Ein Schild mit der Aufschrift "Reserviert" steht auf einem Tisch in einem Restaurant in Hamburg. Einen Tisch reservieren und dann ohne abzusagen doch nicht hingehen - das ist ein zunehmendes Ärgernis unter Gastronomen - © picture alliance / Marcus Brandt/dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "Reserviert" steht auf einem Tisch in einem Restaurant in Hamburg. Einen Tisch reservieren und dann ohne abzusagen doch nicht hingehen - das ist ein zunehmendes Ärgernis unter Gastronomen | © picture alliance / Marcus Brandt/dpa

Kieler Förde Restaurant reserviert nur noch mit Kreditkarte

Immer weniger Gäste sagen Tische ab, wenn sie nicht kommen. Restaurants entstehen horrende Verluste

Heikendorf. Wer an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit in einem bestimmten Restaurant speisen möchte, der sollte reservieren. So kann der Gast wie auch der Gastronom besser planen. Ein Restaurant in der Kieler Förde stellte jedoch in der Vergangenheit vermehrt fest, dass zur angegebenen Reservierung zwar der Tisch für die entsprechende Personenzahl parat stand, jedoch entweder niemand oder deutlich weniger Gäste kamen und will sich den Verlust künftig bezahlen lassen. "Leider werden wir darüber meist erst informiert, wenn der Kunde da ist. Dann sind immer plötzlich ein paar Menschen erkrankt", sagt Conni vom Strandrestaurant Kiek ut in Heikendorf. Das sei nicht nur ein paarmal vorgekommen, sondern in den vergangenen zwei Jahren geradezu zu einer Marotte geworden. Besonders krass ist es, wenn die Gäste gar nicht kommen und das nicht nur in die eine Gastronomie. "Wir stehen ja auch in engem Austausch mit den anderen Restaurants hier. Immer wieder bestellten Gäste in mehreren Restaurants Tische und entscheiden dann spontan am Tag, wo sie hingehen", so Connie. Buchung nur mit Kreditkarte Dagegen will man im Restaurant Kiek ut nun vorgehen. Das Team denkt über die Einführung eines Buchungssystems nach Hamburger Vorbild nach. Dabei werden nicht oder nicht rechtzeitig erfolgte Absagen berechnet. Für eine Reservierung ab fünf Personen müssen nun künftig die Kreditkartendaten angegeben werden. Eine Probebuchung zur Verifizierung belastet die Karte dann mit einem Cent. Findet die Reservierung wie besprochen statt, gibt's den Cent zurück. Das selbe gilt für Buchungen, die mindestens 48 Stunden vor dem Termin geändert oder storniert werden. Wer jedoch danach bis mindestens 24 Stunden vor der vereinbarten Zeit anruft, die Zahl der Personen ändert oder ganz storniert, der muss für jede gebuchte Person 15 Euro zahlen. Der Betrag wird dann von der Kreditkarte eingezogen. 20 Euro pro nicht erschienenem Gast Passiert das, was inzwischen Alltag im Restaurant ist, nämlich dass sich die Gäste weder melden um anzusagen, noch auftauchen oder mit deutlich geringerer Zahl an Gästen kommen, so wird pro Person ein Betrag von 20 Euro berechnet. Alternativ geht das auch mit einer Kopie des Personalausweises und dann per Rechnung. "Es ist vielleicht nicht der richtige Weg. Aber wir müssen uns gegen diese veränderte Mentalität wehren", sagt Connie und erzählt, dass Hamburger Gastronome mit diesem System gute Erfahrungen gemacht hätten. Auch das Feedback auf den Facebookpost mit der Ankündigung ist bislang positiv. "Die meisten Leute können es nachvollziehen. Es geht uns dabei auch nicht so sehr um die finanzielle Sache, sondern vielmehr darum, auf diese Problematik aufmerksam zu machen", so die Gastronomin. Restaurants planen mit Reservierungen Denn vor allem kleinere Läden seien von dem Problem betroffen. Im Kiek ut seien die Stellmöglichkeiten von Tischen zum Beispiel bedingt. Für die reservierten Tische wird der Gastraum ganz neu arrangiert. Kommen dann vier statt acht Personen ist ein Umrangieren nicht so einfach. Hinzu kommt die Tatsache, dass anderen Gästen ein Platz verwehrt wurde und sie wieder weggeschickt wurden. "Wir haben noch Glück mit Laufkundschaft, da wir direkt am Wanderweg liegen. Aber um Weihnachten war es auch hier sehr extrem", sagt Connie und erzählt vom zweiten Weihnachtsfeiertag. Angekündigt war eine Gruppe mit 18 Personen. Die Gastronomin hatte für sie Tische gestellt, eingedeckt und dekoriert. Und natürlich hatte sich auch die Küche und die gesamte Personalplanung an der Zahl der reservierten Tisch orientiert. Statt 18 Personen kamen acht. "Und die erklärten uns dann auch noch, dass wir dankbar sein sollten, dass sie überhaupt gekommen seien." Am ersten Weihnachtsfeiertag kam das Restaurant in Heikendorf sogar auf insgesamt zwei Stornierungen und 15 nicht erschienenen Personen. "Es geht uns nicht um den Einzelfall. Falls mal eine Person erkrankt - okay. Aber das ist echt zu einer Masche geworden", ärgert sich Connie. Gästen empfehlt sie lieber weniger zu reservieren, falls man sich nicht sicher sei. Es ist nämlich einfacher für die Gastronomen Stühle hinzuzustellen. Denn mit einer generellen Überbuchung könne das Kiek ut nicht arbeiten: "Was würden wir tun, wenn alle kommen? Dann haben wir ein Problem." Auch bei dem Hotel und Gaststättenverband Dehoga hat man die Zunahme der reservierten und nicht wahrgenommenen Tische bemerkt. Das Vorgehen der Gastronomen aus Heikendorf kann man dort gut nachvollziehen. Schließlich haben die Kollegen aus Hamburg bereits sehr gute Erfahrungen damit.

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