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Bielefeld/Berlin Streit um Schulbuch geht weiter

Das Vertriebsverbot wurde aufgehoben, doch ein Beiblatt soll warnen

Carolin Nieder-Entgelmeier
29.10.2015 | Stand 28.10.2015, 19:57 Uhr

Bielefeld/Berlin. Das Bundesinnenministerium hat das Vertriebsverbot des Schulbuches „Ökonomie und Gesellschaft – Zwölf Bausteine für die schulische und außerschulische Bildung“ der Bielefelder Herausgeberin Bettina Zurstrassen wieder aufgehoben. Nach Informationen der Neuen Westfälischen könnte das Buch künftig ein Beiblatt enthalten, in dem vermerkt wird, dass das Buch nicht alle Positionen repräsentiert. „Wir werden uns auf das Schärfste gegen die Entscheidung des Bundesinnenministeriums wehren, wenn das Buch wirklich mit einem Beiblatt vertrieben werden sollte“, kündigt Soziologieprofessorin Zurstrassen an. „Die Entscheidung wäre ein Affront gegen die Autoren, den wir nicht akzeptieren werden.“ Um Lehrer bei der ökonomischen Wissensvermittlung zu unterstützen, hat die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) im Februar das von Zurstrassen herausgegeben Buch „Ökonomie und Gesellschaft“ herausgebracht. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) missfällt das 365 Seiten starke Werk, das Unterrichtsmaterialien enthält, und hat für ein Vertriebsverbot gesorgt. BDA-Hauptgeschäftsführer Peter Clever hat im Juni dem Bundesinnenministerium, dem die BPB untersteht, in einem Brief sein „Befremden“ über das Buch mitgeteilt. Die Unterrichtsmaterialien entsprächen „einseitiger Propaganda gegen die Wirtschaft“. Er bitte daher darum, „den Band in dieser Form nicht weiter zu vertreiben“. Clever hatte Erfolg: Im Juli hat das Innenministerium der BPB den Vertrieb des Buches untersagt, noch bevor der wissenschaftliche Beirat der BPB den Fall untersucht hatte. In der Kritik der BDA stehen drei Beiträge, die kritische Blicke auf wirtschaftspolitischen Lobbyismus werfen. Der wissenschaftliche Beirat der BPB hat sich nach der Verhängung des Vertriebsverbots mit dem Fall befasst. Die Experten haben für eine Aufhebung des Vertriebsverbots gestimmt. „Das Innenministerium folgt dieser Einschätzung und hat deshalb das Vertriebsverbot wieder aufgehoben“, sagt der Sprecher des Innenministeriums, Tobias Plate. Das Vertriebsverbot sei ein Ausnahmenfall und als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen, weil das Buch Unterrichtsmaterialien enthalte, so Plate. "Ob und in welcher Form das Buch künftig mit einem Beiblatt vertrieben wird, prüft derzeit das Innenministerium in Absprache mit der Bundeszentrale für politische Bildung.“ Bislang vertreibe die BPB nach Angaben von Plate keine Publikationen mit Beiblättern.

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