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In Kassel, Berlin und in Hessen sollen Anhänger der koreanischen "Shinchonji"-Sekte besonders aktiv sein. - © Themenfoto/Picture Alliance/Pascal Deloche
In Kassel, Berlin und in Hessen sollen Anhänger der koreanischen "Shinchonji"-Sekte besonders aktiv sein. | © Themenfoto/Picture Alliance/Pascal Deloche

Gesellschaft Koreanische Sekte will mit dreister Masche Menschen missionieren

Vor allem in Essen sollen Anhänger der "Shinchonji"-Sekte unterwegs sein - laut Sekten-Info NRW wurden Betroffene nach einem Ausstieg noch penetrant weiter kontaktiert

Lena Vanessa Niewald
27.04.2018 | Stand 27.04.2018, 17:59 Uhr

Essen. Sie stehen in der Fußgängerzone oder auf dem Uni-Campus: Nett, freundlich und total offen bitten sie um Hilfe bei einem Referat oder Uni-Projekt. Immer öfter versuchen Anhänger der koreanischen Sekte "Shinchonji" derzeit, neue Mitglieder zu gewinnen, indem sie sich als Theologie-Studenten ausgeben, die auf der Suche nach Menschen sind, die fix einen Fragebogen am Tablet ausfüllen. Wer anhält, wird in ein Gespräch verwickelt. Erst ganz locker, nach einiger Zeit intensiver. Inhaltlich geht's um Glauben, um die Bibel, um Propheten. "Erstmal werden viele da noch nicht stutzig, sondern sind eher gewillt, einem motivierten Studenten zu helfen", sagt Christoph Grotepass, Theologe und Berater bei der Sekten-Info NRW. Unverfänglich - so scheint es Nach dem ersten Gespräch werde man dann zu gemeinschaftlichen Aktionen und Bibelkursen eingeladen, ganz unverfänglich - so scheint es zumindest. "Es heißt dann, dass dort beispielsweise zusammen gekocht wird. Vor allem für Menschen, die neu in einer Stadt sind, klingt das erstmal verlockend. Sie können neue Leute kennen lernen und finden schnell Anschluss", sagt Grotepass. Das Problem dahinter: Den Anhängern von "Shinchonji" geht es um weit mehr als gemeinsame Kochabende. Sie wollen missionieren, predigen die Rettung der Welt. Grotepass: "Die Mitglieder verschweigen zunächst, dass es sich um eine strenge, eigenständige Gemeinschaft mit hohen Anforderungen handelt." Aus Erfahrungsberichten weiß er, dass erst nach einigen Treffen deutlich wird, was eigentlich hinter der speziellen Glaubensgemeinschaft steckt. "Betroffene erzählen von immer penetranter werdenden Aufforderungen, an Kursen teilzunehmen", erklärt der Experte der Sekten-Info NRW. Die seien zu Beginn meist noch in Deutschland, es sei aber auch schon vorgekommen, dass Kurse in Ausbildungszentren in Korea gebucht wurden. Ständige Anrufe und Besuche nach einem Ausstieg Sobald es extrem verpflichtend und fordernd werde, solle man nach Meinung von Grotepass skeptisch werden. "Wenn es heißt, die Kurse müssten aber unbedingt jetzt sofort belegt werden, oder wenn jemand merkt, dass er immer mehr Zeit in die Gemeinschaft investiert, als er eigentlich möchte, sollte man einen Schritt zurücktreten und sich fragen, ob man das alles wirklich möchte." Besonders, wenn man merke , dass ein Ausstieg nicht mehr so leicht zu vollziehen sei, solle man sich Hilfe suchen. Denn: Grotepass hatte mit einigen Aussteigern Kontakt, die nach Beendigung der regelmäßigen Teilnahme an den Treffen ständig angerufen oder auch zu Hause besucht wurden. "Einige fühlten sich dadurch weiter unter Druck gesetzt." 954 Anfragen im vergangenen Jahr Neuerdings würden die Anhänger der "Shinchonji" auch noch eine weitere Masche testen, sagt Grotepass. Zwei Betroffene berichteten der Sekten-Info NRW, dass sie ohne biblischen oder theologischen Bezug in Kontakt mit Anhängern der Sekte gekommen seien, etwa durch Sportkurse oder andere Freizeitaktivitäten. Erst mit der Zeit kam dann noch eine weitere Person ins Spiel, die einen sehr missionarischen Anspruch hatte. "Und dann fiel langsam auf, dass auch der eigentliche neue Sportfreund eine ganz andere Absicht hat." Über die koreanische Gruppen hinaus, begegnen den Mitarbeitern der Sekten-Info NRW aber auch weitere konfliktträchtige Gemeinschaften und esoterische Strömungen. Im vergangenen Jahr registrierte der Verein insgesamt 954 Anfragen und ausführliche Beratungen - meist von Angehörigen. In vielen Fällen ging es um Wahrsage-Angebote und Geistheilungen.

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