Schick verpackt: Auto in Packpapier. - © Carmen Jaspersen/picture alliance/dpa
Schick verpackt: Auto in Packpapier. | © Carmen Jaspersen/picture alliance/dpa

Kurios Falschparker in Packpapier gehüllt

Ein Auto eingepackt als Geschenk - in Bremen wollen Bürger damit auf Falschparker aufmerksam machen.

11.01.2019 | Stand 12.01.2019, 09:59 Uhr

Bremen (dpa). Aus Protest gegen Falschparker haben Aktivisten in Bremen ein Auto vollständig in Packpapier eingewickelt. „Das eine Auto steht symbolisch für die Situation in diesem Viertel", sagte Philipp Bruck von der Bürgerinitiative „Platz Da!". Mit Blick auf die Reihe von Fahrzeugen, die halb auf dem Gehweg stand, sagte er: „Alle Autos müssten eigentlich bei der Polizei angezeigt und abgeschleppt werden." Die Initiative will darauf aufmerksam machen, wie viele Menschen ihre Fahrzeuge unerlaubt etwa auf Geh- und Radwegen parken. Mitunter versperren sie auch der Müllabfuhr den Weg, im schlimmsten Fall behindern sie einen Rettungswagen. Die Parksituation ist nicht nur in Bremen ein Problem. Auch im Nachbarbundesland Niedersachsen fallen Falschparker vielerorts negativ auf, wie eine dpa-Umfrage ergab. Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, kommt sich in vielen Innenstädten zuweilen wie auf einem Hindernisparcours vor. Dass Falschparker Fuß- und Radwege blockieren, sei in vielen Fällen nicht nur lästig, sagte Wolfgang Köhler-Naumann von der Initiative „Platz Da!" in Bremen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl sei oft kein Durchkommen mehr, für Kinder werde das Überqueren von Straßen zum Risiko. Das soll ein freundlicher Hinweis sein „Das soll ein freundlicher Hinweis sein", sagte Köhler-Naumann mit Verweis auf die Einpack-Aktion. Doch dabei will es die Initiative nicht belassen: Im vergangenen November hat sie einen Bürgerantrag auf den Weg gebracht, den bereits mehr als 1000 Menschen unterschrieben haben. „Es geht darum, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer in der Stadt zu schaffen", erläutert Köhler-Naumann. Sollten 4000 gültige Unterschriften von Einwohnern ab 16 Jahren zusammengekommen, muss sich die Bremer Stadtbürgerschaft mit dem Thema beschäftigen. Die Initiative will den Antrag voraussichtlich im Spätsommer der neuen Landesregierung übergeben. In Hannover gibt es ähnliche Probleme mit Falschparkern. Dass Autos Rettungszufahrten zuparkten, komme zwar eher selten vor, sagte Stadtsprecher Udo Möller. Dass Autofahrer Gehwege und andere Flächen wegen fehlender Parkplätze zustellen, nehme dagegen zu. „Eine Ursache dafür, dass sich das Parkplatzproblem verstärkt, ist sicher auch, dass sehr viele der heutigen Fahrzeuge größer sind als noch von etwa zehn Jahren", erläuterte Möller. Die Stadt verhängt gegen die Parksünder in der Regel Bußgelder. Abschleppen lässt sie diese nur bei unmittelbarer Gefahr oder wenn diese Rettungswege blockieren. Um das Problem mit den Falschparkern langfristig zu lösen, will die Stadt den öffentlichen Nahverkehr weiter fördern, die Situation für Radfahrer verbessern und die Parkplätze in den Stadtteilen ausbauen. Im Stadtgebiet Osnabrück werden jährlich zwischen 75.000 und 80.000 Halt- und Parkverstöße festgestellt, wie die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung auf dpa-Nachfrage mitteilte. Die tatsächliche Anzahl der Verstöße dürfte deutlich höher sein, sagte Sandra Solf. Falschparker versperrten Rad- und Gehwege und behinderten die Müllabfuhr. Wer erwischt wird, bekomme ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit. Die Zahl der abgeschleppten Autos lag 2018 bei 608. Um Menschen den Umstieg vom Auto oder Fahrrad auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern, setzt Osnabrück unter anderem auf Park-and-Ride-Plätze. Politik unternimmt zu wenig Nach Ansicht der Bremer Bürgerinitiative unternimmt die Politik bisher zu wenig gegen Falschparker. 2014 hatte die Bürgerschaft einen Verkehrsentwicklungsplan verabschiedet, in dem es heißt: „Bremen setzt ein Programm um, bei dem das illegale Parken von Autos erschwert wird und die Fuß- und Rettungswege freigehalten werden." Die Politik habe das Problem zwar erkannt, Maßnahmen ließen aber auf sich warten, sagte Köhler-Naumann. Mit dem Bürgerantrag will die Initiative diese nun zum Handeln bringen. Konkret fordert sie: mehr Falschparker abschleppen, mehr Personal für Kontrollen und mehr Investitionen in den Fuß- und Radverkehr.

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