Annika Kerger mit ihrer Stute Bella und deren Fohlen - © Friderieke Schulz
Annika Kerger mit ihrer Stute Bella und deren Fohlen | © Friderieke Schulz

Kirchlengern Tierbesitzer verschenken Zeit mit ihrem Liebling

Zeit mit dem eigenen Tier verlosen ist derzeit ein großen Trend in den sozialen Netzwerken. Damit schlagen bereits in der Adventszeit die Herzen vieler Kinder höher

Friderieke Schulz

Kirchlengern. Der Facebookfeed ist voll davon: Viele Leute verlosen im Moment Zeit mit ihren Haustieren. Vor allem Hunde und Pferde spielen eine große Rolle. Den Spendern geht es dabei um nichts Materielles, nicht um Reichweitenoptimierung oder die Bewerbung einer Marke, sondern schlichtweg um Zeit. Zeit mit ihrem Haustier. In der Weihnachtszeit bieten sie diese den Menschen an, die keine Zeit oder kein Geld für einen eigenen Hund oder ein eigenes Pferd haben. Auf den ersten Blick wirken diese Verlosungen wie viele andere. Wer sich für die Zeit mit dem Pferd oder dem Hund interessiert kommentiert das entsprechende Foto mit den Gründen warum er oder sie das unbedingt gewinnen muss, anschließend wird der Gewinner ausgelost und schon kann das besondere Treffen stattfinden. Denn statt tief in die Tasche zu fassen und Produkte zu verlosen, greifen viele Tierbesitzer die eigenen Zeitressourcen an und nehmen es mit der Nächstenliebe mal wörtlich. Einige Hundebesitzer verlosen Spaziergänge mit ihrem Vierbeiner oder Treffen auf der Hundewiese. Viele Reiter verschenken Zeit mit ihrem Pferd. Es wird geritten, geputzt und viel gelernt. Freundschaft ist nicht käuflich - auch nicht bei einem Tier "Die Freundschaft zu einem Tier ist etwas ganz besonderes. Sie nur erleben zu können, wenn man ein Tier besitzt, wirkt für mich schon etwas gegensätzlich", sagt Annika Kerger aus Bünde. Die 17-Jährige ist schon im vergangenen Jahr auf eine ähnliche Aktion aufmerksam geworden und fand die Idee toll. Doch da war sie nur als Reitbeteiligung an ihrer Stute Bella beteiligt und konnte nicht darüber entscheiden, wer mit dem Pferd Zeit verbringen darf. Seit August ist das anders. Seitdem gehört Bella nur Annika. Trotzdem mag die Abiturientin das nicht so gern herausstellen. "Ich finde es schade, wenn man sich über andere Pferdefreunde stellt, nur weil man ein eigenes Pferd besitzt. Es kann sich nicht jeder ein Pferd oder teure Reitstunden leisten. Wenn man das kann, dann könnte man ja auch etwas davon abgeben", sagt Kerger. Und deswegen teilt sie Zeit mit ihrer Stute und deren inzwischen zwei Monate alten Fohlen. Aktion läuft das gesamte Jahr über Sie möchte die Aktion aber nicht nur auf die Weihnachtszeit begrenzen, denn dann ist es auch am Stall kalt und mitunter ungemütlich. "Außerdem möchte ich es möglichst vielen Kindern ermöglichen Zeit mit Bella zu verbringen und nicht bewerten, wer es mehr oder weniger verdient hat", sagt die Abiturientin. Ihr Plan ist ambitioniert: Einmal pro Woche darf ein "Gewinner" an den Stall kommen und dann dauert es so lange, wie es dauert. Denn auch zeitlich möchte Kerger den Nachmittag nicht eingrenzen. Gemeinsam wird dann das Pferd geputzt und gestriegelt, es werden Zöpfe geflochten, Möhrchen verfüttert und ein gemeinsamer ausgeritten. Auch Tricks können die Kinder mit Bella üben, denn davon beherrscht die Stute eine Menge. "Es muss sich niemand Sorgen machen. Bella ist sehr lieb und ich bin die ganze Zeit dabei und führe sie", erzählt Kerger. In dieser Woche stand schon die erste Gewinnerin auf der Matte. Insgesamt haben sich 15 Personen auf ihren Aufruf auf Facebook gemeldet. Meist sind es Eltern, die mit einem oder mehreren Kindern kommen. Die Gründe sind ganz unterschiedlich. "Bei vielen Mädchen klappt es tatsächlich aus finanziellen Gründen nicht, ein eigenes Pferd oder eine Reitbeteiligung zu haben." Davor scheuen sich zu melden soll sich niemand, denn für Kerger gibt es keine banalen Gründe. Ihr Freunde sehen die Aktion zweigeteilt. Manche finden sie richtig gut, andere würden ihr Pferd niemals mit Unbekannten teilen. Auch ihre Mutter hatte so ihre Zweifel, denn: "Annika nimmt sich ja nicht mal Zeit für sich selbst. Aber gut, so ist sie." Tieren und Menschen helfen ist die große Leidenschaft der 17-Jährigen. Nach ihrem Abitur möchte sie Notfallsanitäterin werden. Und noch eine Idee hat sie, was sie mit der Zeit nach den Prüfungen anfangen könnte: "Vielleicht Ferienspiele mit Bella und Kindern machen." Die Stute nickt dazu passend mit dem Kopf - einer der vielen Tricks, die das 19-jährige Pferd beherrscht. Wie Annika Kerger sehen es auch andere Tierbesitzer und verlosen Zeit mit ihren Haustieren. Ein Trend, der vielleicht auch über das Weihnachtsfest hinausreicht.

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