Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Gütersloh. - © Andreas Eickhoff
Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Gütersloh. | © Andreas Eickhoff

Wetter Schwere Unwetter in NRW: Windhose in Gütersloh

Unwettergefahr auch am Mittwoch

Andreas Eickhoff
Angela Wiese

Bielefeld. Begleitet von starken Regenfällen haben sich am Dienstagnachmittag heftige Gewitter über Teile Nordrhein-Westfalens entladen. In OWL war besonders der Kreis Gütersloh betroffen, auch in den Kreisen Minde-Lübbecke, Lippe und Höxter gab es viele "Gewittereinsätze" für die Feuerwehren. Deutlich heftiger waren die Auswirkungen in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens. Straßen in Duisburg wurden überschwemmt, in Wuppertal stürzten Dächer ein. In Bielefeld kam es zu verhältnismäßig wenigen Einsätzen, besonders umgestürzte Bäume sorgten bei der Feuerwehr für Arbeit. Dagegen vermeldet die Feuerwehr im Kreis Gütersloh rund 160 Einsätze wegen umgeknickter Bäume und Wasserschäden. Auch Polizei und Bauhöfe waren im Dauereinsatz, die Polizei zählte ihrerseits 67 witterungsbedingte Einsätze. "Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben", sagte ein Polizeisprecher gegen 21 Uhr. Auf einer Straße zwischen dem Gütersloher Stadtteil Friedrichsdorf und Verl riss vermutlich eine Windhose Dutzende Bäume um. Die Paderborner Straße zwischen Luise-Hensel-Straße und Siekstraße musste daraufhin bis 2 Uhr gesperrt werden. In Versmold stürzte ein Baum auf ein Auto, in Gütersloh beschädigte ein umgestürzter Baum ein Haus leicht. Leser Peter Brinkmann (56) schickte uns diese Video, das an der Stelle entstanden sein soll, an der er die Windhose erlebt haben will. Brinkmann sei mit seinem Moped unterwegs gewesen, sagte er nw.de im Gespräch. Plötzlich sei es sehr stürmisch geworden. Er habe dann im Schatten eines Hauses Zuflucht gesucht und später gefilmt. "So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Blitzeinschlag in Marienmünster Trotz der vielen Einsätze im Kreis Gütersloh: Verletzt wurde niemand. Das gilt auch für andere Teile Ostwestfalens, in denen das Unwetter vergleichsweise glimpflich verlief. In Paderborn meldete die Feuerwehr 32, in Bielefeld 12 Einsätze. Hauptgründe waren umgestürzte Bäume und Wasserschäden. In Marienmünster im Kreis Höxter ist ein Blitz in ein Wohnhaus eingeschlagen. Die beiden Bewohner konnten sich unverletzt retten und kamen bei Nachbarn unter. Für die Kreise Lippe und Höxter warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) noch bis in die Nacht vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen und Hagel. Besonders stark tobten Gewitter über dem Stadgebiet von Lemgo. Nachdem die Feuerwehr bereits am Sonntag viele Einsätze verzeichnet hatte, kam es am Dienstag innerhalb weniger Stunden zu zwei schweren Gewittern. Zunächst gab es ab 18.25 Uhr 19 Feuerwehreinsätze wegen überschwemmter Straßen und gefluteter Keller. In der Nacht entlud sich dann ein weiteres Unwetter über der Hansestadt , erneut rückten die Einsatzkräfte aus, vor allem um Keller auszupumpen. Brände nach Blitzschlag in Porta Westfalica und Petershagen Auch im Kreis Minden-Lübbecke gab es in der Nacht noch heftige Gewitter, in Porta Westfalica-Kleinenbremen sorgten die Einschläge von zwei Blitzen für Brände. Zunächst traf es gegen 23.30 Uhr eine Tanne, die als Folge des Blitzschlags Feuer fing. Nach dem Ende dieser Löscharbeiten bemerkten die Feuerwehrleute einen Feuerschein in der Straße "Am Winkel". Die Löschgruppe Wülpke fuhr zur Erkundung an diese Einsatzstelle und forderte weitere Kräfte an. Der Anbau eines derzeit unbewohnten Fachwerkhauses brannte in voller Ausdehnung. Durch den schnellen Einsatz der Feuerwehr konnte der Brand jedoch schnell eingedämmt und gelöscht werden. Der Schaden wird auf 15.000 Euro geschätzt. In Petershagen-Heimsen geriet vermutlich ebenfalls durch Blitzschlag ein Nebengebäude eines Bauernhofes in Brand. Das Gebäude wurde durch das Feuer stark beschädigt und ist einsturzgefährdet. Nach Abschluss der Löscharbeiten wurde der Schaden dort auf rund 200.000 Euro geschätzt. Im Petershagener Ortsteil Dören lief ein Keller voll Wasser und auch die Ortsdurchfahrt stand zeitweise unter Wasser. Der Brandalarm an der Gesamtschule Bad Oeynhausen entpuppte sich als Fehlalarm. Vermutlich sorgten Spannungsschwankungen nach einem Blitzschlag zum Auslösen der Brandmeldeanlage. Verspätungen und Ausfälle im Bahnverkehr Auch Bahnreisende in OWL spürten die Auswirkungen des Unwetters. Auf der Bahn-Strecke zwischen Gütersloh und Bielefeld kam es am Abend zu Verspätungen. Wegen Ästen, die durch den Sturm in Oberleitungen gerieten, musste die Güterverkehr-Strecke gesperrt werden. Das konnte in Einzelfällen auch zu Verspätungen im Reiseverkehr führen, sagte ein Bahn-Sprecher am Abend. Gravierender für Bahn-Reisende im Raum Bielefeld aber fielen die Auswirkungen der Ausfälle und Verspätungen in Wuppertal, Duisburg und Oberhausen aus. In Wuppertal musste der Bahn-Verkehr wegen des Unwetters zeitweise eingestellt werden. Heftige Bilder aus Wuppertal Videos aus den sozialen Netzwerken zeigen heftige Auswirkungen des Unwetters über Wuppertal. Dort haben starke Regenfälle Gullydeckel hochgedrückt und dadurch mehrere Autounfälle verursacht. An einer Tankstelle knickte das Dach weg und beschädigte mehrere Autos, auch das Dach eines Universitätsgebäudes stürzte ein. Ein Sprecher sagte am Mittwochmorgen über die Schäden in NRW: "Wir müssen die Keller leer bekommen." Nach dem Unwetter warnte die Feuerwehr in Solingen am Abend vor Hochwasser in der Wupper. Heftige Regenfälle gab es auch in Aachen. Dort registrierte die Feuerwehr am späten Nachmittag mehrere Hundert Notrufe. Im Keller eines Einkaufszentrums stand das Wasser etwa 1,5 Meter hoch. #Wuppertal, Uni, jetzt. pic.twitter.com/cjLXD955Af — π (@kleinbenny) 29. Mai 2018 Hagel mit mehr als 2cm in Wuppertal @DWD_klima@Kachelmannwettrpic.twitter.com/9fa6t9flmg — Stefan (@SteFanMa83) 29. Mai 2018 Gedenkfeier abgebrochen Starke Regenfälle und starke Gewitter trafen bereits am Nachmittag die Bergregionen Nordrhein-Westfalens. Nach Angaben des DWD fielen in der Eifel, im Bergischen Land und im Sauerland mancherorts 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter. Punktuell seien es sogar 60 bis 80 Liter gewesen.Die Gedenkfeier zum 25. Jahrestag des Brandanschlags in Solingen ist am Dienstag wegen eines Unwetters abgebrochen worden. Ein Wolkenbruch war während der Veranstaltung über den Platz der Feier niedergegangen. Hunderte Teilnehmer hatten zunächst Schutz unter den Bäumen gesucht. In Duisburg lief Wasser in den Keller des Polizeipräsidiums, wie die Beamten via Twitter mitteilten. Autos und Radfahrer bahnten sich dort ihren Weg durch die überfluteten Straßen. Weiterhin Unwettergefahr für OWL Die Gewittergefahr in Nordrhein-Westfalen bleibt auch am Mittwoch bestehen. Nach Angaben des DWD kann es vor allem vom Sauerland über Ostwestfalen bis ins Münstlerand vereinzelt starke Gewitter mit stürmischen Böen bis 70 km/h und Starkregen geben. Mit Informationen der dpa.

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