Junge muslimische Frauen flaniert durch die Fussgängerzone. Laut Integrationsbarometer sind Migranten in NRW sehr gut integriert - © picture alliance / Winfried Rothermel
Junge muslimische Frauen flaniert durch die Fussgängerzone. Laut Integrationsbarometer sind Migranten in NRW sehr gut integriert | © picture alliance / Winfried Rothermel

Düsseldorf Viele Türken fühlen sich diskriminiert

Wissenschaftler haben erstmals ein Integrationsbarometer für NRW erstellt. Das Klima ist zwischen Weser und Rhein besser als in ganz Deutschland.

Düsseldorf. Das Integrationsklima in NRW ist trotz aller Belastungen durch die Flüchtlingskrise 2015/16 nach wie vor gut, sogar besser als im Bundesschnitt. Auch geht die Zahl der Migranten, die von erlebter Benachteiligung berichten, zurück. 2015 waren es noch 42,4 Prozent, bei der Befragung Ende 2017/Anfang 2018 waren es 34,9 Prozent. Zunehmende Probleme gibt es offenbar nur für die Gruppe der Türkeistämmigen. Insbesondere diejenigen der zweiten Generation klagen über Diskriminierung wegen ihrer Herkunft (34,6 Prozent). In der ersten Generation sind es nur 19,3 Prozent. Insgesamt allerdings gehen die Erfahrungen mit Benachteiligungen wegen der Herkunft zurück. In der aktuellen Befragten antworteten noch 12,2 Prozent der Befragten, dass sie „eher stark" oder „sehr stark" diskriminiert würden. Alle diese Zahlen gehen aus dem Integrationsbarometer des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen hervor. Erstmals haben die Wissenschaftler aus ihrem Datenmaterial für das Düsseldorfer Integrationsministerium eine Sonderauswertung für NRW erstellt. Bundesweit wurden zwischen Juli 2017 bis Januar 2018 9.300 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund befragt, darunter 1.550 aus NRW, erläuterte Thomas K. Bauer, der Vorsitzende des Sachverständigenrats. Türkeistämmige haben weniger Kontakt zu Deutschen Die Sonderstellung der Türkeistämmigen unter den Migranten wird auch noch in anderen Zahlen deutlich, zum Beispiel bei Kontakten im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz. So hätten die Türkeistämmigen beispielsweise signifikant weniger Kontakt zu Deutschen im Freundes- und Bekanntenkreis – nur 55,5 Prozent beantworteten diese Frage mit „sehr oft" oder „oft". Bei den Personen mit Spätaussiedlerstatus seien es dagegen 84,8 Prozent, bei denen mit Wurzeln in einem anderen EU-Staat 82,6 Prozent, so Bauer. Ähnliche Unterschiede zeigten sich bei den Kontakten am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft. Unterschiede zwischen den Türkeistämmigen und anderen Migrantengruppen gibt es auch bei der Einschätzung der eigenen Deutschkenntnisse. 85,9 Prozent der Befragten türkischer herkunft bewerten ihre deutschen Sprachkenntnisse als „gut" oder „sehr gut". Bei Zuwanderern aus der EU beziehungsweise bei Spätaussiedlern liegt dieser Anteil deutlich höher (93,2 und 96,4 Prozent). Personen mit türkischem Migrationshintergrund hätten häufiger keinen Schulabschluss oder seltener Abitur als Spätaussiedler oder Zuwanderer aus EU-Ländern, heißt es in der Studie des Sachverständigenrats. Viele Türken fühlen sich NRW verbunden Zu den signifikanten Faktoren von Integration zählt auch das Zugehörigkeitsgefühl der Migranten. Rund 42 Prozent der Befragten fühlen sich ihrem Herkunftsland und Deutschland gleichermaßen verbunden. Etwa gleich viel fühlen sich ausschließlich Deutschland verbunden. Nur etwa sieben Prozent fühlen sich ausschließlich dem Herkunftsland verbunden. Das Zugehörigkeitsgefühl bezieht sich aber nicht nur auf ganz Deutschland, sondern auch auf Nordrhein-Westfalen und die Heimatstadt. Immerhin fast 85 Prozent der Migranten fühlen sich NRW zugehörig und sogar fast 87 Prozent ihrer Heimatstadt. Vor allem die Mehrheitsbevölkerung, als die Menschen ohne Migrationsgeschichte, empfinden das Integrationsklima in NRW besser als in ganz Deutschland. „Das hängt mit der Gewöhnung zusammen: In NRW ist kulturelle Vielfalt viel stärker im Alltag verankert als beispielsweise im Osten Deutschlands", heißt es in der Studie.

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