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Wibke Brems und Matthi Bolte sitzen für die Grünen im Landtag. Sie wollen mehr Menschen für den Umstieg auf die Schiene begeistern. - © Wolfgang Rudolf
Wibke Brems und Matthi Bolte sitzen für die Grünen im Landtag. Sie wollen mehr Menschen für den Umstieg auf die Schiene begeistern. | © Wolfgang Rudolf

Mobilität Befragung der Grünen: Nur ein Bahnhof in OWL ist "sehr gut"

Der Bezirksverband der Grünen hat Bürger gebeten, die Haltestellen in der Region mit Hilfe eines Fragebogens zu bewerten.

Nadine Uphoff
23.07.2019 | Stand 22.07.2019, 22:30 Uhr

Bielefeld. Wie gut ist die Aufenthaltsqualität an Bahnhöfen in Ostwestfalen-Lippe? Welche Mängel gibt es? Sind sie barrierefrei? Und wie gut ist die Anbindung an Bus oder Straßenbahn? Diese und weitere Fragen hat der Grünen-Bezirksverband OWL seit Anfang März den Bahnfahrern in der Region gestellt. Sie konnten dazu einen Fragebogen im Internet ausfüllen. Das Ergebnis: Nur einer von 80 Bahnhöfen in OWL bekam die Note "sehr gut": Steinheim. Ebenfalls eine Eins vorm Komma haben die Haltestellen in Detmold, Salzkotten und Altenbeken. Negativ aufgefallen sind Brackwede (wird gerade umgebaut), Bielefeld Ost, Clarholz, Mensch Neue Mühle in Preußisch Oldendorf, Brakel, Willebadessen, Helpup und Schloß-Neuhaus. Bahnhöfe sind Visitenkarte der Bahn "Die Bahn ist der zentrale Baustein der Mobilitätswende. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir bis 2030 die Zahl der Fahrgäste verdoppeln", sagte Grünen-Landtagsabgeordnete Wibke Brems bei der Vorstellung der Ergebnisse. Bahnhöfe seien so etwas wie die Visitenkarte des Bahnverkehrs und würden deshalb besondere Aufmerksamkeit verdienen, um mehr Menschen für den Umstieg auf die Schiene zu begeistern. Deshalb habe die Arbeitsgemeinschaft Verkehr des Bezirksverbandes die Befragung initiiert. Aufenthaltsqualität lässt zu wünschen übrig "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Aufenthaltsqualität an den Bahnhöfen und Haltepunkten in OWL insgesamt zu wünschen übrig lässt", resümiert Matthi Bolte-Richter, der ebenfalls für die Grünen im Landtag sitzt. Warteräume seien nur an 25 Bahnhöfen vorhanden. Wenn Gebäude vorhanden seien, seien diese oft nicht oder nur eingeschränkt zugänglich. Das kann zum Beispiel problematisch werden, wenn ein Reisender nach 22 Uhr ankommt und nicht mehr die Möglichkeit hat, zur Toilette zu gehen. Diese seien eh nur an 20 Bahnhöfen vorhanden. Des Weiteren würden ausreichend Fahrradständer fehlen. Es fehlen Aufzüge oder Rolltreppen Auch das Thema Barrierefreiheit wurde abgefragt: "In einer alternden Gesellschaft, in der sich immer Menschen gleichberechtigte Teilhabe wünschen, wird Barrierefreiheit immer wichtiger. Die erhobenen Werte zeigen hinsichtlich der barrierefreien Zugänge zu den Gleisen ein erfreuliches Bild", sagt Bolte-Richter. Das hänge aber vor allem damit zusammen, dass einige Haltestellen eh nur ein oder zwei ebenerdige Gleise haben. Wohingegen nur acht der 42 Bahnhöfe mit mehreren Gleisen einen durchgängigen Zugang zu allen Gleisen über Aufzüge oder Rolltreppen vorweisen würden. Ein Blindenleitsystem sei zudem nur selten vorhanden. Positives Sicherheitsempfinden der Reisenden Positive Rückmeldung bekamen die Grünen beim Thema funktionierende Beleuchtung. Auch über Probleme mit Wildwuchs oder Schmierereien wurde nur vereinzelt berichtet. "Das alles wirkt sich positiv auf das Sicherheitsempfinden der Reisenden aus", meint Bolte-Richter. Da insgesamt aber nur 149 Menschen ihre Stimme zu 77 von 80 Bahnhöfen in OWL abgegeben haben, kann die Befragung lediglich eine Tendenz zeigen und ist nicht repräsentativ. Mehr Geld investieren Die Grünen fordern nun eine Investitionsoffensive in die Bahnhöfe: "Die durch den Bund zur Verfügung gestellten Gelder reichen nicht aus, um die Haltepunkte in einen akzeptablen Zustand zu bringen", meint Matthi Bolte-Richter. Es gehe aber nicht nur darum, mehr Geld ins System zu geben, sondern auch darum, die Bahn effizienter und transparenter zu gestalten. Deshalb gehören für die Grünen auch die Investitionen der Bahn auf den Prüfstand. Einheitlicher Nahverkehrstarif Sie fordern weiterhin ein Ende des Tarifdschungels: "Wir verlangen einen einheitlichen Nahverkehrstarif, der für ganz NRW gilt und der Bahnen und Busse gleichermaßen umfasst", so der Grünen-Politiker. Außerdem sollen die Bahnhöfe gut in den öffentlichen Nahverkehr eingebunden werden, sowie Bahnfahren durch Bordrestaurants und flächendeckendes, funktionierendes WLAN attraktiver werden.

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