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Die Brass-Band Moop Mama aus München hatte vor einem Jahr beim ersten Heimatsound-Festival im Passionstheater in Oberammergau einen Riesenerfolg. - © FOTO: ULRICH KÖLBL/PASSIONSTHEATER
Die Brass-Band Moop Mama aus München hatte vor einem Jahr beim ersten Heimatsound-Festival im Passionstheater in Oberammergau einen Riesenerfolg. | © FOTO: ULRICH KÖLBL/PASSIONSTHEATER

Schloß Holte-Stukenbrock Moop Mama: "Wir tauchen spontan auf"

Die Urban-Brass-Band kommt zum Serengeti-Festival

14.08.2014 | Stand 14.08.2014, 14:00 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Diese Formation ist eine seltsame Mischung. 2009 schlossen sich Blasmusiker, Schlagzeuger und ein Hip-Hopper zu einer zehnköpfigen Brass-Band zusammen und veranstalteten in München Spontanauftritte auf öffentlichen Plätzen. Beim Serengeti-Festival läutet die ungewöhnliche Band das Nachtprogramm am Freitag im Zelt ein. Redakteur Sigurd Gringel sprach mit Rapper MC Keno. Keno, drei Stichworte, drei kurze Antworten bitte. Beck’s Lemon. Keno: (kurze Pause, dann lacht er) A . . . loch. Im Bett liegen. Keno: Gerne auch mal länger. Seitenscheitel. Keno: Wer’s mag. Du trägst keinen. Keno: Immer noch nicht. Was bedeutet Moop Mama? Keno: Das Wort Moop ist lautmalerisch gemeint. Es passt ganz gut zu dem Geräusch, dass die Blasinstrumente machen. Nachdem wir uns den Namen gegeben haben, haben wir erfahren, dass es ein paar lustige Bedeutungen gibt. Zum Beispiel? Keno: Es ist ein Akronym für "Matter out of Place", Müll, der auf Festivals rumliegt. Dinge, die dort sind, wo sie nicht hingehören. Das passt ganz gut zu uns, weil wir auch spontan irgendwo auftauchen. Habt Ihr noch Zeit für Eure Spontanauftritte? Keno: Momentan sind wir viel unterwegs auf Festivals oder mit eigenen Shows. Wir wollen es uns aber nicht nehmen lassen und es auch wieder in unseren Zeitplan einbauen. Ab und zu machen wird das noch, letztens haben wir in München an der Isar ein spontanes Grillkonzert gegeben. Kann es passieren, dass Ihr beim Serengeti-Festival spontan auf dem Zeltplatz aufkreuzt und Musik macht? Keno: Wenn es sich ergibt, gerne. Auf Festivals haben wir aber meistens zu wenig Zeit. Wo kommt das "Mama" her? Keno: Das kam dazu, als wir das Wort Moop diskutiert haben. Dann kam die Frau herein, die uns von Beginn an bei Proben auf einem Bauernhof unterstützte und sagte: ,Moop, dann bin ich ja die Moop Mama’. Was ist Urban Brass? Keno: Das ist unsere Wortschöpfung. Damit wollen wir erklären, was Blasmusik in unserem Kontext bedeutet. Wenn man in Deutschland von Blaskapelle spricht, denken die Leute sofort an Volksmusik und Lederhosen. Das hat bei uns aber überhaupt keinen Platz. Bei uns geht es eher um Funk, Soul, Marching Bands. Das Urbane bedeutet, dass wir eine städtische Musiktradition verfolgen. Vor allem mit dem Rap-Gesang. Wir sind ja auch eigentlich immer in Städten aufgetreten. Wie kommt ein Hip-Hopper wie Du zu einer Brass-Band? Keno: Ich hatte schon vorher Kontakt zu Marcus Kesselbauer, der die Band zusammengestellt hatte. Ich war in einer anderen Band, die "Creme Fresh" hieß. Da brauchten wir ab und zu mal Bläser. Und das hat Marcus für uns im Studio eingespielt. Ein paar Creme-Fresh-Songs haben wir dann mit einer Big-Band gespielt, die Marcus geleitet hat. Dann war klar, dass wir was zusammen machen wollen. Wie passt Blasmusik und Rockkonzert zusammen? Ist das seit dem Wacken-Festival salonfähig? Dort macht die Feuerwehrkapelle seit mehr als einem Jahrzehnt den Auftakt. Keno: Ich glaube, es ist ein regionales Phänomen, dass Blasmusik so betrachtet wird. Im deutschen Raum ist es traditionell mit Volksmusik verbunden. In anderen Ländern, USA oder Frankreich, tauchen Brass-Bands überall auf. Es ist aber schon eine Entwicklung der vergangenen Jahre, dass Bläser wieder entdeckt worden sind. Vor einiger Zeit hatten Funk-Bands nur einen Bläsersatz, den man auch daheim gelassen hat, wenn das Geld nicht reichte. Man ist jetzt aber verstärkt darauf gekommen, dass die Blasinstrumente eine krasse Energie haben und auch gegen E-Gitarren anstinken können. Da denke ich an Seeed, die bereits beim Serengeti waren. Keno: Genau. Bands wie Seeed haben immer schon viele Bläser in der Musik gehabt. Bläser bringen die Menschen zum Tanzen. Wir haben aber noch mal eins drauf gesetzt, weil wir ja kaum Elektronik drin haben. Außer ein paar Verstärker. Ihr kommt aus München. Wie bekannt seid Ihr hier? Keno: Mittlerweile können wir uns überall in Deutschland blicken lassen. München ist aber natürlich unsere Heimat, dort haben wir mehr Fans. Große Städte funktionieren bei uns sowieso gut, und bei Festivals weiß man’s nie. Es kommt auch auf die Zeit an, wann wir spielen. Beim Serengeti läutet Ihr am Freitag das Nachtprogramm im Zelt ein. 22.30 Uhr geht’s los. Ist das eine gute Zeit für Euch? Keno: Ich denke schon. Aber theoretisch können wir jede Zeit. Ihr habt zwei Alben herausgebracht. Das erste steht komplett auf Youtube. Wie findest Du das? Keno: Als Künstler ist man zwiegespalten. Man kann sich dagegen heutzutage nicht mehr wehren. Es ist sehr aufwendig, dagegen vorzugehen. Andererseits funktioniert es heutzutage auch so, dass sich Menschen Sachen im Internet anschauen und dann vielleicht zu unseren Konzerten kommen, weil sie uns schon gehört haben. Man kann es also nicht nur einseitig betrachten. Über was würdest Du nie schreiben? Keno: Ich finde es eher interessant, über was man noch schreiben kann, was noch nicht da war. Im Hip-Hop sind die Themen schon eingeschränkt, aber eigentlich soll es dort keine Tabus geben.

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