Der Chef des Unions-Wirtschaftsflügels, Carsten Linnemann (CDU), ärgert sich über den Zeitpunkt der Diskussion. - © picture alliance
Der Chef des Unions-Wirtschaftsflügels, Carsten Linnemann (CDU), ärgert sich über den Zeitpunkt der Diskussion. | © picture alliance

Kanzlerfrage AKK als Kanzlerkandidatin: Heftige Kritik an Personaldebatte

Der Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus legt sich auf AKK als Kanzlerkandidatin fest und wird dafür heftig kritisiert. Die konservative Werte-Union fordert derweil einen Mitgliederentscheid.

Carolin Nieder-Entgelmeier
11.06.2019 | Stand 11.06.2019, 21:40 Uhr
Lothar Schmalen

Berlin. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird heftig kritisiert. Die schlechten Ergebnisse für die CDU bei der Europawahl und der Umgang mit dem Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo haben dafür gesorgt, dass auch intern die Eignung Kramp-Karrenbauers für das Kanzleramt infrage gestellt wird. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) ist trotzdem davon überzeugt, dass Kramp-Karrenbauer nächste Kanzlerkandidatin der Union wird. Seine Festlegung sorgt für heftige Diskussionen und löst eine Debatte über die Wahl des Kandidaten aus. Friedrich Merz, einer der potenziellen Bewerber um die Kanzlerkandidatur von CDU und CSU nach Angela Merkel, ist von der Personaldiskussion in der Union genervt. „Ich rede nicht über einen Kanzlerkandidaten der Union zu einem Zeitpunkt, wo keine Wahlen anstehen. Das ist doch eine absolut irre Diskussion", sagt Merz im Gespräch mit der Neuen Westfälischen am Rande der Buchvorstellung des langjährigen Kölner SPD-Chefs Jochen Ott. Kramp-Karrenbauer hatte sich in der Kampfabstimmung um den CDU-Vorsitz 2018 nur knapp gegen Merz durchgesetzt. Auch der Chef des Unions-Wirtschaftsflügels, Carsten Linnemann (CDU), ärgert sich über den Zeitpunkt der Diskussion. „Ich finde die Debatte überflüssig, weil sie zu früh kommt", erklärt der Paderborner im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. „Aktuell zeigt die SPD, wohin Personaldiskussionen führen. Das brauchen wir nicht, weil die Union kein Personalproblem hat." NRW-Ministerpräsident Laschet: Nächster Kanzlerkandidat ist offen Vielmehr fehlt es der Union laut Linnemann an Profil: „Deshalb sollten wir uns auf gute Sachpolitik konzentrieren, damit wir die besten Chancen haben, die nächste Wahl zu gewinnen." Mit Blick auf Kramp-Karrenbauer sagt Linnemann: „Formell ist es so: Die Parteivorsitzende hat das Vorschlags- und damit auch das Erstzugriffsrecht." Aus Sicht von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist noch nicht über die nächste Kanzlerkandidatur entschieden. Die konservative Werte-Union spricht sich in der Diskussion um einen Kanzlerkandidaten der Union dafür aus, die Parteimitglieder abstimmen zu lassen. Auch Linnemann setzt sich grundsätzlich für mehr Mitgliederbeteiligung ein: „Im Fall der Bestimmung eines Kanzlerkandidaten ist eine Urwahl aber nicht möglich, da die Union aus zwei Parteien besteht." Merz stellt sich klar gegen einen Mitgliederentscheid: „Solche Urabstimmungen spalten die Partei." Merz hält das Delegiertensystem für das richtige Instrument bei Personalentscheidungen der Parteien.

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