Entlang der Bundesautobahn 17 steht dieses Schild mit Hinweis auf das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden. - © dpa
Entlang der Bundesautobahn 17 steht dieses Schild mit Hinweis auf das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden. | © dpa

Reise Wer wählt eigentlich die braunen Tourismus-Schilder an der Autobahn aus?

Seit den Achtzigerjahren zeigen "Unterrichtungstafeln" Reisenden interessante Sehenswürdigkeiten entlang der Autobahn.

Matthias Schwarzer

Bielefeld. Jeder ist schon einmal an ihnen vorbeigefahren - und fast jeder hat sich schon mal über ihre Motive gewundert. Große, braune Autobahnschilder zeigen Autofahrern entlang der Urlaubsstrecke besondere Sehenswürdigkeiten an. In manchen Bundesländern kommt alle paar Kilometer so ein Schild - Bayern beispielsweise ist ganz weit vorne. In Ostwestfalen sieht man die Touristentafeln auch: Entlang der A2 wird beispielsweise der Teutoburger Wald beworben sowie die "Produktionstechnologie aus Ostwestfalen-Lippe". An der A33 gibt es einen Hinweis auf das "weltgrößte Computermusum" in Paderborn. Aber auch die Bielefelder Kunsthalle, der historische Stadtkern von Lemgo oder das Wiehengebirge haben eigene Schilder an der Autobahn. Ursprünglich kommt die Idee mit den Autobahnschildern von den Franzosen. Die stellten ihre ersten Touristen-Tafeln in den Siebzigerjahren auf. 1984 kamen sie auch zu uns. Die ersten Schilder zeigten die "Löwensteiner Berge" an der A81 kurz vor Heilbronn sowie die "Burg Teck" bei Stuttgart. Interessant: Der Kreativität ist bei den Hinweisen und Motiven offenbar keine Grenze gesetzt. Das Ruhrgebiet bewirbt beispielsweise seine komplette Region mit satten 53 Städten als Sehenswürdigkeit "Metropole Ruhr" - beispielsweise an der A2 kurz vor Hamm. Andernorts findet man Hinweise auf eine ganz konkrete Sehenswürdigkeit, zum Beispiel die Zeche Zollverein in Essen. An der A2 bei Wolfsburg wird nicht etwa das VW-Werk oder die Autostadt beworben, sondern die "Erlebnisstadt Wolfsburg". Andere Schilder wiederum zeigen auch kommerzielle Freizeitangebote wie zum Beispiel Zoos oder den "Maximilianpark" in Hamm. Normalerweise wäre kommerzielle Werbung entlang der Autobahn verboten - auf diesen Schildern ist sie im Zweifel erlaubt. Da drängt sich die Frage auf: Wer wählt diese Schilder eigentlich aus? Und: Wer bestimmt, was drauf steht? Wer ist für die Autobahn-Schilder zuständig? Grundsätzlich gilt: Das Aufstellen von touristischen Autobahnschildern ist in Deutschland Ländersache. Für den Entwurf eines solchen Schildes ist in der Regel aber die Kommune zuständig. Diese legt einen Entwurf vor und muss sich diesen anschließend von der zuständigen Straßenbaubehörde bzw. der Autobahndirektion genehmigen lassen. Schließlich kann nicht jeder einfach an der Autobahn ein Schild aufstellen. Doch nicht nur Kommunen ergreifen hier Initiative - auch Verbände und Organisationen können Antragsteller sein. 2012 hatten sich beispielsweise mehrere Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen dafür eingesetzt, mit 30 neuen Autobahnschildern den Industriestandort NRW zu bewerben. Oftmals kommt es allerdings auch vor, dass ein solches Schild dann abgelehnt wird. Zum Beispiel, weil die Sehenswürdigkeit nicht relevant genug ist, weil das Motiv nicht angemessen ist oder es aus ganz praktischen Gründen nicht an der Autobahn aufgestellt werden darf. Die Initiatoren bleiben dann auf den Kosten sitzen. Wann können Schilder abgelehnt werden? In OWL gab es zuletzt Probleme mit einem geplanten Schild für das Höxteraner Weltkulturerbe Corvey entlang der A33. Zum einen darf ein Touristenschild von der beworbenen Sehenswürdigkeit maximal zehn Kilometer entfernt sein. Das war hier nicht der Fall. An der A33 war zudem kein Platz für ein solches Schild, wegen der dortigen Lärmschutzwände und jeder Menge anderer Schilder. Zwischen mehreren Touristentafeln muss auch ein entsprechender Abstand gewahrt werden: Früher waren das 20 Kilometer, heute reicht oftmals schon einer. Für die Gestaltung der Hinweistafeln gibt es zudem jede Menge Vorschriften, die für ganz Deutschland gelten. Die Farbgebung Braun und Weißt ist explizit vorgeschrieben, genauso wie die Schriftart: Eine serifenlose Linear-Antiqua, die nur in Ausnahmefällen auch als Engschrift verwendet werden darf. Der Schriftzug darf sich über maximal zwei Zeilen erstrecken. Für Sonderwünsche sind entsprechende Genehmigungen nötig. Kein Schild für Ostwestfalen-Lippe? In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik gegeben, weil Ostwestfalen-Lippe auf keinem dieser Autobahnschilder erwähnt wird. In der Tat gibt es zwar für das Münsterland und das Ruhrgebiet entsprechende Schilder, nicht aber für die Region Ostwestfalen-Lippe. Seit 2012 taucht der Name nach Initiative der IHK auf drei Schildern entlang der A2 und der A30 auf. Sie zeigen die Begriffe "Möbelregion Ostwestfalen-Lippe", "Lebensmittelindustrie Ostwestfalen-Lippe" und "Produktionstechnologie aus Ostwestfalen-Lippe".

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