Mahlzeit: In Gymnasien gibt es nach der 6. Stunde eine verpflichtende Mittagspause. das könnte sich ändern. - © picture alliance / dpa
Mahlzeit: In Gymnasien gibt es nach der 6. Stunde eine verpflichtende Mittagspause. das könnte sich ändern. | © picture alliance / dpa

Düsseldorf Pflicht zu Mittagspause in Gymnasien könnte kippen

Schulministerin prüft auf Bitten der Schulen und Lehrer Neuregelung - Eltern sehen das kritisch

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) prüft die Abschaffung der verpflichtenden einstündigen Mittagspause an Gymnasien. „Viele Schulen haben den Wunsch an mich herangetragen, ob es ermöglicht werden könnte, die Mittagspause zu streichen, wenn es nur noch eine siebte Stunde am Nachmittag gibt", sagte Gebauer der Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post" (Freitag). Während der Philologen-Verband dies als Erleichterung für viele Gymnasien und ihre Schülerschaft wahrnimmt, sehen Eltern den Vorstoß kritisch. Meist nur sechs Stunden Unterricht Bei den Gymnasien, die zum G9 zurückkehren, werde es im Regelfall nicht mehr als sechs Unterrichtsstunden am Tag geben, erklärt Gebauer den Hintergrund der Überlegung. Wenn sich dadurch der Nachmittagsunterricht stark reduziert, brauche es flexiblere Lösungen. „Ich möchte verhindern, dass der Schultag unnötig in die Länge gezogen wird", erklärte die Ministerin und Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbands NRW pflichtet ihr bei: "Die Schüler wären früher zuhause und die Schule hätte mehr Möglichkeit in der generellen Gestaltung der Pausenzeiten." Der Vorsitzende gehört zu einer Gruppe, die sich genau zu diesem Thema bereits vor Weihnachten mit der Ministerium zusammengesetzt hat. "Wir haben darauf gedrängt, den Schulen die Möglichkeit zu einer flexiblen und eigenständigen Entscheidung zu geben. Die Umstellung zurück zu G 9 sorgt für eine Entspannung, da ist es nicht unbedingt förderlich, wenn so eine Pflicht bestehen bleibt", sagt Silbernagel. Schulzeiten sind nach wie vor unterschiedlich  Denn nicht überall in NRW läuten um acht Uhr morgens die Schulglocken. Mancherorts beginnt die erste Stunde auch schon um viertel vor oder zehn vor acht. Für weiterführende Schulen ist es derzeit aber verpflichtens, eine Mittagspause anbieten, wenn nach der sechsten Stunde noch Unterricht stattfindet. Geregelt ist die Mittagspause per Erlass von 2015. Darin ist eine einstündige Pause vorgeschrieben, die aus organisatorischen gründen um bis zu 15 Minuten unterschritten werden darf. Das wäre mit der Änderung nicht mehr so. Der Vorsitzende des Philologen-Verbandes geht davon aus, dass die Änderung nach einer ausreichenden Prüfung so kommen werde, wie sie angestrebt ist. Mehr Freiheit für die Schulen Wo der Zwang abgeschafft wird, soll aber kein neuer entstehen. "Es wäre viel besser, wenn die Gymnasien zwischen dem gebundenen und dem offenen Ganztag wählen könnten. Ob das Sinn macht auf die Mittagspause zu verzichten, ist ebenfalls besser vor Ort zu entscheiden. Immerhin spielen auch Faktoren, wie der öffentliche Nahverkehr eine Rolle dafür", erklärt Silbernagel. Er kann sich auch vorstellen, dass die Jahrgangsstufen der Gymnasien entscheiden können, inwiefern sie den Ganztag fördern oder nicht: "Schulfreiheit ist das entscheidende Wort." Auch Gebauer betont, dass es den Schulen nicht darum gehe, „sich von einer lästigen Pflicht zu befreien". Sie folgt den Erläuterungen des Philologen-Verbandes und will den Gymnasien mehr Freiraum in der Frage geben. Sie werde „weder in die eine noch in die andere Richtung" an die Schulen appellieren, sagte sie. Sie sei überzeugt, dass vor Ort am besten entschieden werde. Es sei aber auch richtig, „dass Kinder Pausen brauchen". Konzentrationsfähigkeit fragwürdig Genau das ist auch der Apell von Dieter Cohnen, stellvertretender Vorsitzender der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW. "Ich persönlich halte es für keine gute Idee. Ich habe zwei Töchter und die brauchen ihre Pausen. Es kann für die Konzentrationsfähigkeit nicht gut sein, von der Frühstückspause um zehn Uhr bis 13 Uhr ein Fach nach dem anderen vor den Latz geknallt zu bekommen ohne eine adäquate Pause zwischendrin zu haben", so der alleinerziehende Vater. Gerade im ländlichen Raum stelle er sich dies schwierig vor, da die Kinder vor und nach dem Unterricht nicht wenig Zeit für den Schulweg aufbringen müssten. Cohnen fragt sich zudem, was im Falle eines Pausenwegfalls mit den Mensen geschehen soll, für die Schulträger viel Geld investiert haben. "Die Räumlichkeiten sind nicht so leicht umzunutzen. Das Geld wäre also in den Sand gesetzt", so der stellvertretende Vorsitzende. Er hält es für fragwürdig, dass Eltern, insbesondere berufstätige Eltern, es gut fänden, wenn sie ihre Kinder Mittags wieder unversorgt wüssten. Mit Informationen des evangelischen Pressedienstes

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