Viele Schülerinnen und Schüler reagieren mit Müdigkeit und Gereiztheit auf die Zeitumstellungsphasen. Der frühere Schulbeginn ist ohnehin umstritten. - © picture alliance
Viele Schülerinnen und Schüler reagieren mit Müdigkeit und Gereiztheit auf die Zeitumstellungsphasen. Der frühere Schulbeginn ist ohnehin umstritten. | © picture alliance

EU-Pläne Ende der Zeitumstellung: Schulbeginn könnte sich nach hinten verschieben

Das EU-Parlament will ein Aus der Zeitumstellung im Jahr 2021. Eine dauerhafte Sommerzeit könnte Folgen für Schüler haben

Noah Matzat
25.03.2019 | Stand 25.03.2019, 12:55 Uhr

Brüssel. Nach Plänen des EU-Parlaments sollen die Uhren 2021 zum letzten Mal umgestellt werden. So will es das Parlament am Dienstag beschließen. Nach diesem Plan würde in der gesamten EU am 28. März 2021 letztmalig auf die Sommerzeit umgestellt. EU-Staaten, die sich statt für die Sommerzeit für die Winterzeit, die eigentliche Normalzeit, entscheiden wollen, würden die Uhren im Herbst 2021 noch letztmals geändert. Danach wäre der halbjährige Wechsel für die EU-Staaten unzulässig. Das Parlament kann über die Zeitreform nicht allein entscheiden, es muss sich mit dem EU-Rat der Mitgliedstaaten verständigen. Die zuständigen EU-Minister haben zwar noch keine Entscheidung getroffen – aber das Jahr 2021 haben sie bei ersten Beratungen auch von sich aus angepeilt. EU-Kommissarin bringt späteren Schulstart ins Gespräch Die EU-Staaten tun sich mit der Entscheidung, ob Sommer- oder Winterzeit gelten soll, weiter schwer. Als Hilfe zur Entscheidung bringt die EU-Kommission eine ungewöhnliche Idee ins Gespräch: Danach könnte in EU-Staaten, in denen bald dauerhaft Sommerzeit gilt, der Schulunterricht später beginnen. „Die Anpassung des Beginns und des Endes der Schulaktivitäten an die Variationen des verfügbaren Tageslichts" sei eine mögliche Maßnahme, um Risiken für die Straßenverkehrssicherheit zu bekämpfen, heißt es in einem Schreiben von EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc, wie die WAZ berichtet. Dunkelheit auf dem Schulweg Wird die Zeitumstellung abgeschafft, geht die Sonne im Winter erst um etwa 9.30 Uhr auf. Das berge auf dem morgendlichen Schulweg eine Gefahr für die Schüler. Laut Bulc sei eine mögliche Lösung eben ein veränderter Schulstart. Dafür wäre allerdings nicht die EU, sondern die Mitgliedsstaaten und in Deutschland die Länder zuständig. Der Deutsche Lehrerverband übt Kritik an einer Verschiebung des Unterrichtsstarts. Für berufstätige Eltern würde eine Verschiebung schwer zu organisieren sein, weil Schulbeginn und Berufsbeginn zeitlich nicht mehr zusammenpassen würden. Zeitumstellung belastet Kinder am meisten Die Schulen müssten zudem flächendeckend auf verpflichtenden Nachmittagsunterricht umstellen, um auch bei einem späteren Schulbeginn auf die vorgeschriebene Regelstundenzahl zu kommen. Das heißt, dass es auch eine Mittagspause und Mittagessen geben muss. „Darauf sind viele Schulen überhaupt nicht eingestellt", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. Die Kaufmännische Krankenkasse hat zu diesem Thema eine Umfrage beauftragt. Das Marktforschungsinstitut Forsa hat 1.003 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren im März 2019 repräsentativ befragt. Das Ergebnis: Durch das halbjährliche Umstellen der Zeit werden vor allem Kinder belastet. Schlafverhalten wird beeinflusst Jede zweite aller befragten Familien mit Kindern bis zwölf Jahre spürt demnach in den Tagen nach der Zeitumstellung Auswirkungen auf das eigene Schlafverhalten – gerade, wenn wie jetzt, die Uhr um eine Stunde auf Sommerzeit vorgestellt wird. So sagten 39 Prozent der Mütter und Väter, dass ihr Kind abends schlechter einschlafen kann. Von den befragten Erwachsenen zwischen 18 und 70 Jahren gab dies nur jeder Siebte an. Laut 38 Prozent der Eltern hat der Nachwuchs in den Tagen nach der Zeitumstellung morgens Probleme aufzustehen. Bei den Erwachsenen sagten dies hingegen nur 30 Prozent. Jedes vierte Kind und jeder fünfte Erwachsene sind außerdem in Folge der Zeitumstellung tagsüber gereizt oder müde.

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