Unterwegs auf der A 2: Ralf Ostheider fährt seit mehr als 25 Jahren Lkw und berichtet über seine Erfahrungen. - © Franz Purucker
Unterwegs auf der A 2: Ralf Ostheider fährt seit mehr als 25 Jahren Lkw und berichtet über seine Erfahrungen. | © Franz Purucker

Themenwoche A 2 Mit dem Brummi unterwegs auf der „Warschauer Allee“

Tausende Lkw täglich unterwegs / Ralf Ostheider berichtet vom Alltag am Steuer seines Lastwagens

Franz Purucker

Bielefeld. Spätestens 5 Uhr morgens klingelt der Wecker von Ralf Ostheider, denn um 6 Uhr will er auf der A 2 sein. Als Brummifahrer ist die Autobahn sein erstes Ziel, wenn er Zuhause in Bielefeld-Sennestadt losfährt. Heute geht es Richtung Westen zu einem Kunden in Dortmund. Eine dankbare Strecke, meint der mit mehr als 25 Jahren Berufsjahren sehr erfahrene Brummifahrer: „Hier ist einfach weniger los als in Richtung Berlin“. Ab Köln fährt er deshalb in der Regel schon um 5 Uhr morgens los, um nicht im dichten Stau hängen zu bleiben. „Ein Unfall, und es ist alles vorbei“, so Ostheider. Besonders schwierig ist das Stück zwischen Hannover und Magdeburg – dort stehe er am längsten. Doch Staus ist er in seinem Job gewöhnt. Kaum Probleme gibt es wiederum mit Blitzern. „Wir können höchstens 85 fahren“. Die meisten Starenkästen lösen erst bei wesentlich höherer Geschwindigkeit aus. Gefährlich wird es nur im privaten Bereich. Wer ein Fahrverbot kassiert, kann unter Umständen über Monate nicht hinters Steuer seines Brummis. Der heutige Morgen beginnt ruhig. Der Verkehr läuft flüssig. Kurz nach halb 7 sieht er den ersten Stau – zum Glück auf der Gegenseite. Nach einen Unfall stockt der Verkehr zwischen Gütersloh und Bielefeld. Richtung Berlin plant der Lkw-Fahrer generell mehr Zeit ein, vor allem weil man Stunden nach einem Parkplatz suchen muss. Die meisten Rastplätze Richtung Osten sind gegen Abend rasch belegt. Oftmals bleiben den Lkw-Fahrern nur das Parken auf den Rastplatzeinfädelungen, sonst überschreitet er die Tageslenkzeit. Sind alle Parkplätze belegt, bleibt nur die Wahl zwischen zwei Ordnungswidrigkeiten: „Überschreitung der Lenk- und Ruhezeiten“ oder dem gefährlichen Parken in Autobahnabfahrten. Das Problem: es gibt viel zu wenig Rastplätze für Lkw.Lieber auf den Autohof statt zur überfüllten Raststätte Selbst an diesem Morgen, an dem es Richtung Dortmund geht, macht Ostheider an der Raststätte Gütersloh Erfahrung mit Parkern auf der Einfahrt zum Rastplatz. Er selbst fährt deshalb lieber auf Autohöfe in A 2-Nähe. „Dort muss ich zwar in der Regel um die zehn Euro bezahlen, bekomme die Gebühren aber auf ein gutes Abendessen angerechnet“. Am liebsten übernachtet er am Rastpark Lippetal zwischen Beckum und Hamm. Geschlafen wird im Lkw, den er sich bequem ausgestattet hat. Zur Ausstattung zählen Kühlschrank, Wasserkocher, Fernseher mit terrestrischem Empfang sowie Gardinen zum Abdunkeln. „Im eigenen Bett schläft man trotzdem besser“. Ralf Ostheider fällt auf, dass besonders oft osteuropäische Lkw auf den Einfädelspuren stehen. Teure Autohöfe kommen für sie nicht in Frage. Deutschland ist für die Osteuropäer ein teures Pflaster, vermutet er. Sie packen lieber ihren Campingkocher an der Raststätte aus. Wirklichen Kontakt mit den osteuropäischen Fahrern gibt es selten. Von Kollegen hat Ostheider aber erfahren, dass viele ausländische Trucker erst nach drei bis vier Wochen nach Hause fahren. Auch an diesem Morgen überholen fast ausschließlich Lkw mit ausländischem Kennzeichen. Im CB-Funk, eine Art Walkie-Talkie zwischen den Brummis, dominieren die Sprachen Tschechisch und Polnisch. Wenn Ralf Ostheider über die A 2 spricht, nennt er die Autobahn deshalb gerne „Warschauer Allee“. Die osteuropäischen Spediteure sind für deutsche Lkw längst eine ernstzunehmende Billig-Konkurrenz.Kein Verständnis für "Elefantenrennen" Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreicht der Brummi Dortmund. Unzählige Pkw haben sich bis dahin vor den 40-Tonner gedrängelt und Ralf Ostheider ausgebremst. „Ich wünsche mit mehr Rücksicht von den Pkw-Fahrern“. Als Lkw hat man es noch immer schwer, an einer Kreuzung herausgelassen zu werden. Gleichzeitig hat er allerdings auch keinerlei Verständnis für die typischen Elefantenrennen. „Ich hasse es, wenn mich jemand überholt, der vielleicht ein bis zwei Stundenkilometer schneller fährt als ich. Gerade am Berg bringt das doch gar nichts“. Den Ärger der Pkw-Fahrer, die dann auf der Überholspur hinter dem Lkw warten müssen, kann er durchaus verstehen. Zuhause ist er erst am späten Nachmittag. Dann schwingt er sich in der Regel aufs Fahrrad Richtung Schloß Holte-Stukenbrock. Der perfekte Ausgleich zum stundenlangen Sitzen auf der Autobahn. Trotz Staus, Dränglern und Parkplatzsuchen – Lkw-Fahren ist und bleibt sein Traumjob. Ob das auch in Zukunft so bleibt, hängt vom weiteren Ausbau der Strecke ab: „Die A 2 muss achtspurig werden“. Viele seiner Kollegen prahlen, in den Urlaub bis nach Kroatien mit dem Auto zu fahren. Für Ralf Ostheider ist das nichts: „In die Sonne nehme ich den Flieger – im Urlaub will ich meine Ruhe haben“.

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