Die Essener Tafel hat sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Sie nimmt als Neukunden nur noch Deutsche auf. - © dpa
Die Essener Tafel hat sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Sie nimmt als Neukunden nur noch Deutsche auf. | © dpa

Essen Tafel in Essen nimmt nur noch Deutsche auf

Der Anteil von Flüchtlingen und Zuwanderern liege bei 75 Prozent. Der Verein befürchtet, dass deutsche Bedürftige zu kurz kommen.

Matthias Schwarzer
22.02.2018 | Stand 22.02.2018, 17:37 Uhr

Essen. Weil der Anteil nicht-deutscher Kunden inzwischen bei 75 Prozent liegt, nimmt die Tafel in Essen künftig nur noch Deutsche auf. Das berichtet die WAZ und beruft sich auf den Verein, der die Tafel betreibt. Man habe vorübergehend einen Aufnahmestopp verhängt, damit "auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt", zitiert die Zeitung dessen Vorsitzenden. Die Tafel, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt, habe sich zu diesem Schritt "gezwungen gesehen", heißt es. Von den insgesamt 6.000 Nutzern bestehe der größte Teil inzwischen aus Flüchtlingen und Zuwanderern ohne deutschen Pass. Ältere Tafel-Nutzerinnen und alleinerziehende Mütter seien "einem schleichenden Verdrängungsprozess" zum Opfer gefallen. Vor dem Flüchtlingszuzug im Jahr 2015 habe der Anteil nicht-deutscher Kunden bei nur 35 Prozent gelegen. Nachfragen hätten ergeben, dass sich gerade ältere Nutzerinnen von der Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer an den Ausgabestellen abgeschreckt gefühlt hätten. "Wenn wir morgens die Tür aufgeschlossen haben, gab es Geschubse und Gedrängel ohne Rücksicht auf die Oma in der Schlange", zitiert die Zeitung den Verein. Viele Seniorinnen hätten sich nach einem Jahr Tafel-Nutzung wieder abgemeldet. Umgesetzt wird der Aufnahmestopp seit Mitte Januar. Er soll solange andauern, bis wieder ein Gleichgewicht hergestellt sei, heißt es. Mit der Entscheidung habe sich der Verein durchaus schwer getan: Das sei ja ein "heißes Thema". Unruhen bei der Tafel seien aber ausgeblieben.

realisiert durch evolver group