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BIELEFELD Verschlüsselung leichtgemacht: Cryptoparty wird zum Generationentreff

"Es gibt keine dummen Fragen!"

04.02.2014 | Stand 05.02.2014, 11:43 Uhr

Bielefeld. Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen weiß jeder, dass man elektronische Post verschlüsseln muss, wenn man nicht will, dass Dritte mitlesen. Die meisten lassen es dann aber doch sein. Typische Bedenken: zu kompliziert, zu umständlich, zu unsicher. Whistleblower Edward Snowden hat also erreicht, dass wir einige unserer elementaren Vorstellungen von der Welt korrigieren mussten – aber was ist mit unserem Verhalten? Der Andrang auf der ersten öffentlichen Cryptoparty der Hochschulgruppe des Bielefelder Datenschutzvereins Digitalcourage zeigte nicht nur den großen Bedarf an Informationen und Hilfestellungen, sondern vor allem den Willen zur Veränderung – ganz besonders in der Generation 60 plus. Als Computerhacker in Berlin vor gut zwei Jahren ihre erste Cryptoparty feierten, war Edward Snowden noch ein unbescholtener IT-Mitarbeiter, der für den US-amerikanischen Geheimdienst arbeitete. Auch die NSA war hierzulande noch nicht so bekannt, überhaupt wusste man vieles offenbar eher vage. Umso größer ist heute die Sorge über unsichere Passwörter, unsichere Internetverbindungen und eine damit unsichere Privatsphäre. Internetaktivisten nennen den Kampf gegen die Überwachung ihre "digitale Selbstverteidigung". Die entsprechenden Programme lassen sich im Internet ganz legal als freie Software herunterladen und installieren. Weil man aber auch hier schnell den Überblick verliert, hatten viele Besucher ihren Laptop mitgebracht. An insgesamt vier Stationen bekamen sie im Bunker Ulmenwall Soforthilfe. Der kanadische Journalist und Blogger Cory Doctorow hat Cryptopartys unlängst mit Tupperpartys verglichen, "nur dass du hier Kryptografie lernst". Sie sind Teil einer wachsenden Bewegung, die den Nutzern vermittelt, wie man Kommunikation und Daten sicher verschlüsselt. Cryptopartys sind grundsätzlich kostenlos und basieren auf dem Prinzip gegenseitiger Hilfe: Wer es verstanden hat, erklärt es seinem Nachbarn. Ziel ist es, Aufklärung und Informationen zu verbreiten. "Unsere Cryptoparty soll einen einfachen Einstieg in das Thema bieten und alles von Grund auf erklären. Von der Verschlüsselung über sichere Chatprogramme, anonymes Surfen mit Tor oder abhörsichere Handys und Computer", sagt Thorben Meyer. Vorkenntnisse sind nicht nötig. "Und vor allem gilt: Es gibt keine dummen Fragen! Für Cryptopartys braucht man kein Informatikdiplom." Die Methode der Kryptografie mag so alt sein wie die Sprache und der Krieg – noch nie zuvor in der Geschichte hat jedoch die nötige Technik in der Zivilbevölkerung so weit Verbreitung gefunden und war so einfach anzuwenden wie heute, wo jeder Rechner mit der entsprechenden Software Texte auf Knopfdruck durch eine Primzahlmatrix samt Ableitungen jagen kann, bevor sie gesendet werden. Auf dem Bildschirm des Empfängers erscheint schließlich ein sinnloses Kauderwelsch, das vom Kryptografieprogramm nun wieder in Klartext übersetzt werden muss. Zum Glück macht das Programm das alles alleine. Für die verschlüsselte Kommunikation braucht man jetzt nur noch den "öffentlichen Schlüssel" der anderen Person. Der komplizierte und individuelle Zahlencode identifiziert den Nutzer wie ein Personalausweis. Der Code des einen schließt die Nachricht ab, während der andere sie aufschließen kann. Die Verschlüsselung ist übrigens immer nur eine Option, die das Verfassen und Empfangen normaler, unverschlüsselter Nachrichten nicht ausschließt.

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