An einem Traktor hängt in Münster ein Transparent mit der Aufschrift: "Es reicht". Tausende Landwirte demonstrieren gegen die Verschärfung des Düngerechts. - © picture alliance/dpa
An einem Traktor hängt in Münster ein Transparent mit der Aufschrift: "Es reicht". Tausende Landwirte demonstrieren gegen die Verschärfung des Düngerechts. | © picture alliance/dpa

Westfalen-Lippe Bauernprotest gegen verschärfte Gülleregeln

Die EU-Kommission fordert eine Verschärfung des Düngerechts in Deutschland. Grundwasser ist vielerorts mit Nitrat belastet. 1.000 OWL-Bauern unter 6.000 Demoteilnehmern

Dirk Müller
04.04.2019 | Stand 04.04.2019, 19:48 Uhr

Münster. „Wir Bauern wollen nicht als diejenigen dastehen, die sauberes Trinkwasser gefährden", sagt Hubertus Beringmeier. Grundwasserschutz müsse sein, betont der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes in Ostwestfalen-Lippe, aber bitte mit Maß und Ziel und in Kooperation mit den Wasserversorgern und nicht mit Pauschalurteilen und unter Existenzgefährdung der landwirtschaftlichen Betriebe. Da stand Beringmeier gerade wie mehr als 6.000 weitere Demonstrationsteilnehmer in Münster unter dem Eindruck der Rede von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Die hatte den von einer möglichen erneuten Verschärfung des Düngerechts betroffenen Landwirten gerade versprochen, sich für einen Ausgleich der entstehenenden Lasten einzusetzen. Ein Ansatz, der Beringmeier und viele seiner rund 1.000 ostwestfälisch-lippischen Berufskollegen, die am Protest in Münster teilnahmen, nur bedingt zufriedenstellt. "Pflanzen werden nicht mehr bedarfsgerecht gedüngt" Erstens werde so dem Steuerzahler wieder die Zeche aufgebürdet. Und zweitens: Wenn umgesetzt werde, was droht und von der EU-Kommission gefordert wird – nämlich eine deutliche Verringerung des Gülleeintrags auf besonders belasteten, sogenannten „roten Flächen" um 20 Prozent vom errechneten Bedarf, dann würden Pflanzen nicht mehr bedarfsgerecht gedüngt, verkümmerten und entzögen dem Boden eben noch weniger Stickstoff, der mit der Gülle auf die Felder gebracht und bekanntlich als schädliches Nitrat ins Grundwasser durchsickert. Sinn macht für Landwirt Hubertus Beringmeier, was NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) den wütenden Bauern versprach: Die Messstellen in NRW, an denen die Nitratbelastung des Grundwassers auffällt, sollten überprüft werden. Schließlich sei die Transparenz der Messungen mangelhaft; es müsse besser nachvollziehbar sein, wie und wo die Nitratbelastung des Wassers auf einer Fläche von häufig 30.000 bis 40.000 Hektar pro Zuständigkeitsbereich einer Messstation entstehe. Landwirtschaft hat enorm dazugelernt Die Landwirtschaft habe in der Vergangenheit bei der Düngung durchaus auch Fehler gemacht, räumt Beringmeier im Gespräch mit nw.de ein, aber man habe enorm dazugelernt. Viele Verbesserungsmaßnahmen bräuchten eben fünf bis zehn Jahre, um bei der Grundwasserqualität durchzuschlagen. Darauf scheint die EU-Kommission nicht warten zu wollen. Brüssel macht Druck auf Deutschland, das Düngerecht abermals zu verschärfen. Schon seit Sommer 2017 gelten für die Landwirte strengere Regeln, Obergrenzen für Stickstoff etwa und längere Düngeverbote. Doch die Vorschriften sind dem Umweltkommissar „nicht ehrgeizig" genug, wie es heißt. Es drohten Strafzahlungen. Nun diskutiert die Bundesregierung weitere Verschärfungen. BUND: Zu viele Tiere auf zu wenig Raum Tatsächlich ist das Grundwasser in Deutschland an zu vielen Stellen mit Nitrat belastet. Etwa 18 Prozent der Messstellen weisen Nitratgehalte über dem Grenzwert von 50 mg je Liter auf, in landwirtschaftlich geprägten Regionen werden die Grenzwerte an einem knappen Drittel der Messstellen überschritten. Gefürchtet wird bei der Aufnahme von Nitrat ein erhöhtes Krebsrisiko. Ursächlich ist der von Naturschützern und auch der EU-Kommission kritisierte übermäßig Einsatz von Gülle, die bei der Tierhaltung anfällt und durch ihren Stickstoffgehalt den Pflanzen beim Wachsen helfen soll. Der BUND prangert an, es würden einfach zu viele Tiere auf zu wenig Raum gehalten. Die Menge des Viehs müsse wieder so reduziert werden, dass sie zur Fläche passt, auf der der Landwirt Dünger ausbringen kann.

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