Die NRW-Landesvorsitzenden der Grünen, Mona Neubaur und Felix Banaszak, im Gespräch mit unserem Korrespondenten Florian Pfitzner in Düsseldorf. - © ROBERTO PFEIL
Die NRW-Landesvorsitzenden der Grünen, Mona Neubaur und Felix Banaszak, im Gespräch mit unserem Korrespondenten Florian Pfitzner in Düsseldorf. | © ROBERTO PFEIL

Nordrhein-Westfalen Geläuterte Grüne im Angriffsmodus

Die Landesvorsitzenden der nordrhein-westfälischen Grünen, Mona Neubaur und Felix Banaszak, erklären den Höhenflug ihrer Partei mit einem neuen Stil. Die Mitgliederzahlen in NRW sind im Vorjahr hochgeschossen

Düsseldorf. Die einen seien gelb vor Neid, andere rot vor Wut oder ärgerten sich schwarz über den Höhenflug der Grünen, hieß es gerade in einer großen Sonntagszeitung: Bis zu 37 Prozent der Deutschen könnten sich laut einer Umfrage vorstellen, bei der nächsten Bundestagswahl für die Ökopartei zu stimmen. In NRW traut man den Mutmaßungen über die Möglichkeit einer „neuen Volkspartei" nicht so ganz. Dafür seien die Momentaufnahmen zu flüchtig. Dabei könnte sich der größte Landesverband der Grünen über seine Mitgliederzahlen freuen. Mit einem Anstieg von rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stehen die Grünen derzeit nah an der 15.000-Marke – dem höchsten Wert ihrer Landesparteigeschichte. Sogar nach der der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 sei der Zuwachs kaum halb so hoch ausgefallen. Grünen-Chefin Mona Neubaur erklärt den Zuspruch mit dem Stil der Parteiführung. Sie habe einen „neuen Habitus" ausgemacht, sagt sie in Düsseldorf. Annalena Baerbock und Robert Habeck, seit Anfang 2018 Bundesvorsitzende der Grünen, verkörperten Frische und Modernität. Schluss mit den Belehrungen Das neue Selbstverständnis der Partei sei eines, das „nicht mehr belehrt", sondern das versuche, „Menschen in ihren Alltagssorgen ernst zu nehmen, Respekt vor anderen Meinungen zu haben", erklärt Neubaur. Statt sich unnötig an Gegnern aufzureiben und sich zu lange mit Problembeschreibungen aufzuhalten stelle man Lösungen nach vorne. In den rot-grünen Regierungsjahren hat das manchmal anders ausgesehen. Im Wahljahr 2017 setzte es eine herbe Niederlage. Mit 6,4 Prozent halbierte die Partei ihr vorangegangenes Ergebnis. Die Grünen mussten auf zahlreichen Politikfeldern hohe Verluste bei den Kompetenzzuschreibungen hinnehmen; die frühere NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann zog sich zurück aus der Politik. Man spricht wieder über Schulpolitik Nun wirkt die Partei erholt – und sie traut sich wieder, über Schulpolitik zu sprechen. Der Ko-Landesvorsitzende Felix Banaszak formuliert die Ansprüche seiner Partei so: „Wir wollen Bildung für das 21. Jahrhundert neu buchstabieren." Ihm gehe es um eine Vorbereitung des Bildungssystems auf technologische, gesellschaftliche und ökonomische Umbrüche. Zu großer Zahl würden Kinder, die heute zur Schule gehen, „später einmal in Berufen arbeiten, die wir noch gar nicht kennen". Damit einher geht die Selbstbestimmung im Internet. Globalen Konzernen gehörten klare Grenzen aufgezeigt, sagt Neubaur. Städte und Gemeinden lieferten längst schöne Angebote: Es sei „einzigartig", wie man es in Paderborn geschafft habe, die kommunale Datenverwaltung mit dem analogen Bürgeramt in das digitale Zeitalter zu überführen. Vernetzten sich gleich mehrere solcher Städte, könnten sie ein Gegengewicht bilden zu der Macht von Facebook und Co. Aus der Welt der sozialen Netzwerke hat sich Grünen-Chef Habeck zurückgezogen. Neubaur findet die Entscheidung nachvollziehbar – wenngleich sie sich gefragt habe, „ob es nichts Wesentlicheres gibt, worüber man berichten kann".

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