Dierk Lenuweit (links) in Prizren - © Dirk-Ulrich Brügemann
Dierk Lenuweit (links) in Prizren | © Dirk-Ulrich Brügemann

Auslandseinsatz Horn-Bad Meinberger erinnert sich an Kosovo-Zeit

Horn-Bad Meinberg/Prizren. Die Bundeswehr wird das Feldlager in Prizren im Kosovo nach fast zwanzigjähriger Anwesenheit zum Jahresende verlassen. Auf dem Gelände und in den Gebäuden sollen Unternehmen aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik, Landwirtschaft und Kreativ- und Kulturwirtschaft heimisch werden. Nach der Berichterstattung über den längsten Auslandseinsatz der Bundeswehr in dieser Zeitung hat sich Dierk Lenuweit bei der Redaktion gemeldet. Der Horn-Bad Meinberger war 2004 in Prizren bei der Multinationalen Brigade Südwest im Feldlager stationiert und hat die Unruhen im Kosovo um den 17. März 2004 persönlich miterlebt. Lenuweit war als Oberst in der Brigade zuständig für den Bereich Unterstützung und koordinierte Personal, Informationstechnologie, Logistik und das Sanitätswesen. Der Bundeswehroffizier, der heute seinen Ruhestand genießt, weist den Eindruck, dass die März-Unruhen ein schwarzes Kapitel der deutschen Armee sei, entschieden zurück. Auch sei das deutsche KFOR-Einsatzkontingent (Kosovo Forces) für die Toten, Verletzten und Vertriebenen in der ehemaligen jugoslawischen Provinz nicht verantwortlich. "Am KFOR-Einsatz waren damals 32, in der Multinationalen Brigade zwölf Nationen beteiligt. Die Brigade stand unter italienischer Führung, die Operationsführung lag in spanischer Hand", berichtet der ehemalige Kommandeur des damals in Augustdorf stationierten und zwischenzeitlich aufgelösten Verteidigungsbezirkskommandos 35. Ein Obdachloser kam in den Flammen ums Leben Lenuweit bestätigt auch, dass es damals im Verantwortungsbereich der Brigade in Prizren einen Toten gegeben habe. Es handelte sich um einen Obdachlosen, der zur Zeit der Brandschatzung des serbischen Priesterseminares unbemerkt im Keller schlief. "Das Priester-Seminar stand damals unter der Obhut der UN-Polizei", sagt Lenuweit. Dass dieser Vorfall damals von den deutschen Soldaten nicht schriftlich gemeldet wurde, sei falsch gewesen, räumt Lenuweit ein. Bereits 2004 seien die KFOR-Truppen in einer Reduzierungsphase gewesen, was der albanische Mob auch genau gewusst habe, erklärt der Oberst a.D.. Die Feldlager-Tore waren durch hunderte Demonstranten blockiert. Schusswaffengebrauch dagegen und gegen den Mob vor dem Bischofssitz in Prizren und vor dem Erzengelkloster war aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nicht möglich. "Die Einsatzregeln verboten auch den Einsatz von Tränengas und die acht Schützenpanzer waren auf Befehl des Berliner Verteidigungsministeriums 25 Kilometer entfernt eingelagert. Tage später wurden die Panzer dann eingesetzt, auf Befehl Berlins aber ohne Munition", erzählt der ehemalige Stabsoffizier. Lenuweit weist darauf hin, dass an vielen Orten der Objektschutz funktioniert habe. Verstärkungskräfte aus Italien und Deutschland trafen ab dem 19. März im Kosovo ein. "Nach wenigen Tage hatten wir Lage wieder unter Kontrolle", sagt Dierk Lenuweit. "Abgesehen von dem einen Toten, waren im Verantwortungsbereich der Brigade keine weiteren Menschenleben zu beklagen. Und wir hatten die letzten 36 aus Prizren vertriebenen Serben in unserem Lager aufgenommen und ihnen Schutz gewährt, obwohl das nicht zu den neutralen Aufgaben der KFOR gehörte."

realisiert durch evolver group