Wichtig für das Ökosystem: Eine Biene landet auf einer Blüte in einem Garten. - © picture alliance/dpa
Wichtig für das Ökosystem: Eine Biene landet auf einer Blüte in einem Garten. | © picture alliance/dpa

Forschungsprojekt Dramatisches Insektensterben: Gut 1.500 Arten in NRW gefährdet

Landesumweltministerin Heinen-Esser will Situation erfassen lassen und Schutzmaßnahmen einleiten

Matthias Bungeroth
12.06.2019 | Stand 13.06.2019, 18:05 Uhr

Das Insektenstreben nimmt bedrohliche Ausmaße an. Davon ist Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) überzeugt. "Der Verlust von Arten stellt neben den Folgen des Klimawandels die größte ökologische und ökonomische Bedrohung dar", sagt die Ministerin. Sie will deshalb die Situation genau analysieren lassen, um Schutzmaßnahmen ergreifen zu können.

Die Zahlen die bekannt sind, sind bereits dramatisch genug. Denn der Rückgang der Insekten spiegelt sich seit Jahren in den Roten Listen des Bundes und der Länder wie NRW wider. So stellt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in NRW fest, dass von den gut 3.000 Insektenarten, die in der Roten Liste auftauchen, schon 52 Prozent als gefährdet oder ausgestorben gelten.

"Anzeiger für die Bedrohung unserer Artenvielfalt"

Das genaue Ausmaß für alle anderen der rund 25.000 Insektenarten in NRW sei weitgehend unbekannt, "vor allem, da umfassende und standardisierte Untersuchungsprogramme fehlen", wie das LANUV mitteilt. Ein neues Monitoringprojekt soll hier Abhilfe schaffen.

Über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg sollen in Kooperation mit der Universität Osnabrück Grundlagen für diese landesweite Dauerüberwachung geschaffen werden. Das NRW-Umweltministerium fördert dieses Forschungsprojekt mit insgesamt rund 570.000 Euro. "Der Rückgang von Insekten ist ein wichtiger Anzeiger für die Bedrohung unserer Artenvielfalt, selbst in Naturschutzgebieten ist dieses Phänomen zu beobachten", sagt Heinen-Esser.

"Tagfalter und Heuschrecken stehen stellvertretend für viele Arten"

Deshalb, so die Ministerin, müsse man noch mehr darüber erfahren, welche Artengruppen vom Aussterben in welchem Ausmaß betroffen seien, ob es Unterschiede in verschiedenen Lebensräumen gebe und ob die Auswirkungen des Insektensterbens regional unterschiedlich seien. LANUV-Präsident Thomas Delschen erläuterte auf einer Wildblumenwiese in Essen, wie einzelne Insektenarten gefangen und kategorisiert werden können.

Das Augenmerk der Experten gilt besonders bestimmten Arten, und das aus gutem Grund. Delschen: "Tagfalter und Heuschrecken stehen stellvertretend für viele andere Artengruppen und ermöglichen allgmeine Aussagen zum Zustand der Insektenvielfalt hierzulande." Delschen fügt hinzu: "Diese beiden Artengruppen sind eng an ihre Lebensräume angepasst und damit sehr gute Indikatoren für die Vielfalt an Lebensräumen und die Intensität der Landnutzung."

"Von mehr Vielfalt profitieren viele Tier- und Pflanzenarten"

Die intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebiete seien weiter die Sorgenkinder der LANUV-Experten, so Delschen. "Insgesamt nimmt die Artenvielfalt hier weiter ab." Sehr viel besser sehe es dort aus, wo etwa Maßnahmen aus dem Vertragsnaturschutz zum Einsatz kämen. Delschen: "Von mehr Vielfalt an Wegrändern oder Flächen mit Wildblumen profitieren nicht nur Insekten, sondern auch viele andere Tier- und Pflanzenarten."

In einer ersten Projketphase soll nun im Rahmen eines Monitorings der Bestand von Insekten möglichst genau erfasst werden. Laut LANUV sind die Insekten mit ihren rund 25.000 Arten die mit Abstand artenreichste Atrengruppe in NRW. "Sie umfassen 58 Prozent aller 43.000 landesweit vorkommenden Tier- und Pflanzenarten, beziehungsweise 73 Prozent aller Tierarten", so das LANUV.

Information

Insektenarten

  • Wildbienen und Wespen: 713 Arten, davon 52 Prozent gefährdet
  • Ameisen: 63 (51 Prozent gefährdet)
  • Laufkäfer: 369 (43 Prozent gefährdet)
  • Wanzen: 608 (nicht bekannt)
  • Heuschrecken: 54 (48 Prozent gefährdet)
  • Libellen: 73 (45 Prozent gefährdet)
Links zum Thema


37 verschiedene Wildblumen gegen das Insektensterben in Hövelhof

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