Schneechaos in Süddeutschland: Kein Wiederspruch zur Erderwärmung - © picture alliance / NurPhoto
Schneechaos in Süddeutschland: Kein Wiederspruch zur Erderwärmung | © picture alliance / NurPhoto

Klimaforscher Mojib Latif Schnee-Massen in Bayern: Auch das ist der Klimawandel

Kieler Analytiker Mojib Latif sieht längere anhaltende extreme Wetterlagen als Folge eines „schwächelnden Jetstreams“. Was jetzt zu tun ist

Bielefeld/Hamburg. Hunderte E-Mails bekomme er in diesen Tagen, sagt der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif im Gespräch mit nw.de. „Das soll also die Erderwärmung sein?", heiße es da häufig spöttisch mit Verweis auf die Schneemassen im Süden Bayerns und in Österreich. Dabei spreche die aktuelle Lage überhaupt nicht gegen die Erderwärmung, so der Experte. Im Gegenteil. Das vergangene Jahr 2018, das insgesamt wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, sei ja in einen relativ milden Winter übergegangen, so Latif. „Wir haben ja eher Herbstwetter." Aber es schneie an der Nordseite der Alpen, wo die sehr feuchte Luft aufsteige, eben auch bei milderen Temperaturen. „Und dann haben wir diesen nassen, schweren Schnee, der ganz eigene Probleme und Gefahren mit sich bringt, diese Last an den Hängen, auf Bäumen und Dächern." Längere Perioden durch "Schwächeln des Jetstreams" Kennzeichnend sei dabei – wie auch bei der stabilen Hitze im Sommer – die lange Dauer der extremen Wetterperioden. Unter Klimaforschern werde noch gestritten, viele Analytiker machten aber ein „Schwächeln des Jetstreams" für die längere Dauer der Wetterlagen verantwortlich. Und das mache Sorgen: „Die Arktis erwärmt sich, die Temperaturunterschiede zum Rest der Welt werden geringer, darum bleibt die früher kräftigere Ost-West-Strömung mit entsprechender Kälte aus", erklärt der Kieler Forscher. Sie werde häufiger ersetzt durch stabilere Strömungsschlaufen, die für länger anhaltende Wetterlagen sorgten. Kein Grund für Entwarnung also und kein Grund im Kampf gegen die Erderwärmung nachzulassen, meint Latif. Wichtigste Maßnahme ist für ihn der Kohleausstieg, „aber die Kohlekommission kommt ja nicht zu Potte", schimpft er. Er hoffe auf die Kanzlerin, sagt Latif direkt. „Vielleicht kann sie ja noch einmal richtig Druck machen, jetzt, wo sie bald aufhört."

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