist heiß und trocken - seit Wochen. Darunter leiden vor allem die Landwirte. Sie haben mit teils existenzbedrohenden Ernteeinbußen zu kämpfen - und fordern daher Hilfe in Milliardenhöhe. "Eine Milliarde wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Montag. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will erst mal die tatsächliche Erntebilanz abwarten. "Das ist Steuerzahlergeld, und wir brauchen erst repräsentative Daten", so Klöckner. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Die eingenommene Opferrolle der Landwirte hinkt. Denn an der anhaltenden Hitze und Trockenheit tragen sie eine nicht unerhebliche Mitschuld. Die Bauern und der Klimawandel Die ZDF "Heute Show" veräppelte das Leiden der Bauern am Mittwoch mit einer Grafik in den sozialen Netzwerken. "Bundesregierung rettet Landwirte. Landwirte müssen nichts ändern. Die Felder liefern kein Futter. Bundesregierung rettet Landwirte", steht in dem "sinnlosen Kreislauf Massentierhaltung". Da kann man aber auch echt nix machen! pic.twitter.com/HkIFEL2H2X — ZDF heute-show (@heuteshow) 31. Juli 2018 Tatsächlich ist es so, dass die Landwirtschaft maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase beiträgt. Laut Umweltbundesamt stammen rund 59 Prozent der gesamten Methan-Emissionen und 80 Prozent der Lachgas-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Ackerbau und Viehzucht waren 2016 für 7,2 Prozent der Treibhausemissionen in Deutschland verantwortlich - weltweit liegt der Wert bei 10 bis 12 Prozent. Die Methan-Emissionen enstehen vor allem bei der Tierhaltung - das Lachgas beim Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist). Dieses ist eins der gefährlichsten Treibhausgase überhaupt: Lachgas heizt das Klima etwa 300 mal stärker auf als CO2. Seit 2007 stößt die Landwirtschaft nach einem Rückgang wieder kontinuierlich mehr Treibhausgase aus, weil immer mehr Fleisch für den Export produziert wird. Kein Zweifel an der Mitschuld Nahezu alle Klimaforscher sind sich inzwischen sicher: Genau das begünstigt den Klimawandel. "In 20 bis 30 Jahren wird dieser Sommer eher ein Durchschnittssommer sein", sagt beispielsweise Fred F. Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im Gespräch mit nw.de. An wochenlange Dürreperioden und andere Wetterextreme werden sich die Landwirte also gewöhnen müssen. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, das Schlimmste noch zu verhindern. Die Lösung heißt: nachhaltige Landwirtschaft. Dafür wäre allerdings eine Reihe von Maßnahmen notwendig. Beispielsweise der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und mineralische Düngemittel, die allesamt Lachgas freisetzen. Auch der Verzicht auf Massentierhaltung dürfte helfen - hierbei entsteht das meiste Methan. Aber auch kleine Maßnahmen reichen schon. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat auf 100 bayerischen Milchvieh-Höfen den Einsatz von Ressourcen analysiert. Das Potenzial der Treibhausgas-Einsparung ist demnach riesig: Um die gleiche Menge Milch herzustellen, stoßen manche Bauernhöfe mehr als das Doppelte an Treibhausgasen aus. Zumindest theoretisch wäre es für das Klima auch besser, Kühe in geschlossenen Räumen zu halten und nicht an der frischen Luft. Denn so könnte man das Methan, das die Tiere produzieren, aus der Luft filtern. Eine Lösung, die allerdings nicht jedem schmecken dürfte - denn hier beißt sich der Klimaschutz mit dem Tierschutz. Am Ende hat natürlich auch der Verbraucher eine Mitverantwortung. Denn die einfachste Lösung gegen den Klimawandel heißt: weniger Fleisch essen. "Finanzspritzen sind keine Lösung" Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte am Mittwoch schärfere Bedingungen für Agrarsubventionen. Bereits heute flössen jährlich über fünf Milliarden Euro an Steuergeldern weitgehend ohne Auflagen in die deutsche Landwirtschaft, sagte er dem "Handelsblatt". "Diese Subventionen, über die gerade in Brüssel verhandelt wird, sollten in Zukunft nur noch solchen Betrieben zugutekommen, die umwelt-, tier-, klima- und artenfreundlich arbeiten", forderte er. "Wir können uns nicht leisten, umweltschädliche Wirtschaftsweisen weiterhin zu subventionieren", fuhr Hofreiter fort. Monokulturen und Massentierhaltung seien der falsche Weg, das müssten angesichts weiterer drohender Wetterextreme auch die Regierung und der Bauernverband erkennen, sagte Hofreiter der Zeitung. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) macht in einem Interview mit der NW deutlich, dass kurzfristige Finanzspritzen für Landwirte keine Lösung seien. "Wir brauchen eine konsequente Strategie zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft, und die sollte natürlich auch mit ausreichend Geld unterlegt sein", so Schulze. Alles zur Dürre in NRW in unserem Liveblog.

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