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Rund 60 Feuerwehrleute bekämpften am Dienstagmorgen einen Großbrand auf einer Gefügelfarm in Delbrück. 4.000 Junggänse starben. - © Ralph Meyer
Rund 60 Feuerwehrleute bekämpften am Dienstagmorgen einen Großbrand auf einer Gefügelfarm in Delbrück. 4.000 Junggänse starben. | © Ralph Meyer

Brände Angriffe auf Tierställe beunruhigen die Politik

Der Paderborner FDP-Politiker Marc Lürbke stellt in Düsseldorf Fragen zu katastrophalen Bränden und Ausfällen von Lüftungsanlagen, die oft tausende Tiere töten. Er sieht eine Serie von Fällen

Martin Krause
17.05.2019 | Stand 17.05.2019, 20:57 Uhr

Paderborn/Düsseldorf. Der Paderborner FDP-Politiker Marc Lürbke schlägt Alarm: In den vergangenen Monaten habe es eine "auffällige Häufung" von Bränden in Tiermastbetrieben oder Manipulationen der Lüftungsanlagen durch Unbekannte gegeben. Wiederholt seien dabei hunderte oder gar tausende Schweine qualvoll verendet, beklagt der NRW-Landtagsabgeordnete.  Im Innenausschuss des Düsseldorfer Landesparlaments hat er deswegen nun einen Bericht des Innenministers dazu angefordert, um die Hintergründe zu erhellen. Lürbke listet eine Reihe spektakulärer Tierkatastrophen in NRW auf -  allein in den ersten Monaten des Jahres 2019: Auch ein Stall der Familie des Bauernpräsidenten betroffen So seien 900 Schweine gestorben, nachdem in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 2019 sowohl die Lüftung als auch die Alarmanlage eines Stalls im münsterländischen Vreden abgeschaltet wurden. Weil es den Hof eines Sohnes  des westfälischen Bauernpräsidenten Johannes  Röring betraf und weil in den Stall eingebrochen worden war, gab es Vermutungen, es könne sich um einen politischen Protest gegen Massentierhaltung gehandelt haben.  Ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) weist  aber darauf hin, das der Fall noch nicht polizeilich geklärt sei. Lürbke nennt auch den Brand eines Schweinestalles in Warendorf, bei dem am 8. April rund 1.000 Schweine starben, und den Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens im Kreis Minden-Lübbecke, bei dem am 10. April etwa 2.000 Schweine verendeten. Er erinnert daran, dass 700 Ferkel starben, nachdem Unbekannte die Lüftungsanlage eines Schweinestalles in Geseke im Kreis Soest   abgeschaltet hatten. Und am 6. Mai haben Unbekannte auch die Lüftungsanlage eines Stalles in Erwitte ausgeschaltet - doch ein Alarm bewahrte dort die rund 600 Tiere vor Schaden. Ursache des Brandes in Delbrück  war ein technischer Defekt In OWL hatte sich Anfang der Woche zudem ein Brand in einer Geflügelfarm in Delbrück ereignet - dabei kamen 4.000 Junggänse ums Leben. Immerhin sei hier inzwischen geklärt, dass das Feuer nicht durch fremde Brandstifter verursacht wurde. Polizei und Brandsachverständige gehen von einem technischen Defekt aus. Gemeinsam mit dem Düsseldorfer CDU-Abegordneten Christos Katzidis bittet Lürbke nun im Innenausschuss um einen schriftlichen Bericht zu folgenden Fragen: Wie viele Brandstiftungen und Manipulationen in Schweineställen wurden seit Jahresbeginn festgestellt? Wie viele Anzeigen wurden gestellt und gibt es bereits Ermittlungsverfahren? Und gibt es Erkenntnisse zu möglichen Tätern und der Frage, ob "militante Aktivisten" beteiligt waren? Sind Angriffe auf Tierställe durch militante Aktivisten aus der Vergangenheit bekannt? "Menschliche Katastrophe für betroffene Bauernhöfe" "Wir wollen unter anderem wissen, ob es Verbindungen zwischen den Taten gibt", sagt Lürbke. Aber auch, wenn vor allem die technische Ausrüstung von Ställen das Problem sei und es daher allzu leicht zu technischen Defekten komme, müsse dies geklärt werden, so der FDP-Politiker. "Denn jeder Fall ist auch eine menschliche Katastrophe für betroffene Bauernhöfe." Das Landeskriminalamt, das vom Innenministerium wahrscheinlich zu dem Thema befragt werden wird, gibt sich derzeit bedeckt. Er habe keine Statistiken für Stallbrände und ihre Ursachen zur Verfügung, erklärte ein Sprecher der Behörde. Es gebe zwar tatsächlich immer wieder einmal Stalleinbrüche von Tierrechts-Aktivisten,  aber noch keine zusammenfassenden Informationen. Ähnlich klang es aus dem NRW-Bauministerium, das sich um die Problematik kümmert: Nun müsse zunächst Ursachenforschung betrieben werden, so ein Sprecher. In Westfalen-Lippe kaum militante Tierrechtler Auch Hans-Heinrich Berghorn als Sprecher des Landwirtschaftsverbandes  WLV kennt die Sorgen. Im Sommer 2018 habe ein Feuer in Rheine allein 8.000 Ferkel und Mastschweine getötet. Es gebe spektakuläre Fälle, aber die Häufigkeit solcher Brände sei nach seiner Einschätzung in den vergangenen Jahren nicht stark gestiegen.  Eine Ursache vieler Brände könne etwa in den elektrischen Leitungen liegen - dann wäre es sinnvoll, die Kabel regelmäßig zu prüfen und besser zu sichern. Militante Tierrechtler aber seien in Westfalen-Lippe bisher wenig in Erscheinung  getreten - anders als vor wenigen Jahren etwa im benachbarten Niedersachsen.

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