Die zwei starken Frauen in der Unionsfraktion: Kanzlerin Angela Merkel (l.) und Annegret Kramp-Karrenbauer. - © picture alliance/dpa
Die zwei starken Frauen in der Unionsfraktion: Kanzlerin Angela Merkel (l.) und Annegret Kramp-Karrenbauer. | © picture alliance/dpa

CDU/CSU-Fraktion Kommentar zu Annegret Kramp-Karrenbauer: Der Lack ist ab

Die Union ist enttäuscht über die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Alle reden schon über die neue Zeit. Die Union freut sich heimlich auf eine mögliche Koalition mit den Grünen, um endlich wieder CDU-Politik pur machen zu können. Die Grünen formulieren Extrem-Positionen bis hin zu Enteignungen, damit sie sich als Koalitionspartner einer neuen Union samt Merkels Nachfolge möglichst teuer verkaufen können. Beide Verhaltensweisen und die Reaktionen der Wählerschaft darauf signalisieren indes, dass die Rechnung ohne den Wirt gemacht sein könnte. Tatsächlich ist es so, dass die Union bereits zum zweiten Mal in Folge im ZDF-Politbarometer Federn lassen muss. Sie ist nach wie vor mit Abstand stärkste Partei und hat die größten Chancen, die nächste Kanzlerschaft unter sich zu regeln. Allerdings ist der Schwung des Neuanfangs mit Annette Kramp-Karrenbauer nicht so vielversprechend wie erwartet. Die von Teilen der Union – nicht der Mehrheit, aber einer starken Minderheit – gewollte Neuordnung der Partei ohne Angela Merkel geht bislang ziemlich schief. Die Kanzlerin ist wieder beliebteste Politikerin – vor Robert Habeck, dem Grünen. AKK – wie die CDU-Chefin verkürzt genannt wird – rangiert erst hinter Außenminister Heiko Maas und Finanzminister Olaf Scholz – beide SPD. Anders als bei Merkel sind bei Kramp-Karrenbauer die Zustimmungswerte zurückgegangen, ähnlich wie bei Habeck. Maximal frustrierende Situation für die Union Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Lack ab ist – jedenfalls zunächst. Überraschend und insbesondere für AKK enttäuschend muss es sein, dass die Kanzlerin derzeit möglichst viel Raum zwischen sich und ihre Union legt, der sie immerhin 18 Jahre vorsaß – länger als Adenauer und fast so lange wie Kohl. Das ist nicht neu und auch bei sozialdemokratischen Ex-Kanzlern vorgekommen und aus Merkels Sicht sogar nachvollziehbar. Für die Union ist es allerdings schon maximal frustrierend, dass im ersten Wahlkampf der neuen Parteichefin die Kanzlerin sich nahezu komplett zurückzieht. Für die Union offenbart sich hier, dass keine der offenen Inhaltsfragen nachhaltig entschieden ist. Weder kann der konservative Flügel die Anti-Merkel-Wende für sich reklamieren. Die Attacken auf den Merkel-Vertrauten Wirtschaftsminister Altmaier in der Hoffnung, doch noch jemanden wie Friedrich Merz ins Kabinett holen zu können, zeigen nur deren Hilflosigkeit. Andererseits: Auch Merkels Gefolge ist in der Union als Perspektive der Zukunft durchaus nicht akzeptiert. Es fehlt an klarer Führung. AKK liefert sie nicht. Das macht Merkel im Kanzleramt stärker als sie sein müsste. Und macht die Union schwächer als sie sein müsste.

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