Die Botschaft des Gutachters

Hochbetrieb am Trainingsgelände beim Einstand von Middendorp-Nachfolger Frontzeck

Bielefeld. Dieser Freitagvormittag war einer der seltenen Gelegenheiten, bei denen sich der Aufbau von Bratwurst- und Bierstand sowie Kassenhäuschen auf dem Arminia-Trainingsgelände an der Friedrich-Hagemann-Straße gelohnt hätte. Abzüglich des großen Medienaufgebots wären es sicher 272 Zahlende gewesen, die Michael Frontzecks ersten offiziellen Einsatz für den DSC erleben wollten. Den wichtigsten Teil seiner Einstandsaufgabe hatte der neue Chefcoach längst hinter der geschlossenen Kabinentür erledigt, bevor er mit Schwung aufs Feld ging: seine erste Ansprache an die Mannschaft. "Ich habe gesagt, dass für uns das Spiel gegen den VfB Stuttgart der Ansatzpunkt für die Rückrunde sein muss", fasste Frontzeck seine Rede zusammen. Denn bei jenem 2:0-Sieg habe man "die Arminia der letzten Jahre gesehen", die "schwer zu spielende, kompakte Mannschaft, die etwas will und die ein Ziel hat" und bei der "genügend Potenzial nach vorn" vorhanden sei. Natürlich, so Frontzeck, habe er auch die vielen hohen Auswärtsniederlagen thematisiert, aber nur kurz, weil er sich "nicht zu sehr mit negativen Dingen beschäftigen" wolle zu einem Zeitpunkt, da die Arminen dank des Triumphes über den Deutschen Meister "versöhnlich mit den Fans aus der Hinrunde gegangen" sind. Der Botschaft ans kickende Personal folgte die genaue Begutachtung seiner Profis bei der Arbeit. Die Hände in den Jackentaschen, den Kopf durch eine Wollmütze vor der Kälte geschützt, analysierte der 43-Jährige das Geschehen vom Rande. Eine Herangehensweise, die auch für die nächste Zeit vom früheren Nationalspieler bevorzugt wird. Der Not gehorchend, soll doch noch vor Rückrundenstart (2. Februar daheim gegen Wolfsburg) die "Kaderproblematik" behoben sein, die dem Trainer "ein bisschen im Magen liegt". 30 Mann und damit für Frontzecks Geschmack etwa fünf zu viel gehören zum Bielefelder Bundesligakader. Alle werden, da sie ja laufende Verträge und "nichts verbrochen" haben, ihre Chance erhalten und am Mittwoch mit ins Trainingslager fliegen. Dort werde er sich "das Ganze in Ruhe angucken", um denen "zügig Rückmeldung zu geben", die andernorts möglicherweise eine größere Einsatzchance haben könnten. Normalerweise sei er ein anderer Trainertypus, erklärte Michael Frontzeck: "Ich werde sicherlich nicht die nächsten drei Jahre alles kommentarlos an mir vorbeiziehen lassen, sondern ich werde eingreifen." Diesmal habe es dazu zudem keinen Anlass gegeben. Alle hätten umgesetzt, was er erwartet hatte, sich also "sehr engagiert" gezeigt und "in Anbetracht der Platzverhältnisse teilweise ganz gut kombiniert". Insgesamt habe er deshalb ein "sehr gutes Gefühl", mit dem neuen Arbeitsplatz die richtige Wahl getroffen zu haben. Wie umgekehrt Arminias Finanzboss Roland Kentsch überzeugt ist, dass die Zusammenarbeit über den vertraglich abgeschlossenen Zeitpunkt 30. Juni 2009 hinausgehen wird. Frontzecks Reaktion: "Ihr Wort in Gottes Ohr, dass es eine längere Sache wird."

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