Klima-Protest in Lemgo. - © Lorraine Brinkmann
Klima-Protest in Lemgo. | © Lorraine Brinkmann

Bielefeld Das sind die Gesichter von Fridays for Future in OWL

Überall in Ostwestfalen-Lippe organisieren Schüler kleine und große Aktionsgruppen. Wir stellen sie vor



Bielefeld. In kurzer Zeit hat es ein schwedisches Mädchen geschafft, tausende Schüler auf der Welt für den Klimaschutz zu sensibilisieren. Die Wut und Trauer über die aus ihrer Sicht unverantwortliche Klimapolitik regierender Politiker treibt die Jugendlichen auf die Straße. Schon seit Wochen ist bekannt, dieser 15. März soll historisch werden. So viele Schüler wie nie zuvor wollen bei den Fridays-for-Future-Protesten teilnehmen. Auch in OWL formieren sich die Anhänger der „Generation Greta": Simon Erichsen (17), Bielefeld: „Politisch interessiert bin ich schon immer gewesen", sagt Simon Erichsen, Schüler am Oberstufen-Kolleg. Aber engagiert in einer Umweltschutzorganisation oder Partei, nein, das habe ihn nie überzeugt. Dann kam Greta und Erichsen gründete mit sieben anderen Jugendlichen eine lokale Fridays-for-Future-Gruppe. Die erste Demo am 18. Januar sollte nur der Anfang sein. Inzwischen kommen auch aus anderen Städten Schüler nach Bielefeld. „Greta hat uns vor Augen geführt, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens nie erreicht werden, wenn nicht endlich jemand Druck ausübt", sagt der 17-Jährige. „Wir müssen auf die Straße gehen. Alles andere würde sich falsch anfühlen." Laetitia Wendt (18), Paderborn: In Sachen Klimastreik hat Paderborn die Nase weit vorn. Laetitia Wendt muss inzwischen schon mit zwei Whats-App-Gruppen jonglieren. Eine Chat-Gruppe fasst 256 Leute – zu wenig für die vielen Interessierten im Hochstift, oder wie die Gymnasiastin sagt, „ein Zusammenschluss wütender Jugendlichen, die jetzt mit einer Stimme sprechen". Zweimal hat die 18-Jährige mit Freunden den Demozug angeführt – „nicht jede Woche", damit die Lehrer, die das Anliegen unterstützen, nicht in Bedrängnis kommen. Wendt fordert eine Besteuerung für Kerosin, damit Fliegen wieder teurer und unattraktiver wird. „Es reicht nicht mehr, zuhause unsere Biogurken zu essen, wir müssen mehr tun." Maria Wöstmann (18), Halle: Jede Stunde Klima-Streik kostet Maria Wöstmann eine unentschuldigte Fehlstunde und eine sechs für die mündliche Beteiligung. Am Kreisgymnasium Halle gibt es kein Verständnis für den Protest. Wöstmann lässt sich davon nicht abschrecken und hat schon eine Demo mit 80 Teilnehmern organisiert. Auch, weil jeder Ausflug nach Bielefeld die Jugendlichen zehn Euro kostet. „Bus und Bahn müssen endlich attraktiver werden", fordert Wöstmann. Das würde neben einem schnelleren Kohleausstieg wirklich helfen. Darleen Rinz (18), Extertal: „Es geht um nicht weniger als die Zukunft des Planeten", sagt Darleen Rinz aus dem lippischen Extertal. Die 18-Jährige zeigt seit Monaten Flagge – bislang in größeren Städten. Zusammen mit 14 Freunden hat sie jetzt die erste Kundgebung in Lemgo organisiert. Fridays for Future nimmt auch im Kleinen Fahrt auf. Johanna Brand (16), Detmold: „Ich spüre, dass etwas Machtvolles in Bewegung gesetzt wird", sagt Johanna Brand. „Wir sind die letzte Generation, die noch etwas ändern kann." Die Schülerin fordert einen Wandel in der Bildungspolitik. Sie verzichteten zwar auf Unterricht, lernten aber Wesentliches für ihr Leben. Michelle Beste (18), Gütersloh: Zum ersten Mal demonstrieren heute auch die Gütersloher Schüler. Initiatorin Michelle Beste hat große Hoffnungen: „Ich wollte den Gedanken des Klimaschutzes in eine weitere Stadt bringen, da Gütersloh immerhin 100.000 Einwohner hat und jede einzelne Person, die auf die Problematik aufmerksam macht, etwas bewirken kann." Phöbe Schröder (19), Hiddenhausen: Etwas bewirkt hat Phöbe Schröder bereits. In Hiddenhausen, einer Gemeinde aus etlichen kleinen Dörfern im Kreis Herford, glaubte zuerst niemand an den Erfolg einer lokalen Fridays-for-Future-Aktion. Die 19-Jährige belehrte die Kritiker, organisierte zwei Demos, wurde danach von etlichen Parteien zum Gespräch geladen und durfte sogar im Umweltausschuss sprechen. Das Ergebnis: Hiddenhausen will sich jetzt verpflichtende Klimaschutzziele geben. Schröders nächster Traum: „Dass ich auch in ländlichen Gebieten mit dem Nahverkehr überall hinkomme, ohne das Auto benutzen zu müssen."

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