Greta Thunberg hat eine ganze Protestbewegung von Schülern in Bewegung gesetzt. Sie ist die Schlüsselfigur der "fridays for Future" Aktion - © picture alliance / ZUMAPRESS.com
Greta Thunberg hat eine ganze Protestbewegung von Schülern in Bewegung gesetzt. Sie ist die Schlüsselfigur der "fridays for Future" Aktion | © picture alliance / ZUMAPRESS.com

Fridays for Future Wie die Schülerin Greta Thunberg gegen die Apokalypse kämpft

Warum die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg so erfolgreich ist

Stockholm. Wer Greta Thunberg beobachtet, mag verwundert sein über das kleine Mädchen mit den langen Zöpfen. Es ist erstaunlich, dass diese 16-jährige Schülerin aus Schweden mit ihrem handgemalten Schild („Schulstreik für das Klima") eine internationale Protestbewegung ausgelöst hat und jetzt sogar für den Friedensnobelpreis nominiert wird. Diese entwickelt inzwischen einen beträchtlichen Sog. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar wurde Thunberg schon von Christine Lagarde begrüßt, der Chefin des Internationalen Währungsfonds. Am Freitag wollen Schülerinnen und Schüler an hunderten Orten den Unterricht boykottieren und stattdessen für eine wirksame Politik gegen den Klimawandel demonstrieren. Ähnliche Aktionen soll es in angeblich 50 Staaten der Erde geben. Und am Dienstag erklärten mehr als 12.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, dass sie die Anliegen der jungen Leute unterstützen. David-gegen-Goliath-Motiv Für diesen Erfolg mag der Eindruck der Verletzlichkeit eine Rolle spielen: die kleine Greta gegen die große Politik. Das David-gegen-Goliath-Motiv erzeugt Solidarisierung. Gleichzeitig ist die junge Frau intuitiv professionell im Umgang mit Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sie spitzt ihre Aussagen gnadenlos zu und polarisiert. Anfangs leise und schüchtern, haut sie, wenn sie in Fahrt kommt, in bestem Englisch, kurze, klare, harte Sätze raus. Diese Thunberg-Botschaften klingen so: „Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will Eure Hoffnung nicht." Oder: „Ich will, dass Ihr in Panik geratet, dass Ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre." Sie begründet: „Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht." Greta und ihre Mitstreiter verweigern sich dem System Thunberg konstruiert einen Gegensatz von Schwarz und Weiss. Entweder die erwachsenen Politiker beenden den Ausstoß klimaschädlicher Abgase, oder es kommt der Jüngste Tag. Sie spricht in einem apokalyptischen Ton und inszeniert eine enorme Dringlichkeit, was radikal und attraktiv wirkt. Dabei hat Thunberg ihr Anliegen ja nicht aus der Luft gegriffen. In ihrer Erklärung betonen die Wissenschaftler: „Nur wenn wir rasch und konsequent handeln, können wir die Erderwärmung begrenzen, das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten aufhalten und eine lebenswerte Zukunft gewinnen." Thunberg und ihre Mitstreiter reden aber nicht nur. Sie riskieren etwas, verweigern sich dem System, indem sie an einem Tag der Woche den Unterricht bestreiken. Sie demonstrieren eine gewisse Macht, üben Druck aus. Das wirkt mobilisierend. Darüber ärgern sich Politiker und Lehrer. Aber sie werden gezwungen, Stellung zu beziehen. Diese Dynamik bewirkt augenblicklich, dass die Bewegung wächst. Irgendwann wird sie das vermutlich nicht mehr tun. Man darf gespannt sein, was den Schülerinnen und Schülern dann einfällt, um den Konflikt virulent zu halten.

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