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Demonstranten blockieren mit Gepäckwägen den Weg zu den Gates am Hongkonger Flughafen. Einen Tag nach dem Stillstand des Hongkonger Flughafens haben sich hier erneut Demonstranten zu Protesten versammelt. - © Vincent Yu
Demonstranten blockieren mit Gepäckwägen den Weg zu den Gates am Hongkonger Flughafen. Einen Tag nach dem Stillstand des Hongkonger Flughafens haben sich hier erneut Demonstranten zu Protesten versammelt. | © Vincent Yu

Bielefeld Chaos in Hongkong: Bielefelder Student erlebt die Proteste hautnah

China lässt an der Grenze zu Hongkong Militär aufmarschieren. Kolja Bockermann schildert seine Eindrücke vor Ort. Gewalt sieht er auf beiden Seiten

Torben Gocke
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 08:26 Uhr

Bielefeld/Hongkong. Seit mehreren Wochen gibt es pro-demokratische Massenproteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie. Gerade ist es den Demonstranten gelungen, den Flughafen für zwei Tage lahmzulegen,gerade erst läuft der Flugverkehr langsam wieder an. Die chinesische Regierung lässt an der Grenze Truppen aufmarschieren. Vor Ort erlebt der Bielefelder Student Kolja Bockermann die Situation. „Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, wir kämpfen für die Zukunft unserer Heimat", ist auf einem Plakat am Flughafen zu lesen. Tausende Menschen haben sich in den Terminals versammelt, um den Flugverkehr lahmzulegen – aus Protest gegen den Kurs der pro-chinesischen Regierungschefin Carrie Lam. Widerstand aus der Bevölkerung gibt es an vielen Orten in der Stadt – nicht immer bleibt es friedlich. Viele Verhaftungen in Hongkong „Es gibt wirklich sehr viele Verhaftungen. Auch Unbeteiligte werden von der Polizei mitgenommen. Vielleicht, um einfach nur die Zahl der Festnahmen zu erhöhen", sagt Kolja Bockermann im Gespräch mit nw.de. Die meisten werden nach spätestens zwei Tagen wieder entlassen. „Wiegen die Vorwürfe allerdings schwerer, dann kommen die Leute in ein Untersuchungsgefängnis nahe der chinesischen Grenze und sind länger weg." Der Bielefelder war bereits als Abiturient in der Millionenstadt zu Gast und pflegt seither gute Beziehungen dorthin. An den aktuellen Protesten nimmt der 24-jährige Student selbst teil. „China möchte die Stadt wesentlich schneller an das Mutterland angliedern, als es nach der Unabhängigkeit von Großbritannien eigentlich vereinbart wurde. Ein klarer Vertragsbruch", sagt Kolja Bockermann zu seinen Beweggründen. Militär wird an der Grenze zusammengezogen Dass an der Grenze zu China gerade Militär zusammengezogen wird, ist auch bei den Demonstranten ein großes Thema. „Ich gehe davon aus, dass die chinesische Regierung diesen Schritt zur psychologischen Kriegsführung gewählt hat", sagt der Bielefelder. „Offiziell sagen sie, die Soldaten sind zur Feier des Jahrestages der Staatsgründung dort. Die Botschaft ist allerdings mehr als deutlich." Auch rhetorisch bereite Peking einem Einsatz seiner Truppen in der Stadt bereits den Weg: „Wir merken das hier etwa daran, wenn im Zusammenhang mit den Protesten immer häufiger von Terrorismus geredet wird", sagt Kolja Bockermann. Auch wenn die Proteste insgesamt friedlich verlaufen – Gewalt hat der Bielefelder auf beiden Seiten beobachten können. „Seitens der Polizei wird sehr häufig Tränengas eingesetzt und sie gehen auch gegen friedliche Demonstranten rigoros vor. Und auf der anderen Seite wird mit Brandbomben und Laserpointern gearbeitet." Letztere nutzen die Demonstranten etwa, um Polizisten zu blenden. Aktuell sieht der Bielefelder allerdings eine Beruhigung der Lage in Hongkong. „Beide Seiten rudern in Sachen Eskalation wieder etwas zurück." So würden die Gewaltexzesse der Polizei weniger und die Demonstranten weisen die gewaltbereiten Teilnehmer unter ihnen selbst in die Schranken. Eine Prognose, wie sich die Situation weiter entwickeln wird, will Kolja Bockermann nicht geben.

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